Die Stimme bricht gerade erst, und Julian Weigel darf sich bereits Norddeutscher Meister nennen. Der hochgeschossene Junior hat jüngst die Rennserie "Norddeutsche Kart-Challenge" für sich entschieden - in seiner Debütsaison auf der Rundstrecke.

Eilsleben l Im Kart gibt es kein Zurückhalten mehr. Dann wird der neben der Strecke eher schüchterne Junge zum bleifüßigen Rundenfresser, der die "Vollgas voraus"-Devise mit der ausnehmenden Intuition für Brems- und Beschleunigungspunkte zu vereinen weiß. Zwölf Jahre ist er jung, Siebentklässler in seinem Heimatort Eilsleben, die Pubertät hat frisch eingesetzt. Als Rennfahrer jedoch hat Julian Weigel die Reifejahre fast schon hinter sich. Vier Landesmeistertitel im Kartslalom hatte er bereits in der Tasche, als er zur neuen Saison auf die anspruchsvollere Rundstrecke wechselte. Ihm gelang das Kunststück, die Konkurrenz auf Anhieb auch hier zu dominieren. Nach sechs Stationen und zwölf Rennen durfte im Hause Weigel gefeiert werden, der Filius wurde zum Norddeutschen Kartmeister gekrönt.

"Kartslalom bedeutet Einzelrennen gegen die Uhr auf einem kleinen, mit Pylonen abgesteckten Kurs", erklärt Julian den Unterschied. Die Kart-Challenge dagegen wird auf ausgewählten "echten Strecken" ausgetragen, über je ein ganzes Rennwochenende mit freiem Training, Qualifying, Warm up und schließlich dem Wettstreit des gesamten Fahrerfelds in zwei Rennläufen. "Vom Ablauf her prinzipiell vergleichbar mit der Formel 1, aber natürlich einige Nummern kleiner", sagt Kirsten Weigel. Der Papa ist stetiger Begleiter des geschwinden Sohnemanns, obendrein auch sein Chefmechaniker. Sie treten für das in Peine ansässige Team "Tom-Tech" an, managen den Großteil ihres Hobbys aber in Eigenregie. Das Kart wurde gebraucht gekauft und entsprechend aufgemotzt. Transportiert wird es im geschlossenen Anhänger - mal nach Oschersleben quasi vor die Haustür, mal bis nach Thüringen oder auch tief ins Hessische hinein: "Es heißt zwar Norddeutsche Kart-Challenge, aber wir waren eigentlich in ganz Deutschland unterwegs."

Die Mama verfolgt die rasante Leidenschaft ihrer Jungs nicht selten mit gemischten Gefühlen: "Ich fiebere immer mit und freue mich über die Erfolge, aber manchmal wird einem schon etwas mulmig", meint Melanie Weigel. Immerhin beschleunigen die 20-PS-Motoren in der Juniorklasse auf Werte deutlich jenseits der 100km/h. "Die Leistung der Karts ist mit 15 Kilowatt vorgegeben. Vergleicht man das mit einem Auto mit 1,7 Tonnen, müsste dieses etwa 250 PS haben", stellt Kirsten Weigel einen anschaulichen Vergleich an und betont: "Sicherheit hat oberstes Gebot, das fängt schon bei der Ausrüstung an, die über ein Motorsportzertifikat verfügen muss."

Julian fühlt sich im Geschwindigkeitsrausch einfach nur wohl: "Es liegt mir vielleicht irgendwie im Blut, ich kann`s nicht anders beschreiben." Die Mutter bestätigt augenzwinkernd: "Er hat früh damit angefangen, als er noch ein Steppke auf dem Bobbycar war." Seine Trainer und Teamverantwortlichen bescheinigen Julian "absolutes Renntalent". Er stelle auch bei wechselnden Bedingungen viel Fahrgefühl unter Beweis und setze Hinweise mindestens ebenso schnell um, wie er seine Runden absolviert.

Den Gesamterfolg allerdings hat sich der Titelträger beim Saisonfinale noch fast selbst verbaut. "Er ist mit großem Punktevorsprung und als Quali-Sieger in die beiden letzten Läufe gegangen, und dann kam es zum Missverständnis", beschreibt der Vater die Zitterpartie. "Ich habe eine Fahne falsch interpretiert und bin überflüssigerweise an die Box gefahren", berichtet Julian. "Wir haben uns fragend angeguckt, dann ging es wieder los, aber ich war dann natürlich aussichtslos am Ende des Feldes." So war das Polster aufgebraucht und ein gewisser Druck da: Platz sechs musste im Abschlussrennen schon her - er raste, von hinten startend, auf Rang drei vor, inklusive schnellster Rennrunde, was einen Zusatzpunkt bedeutet. Somit durfte Julian ganz wie die Rosbergs, Vettels und Co. auf dem Podium mit Sekt spritzen und anstoßen - alkoholfrei, versteht sich.

In der kommenden Saison geht es für Julian und seinen Flitzer wieder eine Stufe rauf. "Wir melden uns für die Internationale Deutsche Meisterschaft in der RMC-Serie", so Kirsten Weigel und lässt leise hoffen: "Ich denke, da wird dann auch schon mal genau hingeschaut, was aufstrebende Talente angeht." Der Zwölfjährige nämlich hat eine ziemlich klare Vorstellung davon, wo die Zielflagge zukünftig für ihn geschwenkt werden soll: "In einer großen Rennserie, das wäre toll. Am liebsten natürlich in der Formel 1, aber den Traum haben viele."

 

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