Der Metallbaufirmeninhaber Willi Kemmer (60) äußerte gestern seine Sorgen und Ängste, was die Bioethanol-Transporte durch Wanzleben betrifft, bezugnehmend auf den am Dienstag in der Volksstimme veröffentlichten Beitrag "Bioethanolzüge kreuzen Straße weiter ohne Schranke". Er bittet Verkehrsminister Daehre seine Forderung nach Schrankenanlagen zu überprüfen.

Wanzleben. "Ich finde, dass die Gefahren, die von den Bioethanol-Transporten ausgehen, von den Verantwortlichen ziemlich heruntergespielt worden sind. Aussagen, dass Bioethanol kein explosiver, sondern ein brennbarer Stoff sei und deshalb ohne Einschränkungen transportiert werden könne, werden diesem, wie ich finde, sensiblen Thema nicht gerecht. Das Produkt ist brennbar und so lange der ,Tiger im Kessel ist\' auch in Ordnung. Aber was passiert, wenn der Zug am unbeschrankten Bahnübergang auf menschliches Versagen trifft? Wenn beispielsweise dicker Nebel herrscht und ein Lkw-Fahrer die dunklen Waggons nicht sieht, nicht mehr rechtzeitig bremsen kann und mit einem der Kessel kollidiert? Für einen Brand braucht man brennbares Material, eine Flamme und Sauerstoff - und schon brennen die Kesselwagen." Solch ein Szenario möchte sich Kemmer, dessen Werkstatt nur knapp 50 Meter neben der Bahnstrecke liegt, gar nicht erst weiter ausmalen. "Schließlich habe ich noch das Zugunglück von 1967 in Langenweddingen im Kopf. Und nach der jüngsten Tragödie in Hordorf sollte man, egal bei welchem Zug, an alle Verwicklungen denken, die eben durch menschliches Versagen zu einem Unglück führen können. Deshalb möchte ich an dieser Stelle unseren Verkehrsminister Daehre bitten zu prüfen, ob die beiden Bahnübergänge in Wanzleben mit einer Schranke gesichert werden können." Er sei dafür, dass mehr Güter auf die Gleise kommen. Dabei müsse aber die Sicherheit für die Menschen im Vordergrund stehen.

Zu den Ausführungen in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht zum Bioethanol-Transport von Gerhard J. Curth, Geschäftsführer der Deutschen Regionaleisenbahn, sagte er: "Ich habe selbst beobachtet, dass auf jedem Zug, der das Werk verlässt, zwar ein Lokführer sowie ein Sicherungsposten sitzen und letzterer vor den unbeschrankten Bahnübergängen samt Beleuchtung und Flagge auch absteigt, um den Autoverkehr manuell zu stoppen. Dann aber kurz nach dem Wiederanfahren der Lok auf diese aufsteigt." Die nachfolgenden bis zu 24 ,pottschwarzen\' Waggons würden dann in der Nacht ,untergehen\'. "Und was ist, wenn kein Posten mehr am Übergang steht und ein Auto- oder Lkw-Fahrer nicht aufpasst und in einen der unbeleuchteten Kessel fährt?"

Kemmer gibt zudem zu bedenken, dass beide Bahnübergange in Wanzleben für Autofahrer schlecht einsehbar seien. "Vor allem der in Richtung Domersleben ist völlig mit Gestrüpp zugewachsen."

Am 2. März ist ein Treffen mit dem Minister und der Geschäftsleitung der Regionaleisenbahn geplant.