Abermals trafen am gestrigen Freitag "Für" (Bauherr) und "Wider" (Bürgerinitiative) zur geplanten Biogasanlage in Siegersleben aufeinander. Die Entscheidungsträger vom Landkreis wollten sich vor Ort ein Bild machen und hatten dazu beide Seiten eingeladen. Auch politische Vertreter aus Gemeinderat und Landtag waren dabei.

Siegersleben. Dietrich Bredthauer als amtierender Landrat, mehr aber in seiner Position als Dezernent für das zuständige Bauordnungsamt, war persönlich nach Siegersleben gekommen, um im Widerstreit zwischen Betrieb und Bürgern ein klareres Bild zu gewinnen. Stand der Dinge im laufenden Genehmigungsverfahren, so war von Bredthauers Mitarbeiterin zu hören, ist: "Die vom Antragsteller vorgelegten Gutachten entsprechen dem gesetzlichen Rahmen. Derzeit befassen wir uns mit der Brandschutzprüfung. Sowie diese abgeschlossen ist, dürften wir in der Lage sein, eine Entscheidung zu treffen."

Am angeten Bauplatz prallten noch einmal die Meinungen aufeinander, zuweilen scharf im Ton, aber letztlich bewegten sich die Kontrahenten aufeinander zu. Im Streitpunkt um die Anlieferungsstrecke für das Rohmaterial stellte Landwirt Fritz Garben die Schaffung eines Schotterweges in Aussicht, um die Lindenstraße zu entlasten. Voraussetzung dafür wäre die Genehmigung der Gemeinde. Britta Garben betonte überdies: "Wir werden nach dem Bau der Anlage nicht mehr ernten als jetzt, sondern nur anders. Das Aufkommen bleibt also gleich. Rübenlaster werden es sogar weniger, weil ein Teil der Zuckerrüben für die Anlage verwendet wird." Dem entgegen stehe jedoch, wie Anwohner Klaus Keßler feststellte, das erhöhte Transportaufkommen für die angelieferte Gülle. Daher auch der Vorschlag mit dem neu anzulegenden Ackerweg, der in diesem Punkt einen Kompromiss bedeuten könnte.

Aufhorchen ließ die erstmals in dieser Deutlichkeit eingeräumte Möglichkeit Garbens, die Anlage - je nach Energiebedarf - zu einem späteren Zeitpunkt zu erweitern, da sie mit der Anfangskapazität nicht das gesamte Rohmaterial verarbeiten könne. Für die anwesende Landtagsabgeordnete Gabriele Brakebusch steht diese zögerliche Informationspolitik exemplarisch für die offenkundigen Divergenzen: "Ich habe den Eindruck, dass das Vertrauen zwischen dem Betrieb und der Gemeinde seit Jahren negativ belastet ist. Man sollte besser mit offenen Karten spielen, um füreinander etwas zu erreichen."

Unterm Strich scheinen die Weichen auf Genehmigung des Bauantrags zu stehen, zumal die Anlage politisch-gesetzlichen Empfehlungen entspricht. Dietrich Bredthauer allerdings betonte: "Heute fällt noch keine Entscheidung, wir wollen uns nur ein Bild machen von den örtlichen Begebenheiten und Unstimmigkeiten."