Nach seinem Tod ließ der Wulferstedter Freisasse Heinrich Christoph Dettmer in seinem Testament verfügen, eine Kleinkinderschule zu bauen. Damit war 1889, also vor 125 Jahren der Grundstein für die Kinderbetreuung in Wulferstedt gelegt. Eine Ausstellung blickt in die Geschichte zurück.

Wulferstedt l Kreatives Treiben herrscht in diesen Tagen in der Wulferstedter Heimatstube. Schon morgen wird hier eine Ausstellung zu einem besonderen Jubiläum eröffnet. Die Kindertagesstätte des Ortes blickt in diesem Jahr auf eine 125 Jahre währende Geschichte zurück. "Im Verlauf dieses Jahres haben wir dieses Ereignis mit verschiedenen Veranstaltungen gefeiert. Ein Höhepunkt wird nun die Ausstellung in der Heimatstube und in unserer Kindereinrichtung sein", erzählt Kita-Leiterin Sylvia Lücht. Gemeinsam mit Kathrin Weihe und den Aktiven aus der Wulferstedter Heimatstube Gunhild Dannenberg, Angelika und Harald Schuhfuß haben sie in diesen Tagen die Ausstellung in der Heimatstube gestaltet. Hier werden viele Fotos zur Geschichte der einstigen Kleinkinderschule zu sehen sein.

Erstaunlich viele sind selbst aus dem vergangenen Jahrhundert bis in das Jahr 1910 zurück sehr gut erhalten. Als vor 25 Jahren die Kindereinrichtung ihren 100. Geburtstag feierte, war bereits sehr viel Material zusammengetragen worden und findet nun wieder Verwendung. In jedem Fall werden die Ausstellungsbesucher am Sonnabend viel zu gucken und zu erinnern haben. Schon bei der Gestaltung der Ausstellung kramten Gunhild Dannenberg, Angelika und Harald Schuhfuß als "Ur-Wulferstedter" in vielen Erinnerungen und wussten so manche Anekdote aus der Kindergartenzeit oder eben von früher zu erzählen.

Dass eine Kindereinrichtung auf eine so lange Geschichte zurückblicken kann und tatsächlich noch Bestand hat, ist eher ungewöhnlich. Doch 1888 starb in Wulferstedt mit Heinrich Christoph Dettmer ein Mann, der mit seiner Verfügung im Testament weit in die Zukunft blickte. Der Freisasse (Bezeichnung für den Besitzer eines abgabefreien Gutes), verfügte, dass aus seinem Erbe eine Kleinkinderschule gebaut werden solle. Seine Frau setzte seinen letzten Willen um und schon 1889 begann der Bau der Kindereinrichtung. Damit hatten es die Wulferstedter Frauen ein Stück weit einfacher, als andere in der Region, die ihre Kinder mit auf das Feld zur Arbeit nehmen mussten. Betreut wurden Kinder vom Säuglingsalter bis in die Schulzeit hinein. Bis zu 60 Kinder seien in dem einstigen Gebäude, in welchem bis 1999 der Wulferstedter Kindergarten untergebracht war, betreut worden. "Somit setzen wir heute diese Kinderbetreuung fort, denn unsere Einrichtung besuchen heute 54 Jungen und Mädchen zwischen 9 Monaten und zehn Jahren, da auch der Hort mit integriert ist", erzählt Sylvia Lücht.

Auch wenn schon zahlreiches Bildmaterial vorhanden ist, so fehlen doch ganze Jahrgänge wie beispielsweise aus den 1960er oder 1970er Jahren. "Wer also noch alte Fotos in Schubladen oder Schuhkartons zu Hause hat, kann diese gern noch zur Ausstellungseröffnung mitbringen", rufen die Organisatoren die Wulferstedter auf. Die Geschichte der Wulferstedter Kindereinrichtung wird sozusagen in zwei Teilen dargestellt. Die ältere Geschichte ist in der Heimatstube zu sehen, Aktuelles finden Ausstellungsbesucher in der heutigen Kita.

Die Eröffnung der Ausstellung "125 Jahre Kindertagesstätte Wulferstedt" erfolgt morgen um 14.30 Uhr in der Heimatstube, von 16 bis 18 Uhr ist die Kita geöffnet.

Bilder