Die Hornhäuser Straße in Oschersleben ist seit einer Woche wieder eine Baustelle. Schon jetzt kommt Kritik von den Anwohnern, vor allem von den Gewerbetreibenden. Ihnen bleiben die Kunden weg.

Oschersleben l Daniela Rothämel, Inhaberin des Gartenbaubetriebes Franz Koch in der Hornhäuser Straße, ist genervt von der Baustelle, die nur wenige Meter hinter ihrem Geschäft beginnt. "Das ist jetzt das vierte Mal in den vergangenen acht Jahren, dass die Straße dicht ist. Zuerst wurde die Eisenbahnbrücke zum Damm umgewandelt, dann wurde eine neue Schrankenanlage am Bahnübergang installiert, schließlich wurde die Hornhäuser Straße vom Kreisverkehr bis zur Schranke saniert und jetzt die aktuelle Baustelle. Uns bleiben die Kunden weg, weil der Durchgangsverkehr zum Friedhof fehlt", schimpft die Floristin. Problematisch sei für das Geschäft die Tatsache, dass mit lebenden Pflanzen gearbeitet werde, gingen diese nicht über den Ladentisch, verderben sie. "Die Kunden haben sogar schon angerufen und gefragt, ob überhaupt geöffnet ist. Aber die Baustelle beginnt doch erst direkt vor der Rampe und nicht schon hier vor meinem Laden. Ich führe das Geschäft in vierter Generation, meine Vorfahren mussten oft und wahrscheinlich teilweise noch viel härter ums Überleben kämpfen. So werden wir auch diese schwere Zeit überstehen", zeigt sich die Geschäftsinhaberin optimistisch. Sie ist froh über das Entgegenkommen der Stadt, die ihr ganz unbürokratisch erlaubte, Schilder am Kreisverkehr und in der Nähe der Schranke aufzustellen.

Michael Reckling von der gleichnamigen Firma ist ebenso Anlieger der Hornhäuser Straße. "Noch kann ich nicht einschätzen, welche Auswirkungen diese Baustelle auf mein Geschäft haben wird, dazu ist sie noch zu jung", meint der Firmeninhaber.

Aber nicht nur Daniela Rothämel hat ihre liebe Not mit der Baustelle. Ihre Gedanken drehen sich auch um die ältere Generation, die nur sehr umständlich zum Friedhof gelangen kann. Hierzu erklärt die Stadt, dass dieser zu Fuß über das Baufeld zu erreichen wäre. Die Haltestellen der Stadtlinie befinden sich derzeit in der Gartenstraße /Nähe Bahnübergang und in der Hornhäuser Straße 32.

Daniela Rothämel stellt sich auch die Frage, warum so kleckerweise gebaut werde und nicht alles auf einmal. Sie kritisiert zudem die Tatsache, dass die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) und auch die Stadtverwaltung die Anwohner und Gewerbetreibenden nicht im Vorfeld informiert hätten. Das wäre wichtig gewesen, um Vorbereitungen zu treffen. Andreas Böhle, Fachbereichsleiter Planung und Entwurf im LSBB, sagte hierzu, dass sich die Behörde danach richte, wie es die Kommunen vor Ort handhaben. Zwingend vorgeschrieben seien Einwohnerversammlungen im Vorfeld einer Baumaßnahme nur, wenn Anliegerbeiträge im Rahmen der Straßenausbaubeiträge zu erheben sind. Das sei bei dieser Straßenbaumaßnahme nicht der Fall. Also wurde nicht informiert. Die Stadtverwaltung Oschersleben jedoch hätte aus der Sicht der Anlieger und hier insbesondere der Gewerbetreibenden eine frühzeitige Information zum Bauablauf gewünscht und als notwendig angesehen.

Bauen ist auch abhängig vom Tunnelbau

Die Baustelle soll bis Ende November andauern. In Anbetracht der Erfahrungen aus den Vorjahren befürchtet Rothämel jedoch Bauverzögerungen. Rainer Beuke, Bauleiter der bauausführenden Firma, weist jedoch die Vorwürfe von sich, dass die Firma sich mit dieser weiteren Baustelle übernommen hätte. "Wir haben genügend Technik und Leute, unseren Aufgaben gerecht zu werden. Mit dem Auftrag sind Baubeginn und Bauende vertraglich genau festgelegt. Dass schon zwei Monate später begonnen wurde, liegt nicht an uns. Wir haben den Auftrag erst vor drei Wochen bekommen", so Rainer Beuke. Am 21.Juli hat die Firma das Zuschlagsschreiben erhalten, am 24.Juli war Bauanlaufberatung und dort wurde festgelegt, am 11.August zu beginnen. "Und das haben wir präzise getan. Im Bauablaufplan steht geschrieben, dass wir am 28.November fertig sein müssen und nichts anderes haben wir vor", so Rainer Beuke.

Annegret Sterz vom Tiefbauamt der Stadt Oschersleben reagierte auf die Kritik an der scheibchenweisen Bauerei. Der Ausbau der Hornhäuser Straße sei zunächst in zwei Bauabschnitten vorgesehen gewesen. Der erste Bauabschnitt wurde zwischen dem Kreisverkehr und dem Bahnübergang 2012/2013 als Gemeinschaftsaufgabe des Bundes, Trink-und Abwasserverbandes und der Stadt realisiert. Der zweite Bauabschnitt wurde noch einmal in zwei Teilabschnitte unterteilt. Derzeit wird vom Friedhof bis zur Weststraße gebaut. Der noch ausstehende Ausbau des 2. Teilabschnittes zwischen dem Bahnübergang und der Weststraße sei insbesondere aus verkehrsorganisatorischen Gründen nur möglich in Abstimmung mit dem Bau des Tunnels in Oschersleben. "Eine belastbare Aussage zu einem möglichen Baubeginn des Tunnels kann seitens der Stadt gegenwärtig nicht getroffen werden", so Annegret Sterz.

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