Die Diskussionen um die Baumfällungen in Domersleben gehen weiter: Während die Bewohner die Verwaltung diesbezüglich wegen fehlender öffentlicher Vorab-Informationen weiter scharf kritisieren, konnte nun ein Teilerfolg erzielt werden. Die Bäume im Park bleiben vorerst stehen, bis andere Möglichkeiten der Regenentwässerung geprüft worden sind. Nächste Woche soll es einen Gesprächstermin geben.

Domersleben. Nach dem Fällen von rund 40 stattlichen ortsbildprägenden Linden in der Domersleber Martin-Selber-Straße setzen sich die Anwohner nun weiterhin dafür ein, dass wenigstens noch die Parkanlagen-Bäume stehen bleiben können. Diese waren bereits für die Fällung markiert worden und sollten bereits in der vergangenen Woche in Vorbereitung auf den Ausbau der hier im Park geplanten Versickerungsfläche für das Oberflächenwasser weichen. Ein erster Erfolg: Die Bäume bleiben vorerst bis zu einer weiteren Entscheidung stehen.

Bauamtsleiter Olaf Küpper räumte gestern ein, dass es kurzfristig, voraussichtlich nächste Woche, dazu ein Gespräch mit den Grundstückseigentümern und dem Trink- und Abwasserband (TAV) geben werde.

Dabei soll nach Möglichkeiten für eine Lösung gesucht werden, mit der man die im Park geplante Versickerungsfläche verringern könnte. Denn nur so könnten die großen Bäume stehen bleiben.

"Wenn die zentral geplante Versickerungsfläche zugunsten des Baumbestandes schrumpfen soll, müssen Ersatzflächen für die Entwässerungsanlage her. Für diesen Punkt sind die Eigentümer, die ein Grundstück an der Straße haben, gefragt", sagte Küpper gestern. Und genau diese Frage soll bei dem Treffen, das nächste Woche stattfinden soll, geklärt werden. "Die betroffenen Grundstückseigentümer müssten sich dazu äußern, ob sie bereit sind, eine Lösung zur Entwässerung auf ihren Grundstücken zu schaffen, um so die Berechnung für die aktuell zentrale geplante Fläche für das Regenrückhaltebecken reduzieren zu wollen", erklärt der Amtsleiter. Für diese Lösung bräuchten die Grundstückseigentümer dann eine wasserrechtliche Genehmigung, für deren Vergabe die Untere Wasserbehörde zuständig sei.

Ortschaftsrat Hartmut Thiele, der gestern mit Bauamtsleiter Olaf Küpper auch über den Lösungsweg der dezentralen "Versickerungsidee" für das Regenwasserproblem sprach, sagte gegenüber der Volksstimme, dass der Aufwand und Nutzen, was die Planung der Baumaßnahme betreffe, in keinem Verhältnis mehr zueinander stehen würden. "Das erst jetzt nach einer vernünftigen Lösung des Entwässerungsproblems gesucht wird, damit die restlichen Bäume im Park noch stehen bleiben können, finde ich unfassbar. Dann hätten auch die anderen Bäume nicht geköpft werden müssen. Die Verwaltung hätte uns einfach über das Vorhaben, hier sämtliche Bäume fällen zu wollen, früher informieren müssen. Jetzt heißt es laut Aussagen der Unteren Wasserbehörde, dass sich die Anwohner zum Thema Regenentwässerung bereits im Vorfeld hätten äußern sollen? Das ist doch völlig undurchsichtig. Darüber hätte die Verwaltung aufklären müssen. Da frage ich mich, ob der Bürger für die Verwaltung da ist, oder die Verwaltung für den Bürger? Ich bleibe bei meiner Meinung, dass es zu den Umfängen der Baumaßnahme vorab eine öffentliche Bekanntgabe hätte geben müssen, und zwar bevor die Linden gefällt werden mussten."

Ortsbürgermeister Bernd Meyer hatte zu den Vorwürfen, dass er von den Baumfällungen gewusst habe, vergangene Woche gegenüber der Volksstimme gesagt, dass auch er über die inhaltlichen Veränderungen in der Ausschreibung für die Baumaßnahme in punkto Baumfällarbeiten im Vorfeld nicht informiert worden war. Auch in dem Beschluss für die Baumaßnahme Anfang Dezember habe von den geplanten Baumfällarbeiten nichts gestanden, was laut Meyer so nicht üblich sei. "Dass es hier zu einem Kahlschlag kommen würde, wusste von uns Domerslebern niemand. Erst am 20. Dezember hieß es vor Ort, dass die Bäume weggenommen werden müssten. Dass jetzt auch noch die Linden im Park für die Entwässerung gefällt werden sollen, war ebenfalls nicht ersichtlich und ist in meinen Augen absoluter Blödsinn und nicht nachvollziehbar. Das ist völlig unnötig. Wir haben drei Jahre lang die Maßnahme so geplant, dass die Bäume stehen bleiben können. Und nun das?" Auch der Ortsbürgermeister bleibe bei seiner Meinung, dass man die Anwohner bereits im Vorfeld hätte informieren, zum Thema der Regenwasserproblematik befragen und in die Planungsgespräche mit hätte einbeziehen müssen.

"Wer gibt den Anwohnern der Martin-Selber-Straße denn jetzt die Gewissheit, dass ihre Keller, wenn das zentrale Regenrückhaltebecken vollläuft, am Ende nicht auch unter Wasser stehen?", fragt Meyer.

Der Domersleber Ortschaftsrat Hartmut Thiele beschreibt nach seiner Ämter-Odyssee in einem Leserbrief die "Sachstand"-Situation zur Martin-Selber-Straße mit folgendem kritischen Spruch: "Mit der Problematik Regenentwässerung haben sich vier Kollegen befasst, die da heißen: Jeder, Jemand, Irgendjemand und Niemand. Das Problem musste gelöst werden. Jeder war sicher, dass sich schon Jemand darum kümmern werde. Irgendjemand hätte es tun können, aber Niemand tat es. Jemand wurde wütend, weil es Jeder‘s Arbeit war. Jeder dachte, Irgendjemand könnte es machen, aber Niemand wusste, dass Jeder es tun könnte. Letztendlich beschuldigt Jeder Jemand, weil Niemand tat, was Irgendjemand hätte tun müssen. Entstandene Kosten sind ,gottlob‘ nur Steuergelder. Wir müssen es ja haben!"

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