Die Luft ist frisch und die Sonne scheint. Über den Wiesen im Großen Bruch weht ein lauer Wind. Ein Rotmilan kreist um eine Baumgruppe. Herbert Teulecke steht inmitten dieser Landschaft am Rande von Neudamm. Er sucht nach Spuren von Steinkäuzen, die er ausgewildert hat. Sie sollen im Bruch wieder heimisch werden - mit Unterstützung der Vereinigung "Stiftung Umwelt- und Naturschutz".

Am GroßesBruch. An einem Holzmast hängt das Schild mit der schwarzen Eule auf weißem Grund: Das Zeichen für Naturschutzgebiet. Zu dieser Eule könnte sich ein lebendiger Artgenosse gesellt haben, hofft Herbert Teulecke, Mitglied in der Vereinigung "Stiftung Umwelt- und Naturschutz". Er schaut am Fuß des Mastes nach Gewöllen, nach unverdaulichen Nahrungsresten, die der Steinkauz dort auswürgt, wo er sich niederlässt. Aber nichts, diesmal.

Teulecke ist dafür an anderen Stellen bereits mehrfach fündig geworden. Dort, östlich von Neudamm, zuletzt im Mai 2010, außerdem östlich von Neuwegersleben. "Ich konnte auch Steinkäuze sehen", berichtet er. Das war im Oktober vergangenen Jahres am Gut in Wulferstedt. "Da saßen zwei verschiedene Käuze auf Speicher und Dach", freut sich der Oschersleber. Das sind zaghafte Zeichen des ersten Erfolgs.

Seit etwa drei Jahren hat er mit seinen Mitstreitern insgesamt 36 Steinkäuze ausgewildert, allein 14 seit August. Die vom Aussterben bedrohten Tiere kommen aus Zoos in ganz Deutschland. Ob es die nun ins Bruch entlassenen Käuze schaffen, dort tatsächlich ihren Lebensraum zu finden, ist offen. Teulecke ist Vogelkundler und weiß: "Dass es höchstens ein Drittel der Tiere überlebt, ist ganz normal. Das ist das Gesetz der Natur - egal, ob sie ausgesetzt werden oder, ob sie in freier Wildbahn aufwachsen." Wenn es nur zehn Käuze schaffen würden, im Bruch oder in anderen Gefilden darüber hinaus zu bleiben, das wäre ein Erfolg für ihn.

Das Bruch selbst biete dafür im Grunde sehr gute Voraussetzungen. Die kurzrasigen Wiesen seien für den Steinkauz besonders gut, weil er seine Nahrung finden kann, wie zum Beispiel Mäuse, Käfer oder Regenwürmer. "Es muss für ihn auch alte, höhlenreiche Bäume geben", erklärt Teulecke mit Blick auf das Brutverhalten der kleinen drolligen Eulenart weiter. Im Bruch bieten sich dafür die Kopfweiden an.

Damit es der Steinkauz bei der Suche nach geeigneten Nistplätzen etwas leichter hat, sind in den vergangenen Jahren im Bruch 35 Nistkästen von Mitgliedern der Vereinigung "Stiftung Umwelt- und Naturschutz" angebracht worden.

"Ich hoffe, dass sie geschmust haben"

Einen ganz speziellen "Nistkasten" hat Herbert Teulecke in diesen Tagen besonders im Blick. Die Voliere bei Wulferstedt, in der gerade ein Steinkauz-Pärchen von ihm betreut und versorgt wird. Das Weibchen geht kaum aus dem innen angebrachten Holznistkasten heraus, das Männchen dagegen schon, manchmal von Teulecke herzerwärmend "Fridolin" genannt.

Das äußerst scheue Tier zieht sich aber sofort in eine Ecke zurück, wenn der Naturfreund das Futter in den Käfig legt. "Gestern", erzählt Teulecke, "war auch der Steinkauz im Nistkasten und sie haben geschmust. Ich hoffe zumindest, dass sie das gemacht haben." Mit dem Frühling, der gerade Bäume und Blumen langsam aufblühen lässt, ist für die Steinkäuze die Balzzeit gekommen. Spätestens Ende Mai oder Anfang Juni zeigt sich, ob tatsächlich Nachwuchs zu erwarten ist. Teulecke ist vorsichtig optimistisch, als er das erklärt. Denn im vergangenen Frühling blieben die Eier unbefruchtet. Aber: Neues Jahr, neues (Frühlings-)Glück.