Wer gern backt und sich nicht scheut, dabei auch mal Neues auszuprobieren, dürfte für die Anregungen im geplanten "Auleber Backbuch" empfänglich sein. Anderenfalls eignet es sich gewiss auch als Geschenk oder Erinnerungssouvenir. So in etwa jedenfalls haben sich das Beate Mücksch und Marita Wölk für ihr Projekt Rezeptesammlung gedacht.

Hötensleben l Mit dem Backbuch verfolgen die beiden Frauen aus Hötensleben gleich drei Leitgedanken: "Es soll auf seine Weise ein Stück Ortskultur und Heimatgeschichte abbilden; es soll eine handfeste Erinnerung an die 1000-Jahr-Feier der Gemeinde sein; und damit soll auch ein Beitrag zur Finanzierung derselben geleistet werden", zählt Beate Mücksch den Dreifachzweck der Idee auf. Aufhänger ist also das im kommenden Jahr anstehende Dorfjubiläum anlässlich der offiziellen Ersterwähnung vor tausend Jahren. Schon der Arbeitstitel "Auleber Backbuch" trägt dem Rechnung, denn Auleben ist eine altüberlieferte Bezeichnung für den Ort Hötensleben, vermutlich begründet mit der Lage am Bach Aue.

"Unser Dorf war im Zuge des Zweiten Weltkriegs auch gekennzeichnet von Zuwanderern aus Ostpreußen und Schlesien, viele sind geblieben und haben Spuren hinterlassen, und sie haben natürlich auch ihre eigene Küchenkultur mitgebracht", sagt Beate Mücksch. "Daher bin ich sicher, dass wir eine Rezeptesammlung ganz unterschiedlicher Einflüsse und Ursprünge erstellen können." Geschmack präge sich früh und tief zu Hause ein, und nicht selten weckten Geschmackserlebnisse lebendige Erinnerungen an fast vergessene Zeiten. "Jeder kennt doch diesen Moment, wenn man merkt, oh, das schmeckt ja wie früher", erklärt Mücksch, "doch leider gehen die Rezepte dafür oft verloren, wie ich beobachtet habe." Das Backbuch soll Abhilfe schaffen.

Dabei sind es nicht unbedingt nur die Uraltrezepte aus Großmutters Schublade, die gesammelt werden. Der Aufruf der beiden Frauen zielt explizit auf Lieblingsbackrezepte ab - egal, ob klassisch oder modern, ob vegan oder laktosefrei, ob Kuchen, Plätzchen oder Brot. Erwünscht ist so ziemlich alles, was als Teig in die Ofenröhre geschoben wird. "Und wir wollen uns auch nicht auf die eingesessen oder zugezogenen Hötensleber beschränken", betont Marita Wölk. "Wir freuen uns auch auf Zusendungen aus den umliegenden Orten; je mehr, desto besser."

Wölk ist Mitglied der Planungsgruppe fürs Dorfjubiläum und weiß um die Größe der Aufgabe nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht: "Die paradiesischen Bedingungen wie noch zur 975-Jahr-Feier haben wir leider nicht mehr, es steckt jetzt auch viel Klinkenputzen in der Vorbereitungsarbeit." Der Erlös aus dem Backbuch-Verkauf soll die eine oder andere Lücke schließen.

Die Veröffentlichung haben die Frauen für Herbst ins Auge gefasst. "Bis Ende Januar sammeln wir noch Rezepte. Es wird gewiss kein Wälzer, aber eine gute Heftstärke ist das Ziel. Dann schauen wir, wie wir das Buch aufbauen und sich die Kosten gestalten."