Oschersleben. Philosophieren über das Image der Berufsschulen, hinweisen auf die Diskrepanz zwischen der 9. Klasse als Zugangsvoraussetzung und den hohen Anforderungen in der Ausbildung für Kinderpfleger, gemeinsames Träumen von einem Jugendgästehaus gleich nebenan auf dem Burg-Areal – gestern war Kultusministerin Birgitta Wolff in den Berufsbildenden Schulen – Europaschule Oschersleben (BbS) zu Gast. Schulleiterin Gudrun Neumann hatte eine lange Themenliste, für die die Ministerin ungewollt immer wieder Stichworte gab.

"Das sieht ja von außen eher wie eine Fabrik aus", stellte Birgitta Wolff fest, als sie die Schule betrat. Stichwort für den Hinweis, dass die Schule neu und gut ausgestattet sei, die Berufsschüler aber nicht gerade optimal untergebracht sind, verteilt in Oschersleben, Krottorf und Gröningen. "Ein Jugendgästehaus dort – das ist ein Traum", sagte Gudrun Neumann und wies auf die Burg. Bewos-Geschäftsführer Hans Walker nutzte die Chance und stellte der Ministerin die Pläne zur Bebauung des Areals vor einschließlich der Möglichkeit, ein Gästehaus zu integrieren, das die Berufsschüler nutzen, aber auch Besucher der Rennbahn. Werben um weitere Partner bei der Stadtentwicklung, und Birgitta Wolff wies mit der Frage nach denkmalgeschützten Objekten zugleich auf eine weitere Quelle für Fördergeld hin.

Hauptinhalt des mehrstündigen Besuchs, den die Landtagsabgeordnete Gabriele Brakebusch eingefädelt hatte, war jedoch die Berufsschule selbst.

Praktiker als Lehrer

So erfuhr die Ministerin, dass sie mit der BbS ein Konzept testen kann, das sich in den USA bewährte: Junge Spitzenkräfte gehen nach einer kurzen pädagogischen Schulung für einen begrenzten Zeitraum als Lehrer in die Berufsschule. Nicht wenige bleiben, so die verblüffende Erfahrung. Vor allem aber: Die Schüler werden von den Leuten aus der Praxis anders unterrichtet, lernen anders und sind anders motiviert. Und nicht zuletzt angesichts der Altersstruktur der Lehrer ist Gudrun Neumann an einem solchen Versuch interessiert.

Eine wichtige Anregung gab die Frau aus der Praxis der Ministerin mit: Es habe gute Erfahrungen bei einem Projekt mit der Puschkinschule gegeben, in dem Achtklässler sich in allen Berufsfeldern umsehen konnten und schließlich etwas herstellten, bei dem sie schreiben, rechnen und mit den Händen arbeiten sowie ihr Produkt präsentieren mussten. Dieser ganzheitliche Ansatz sei ein Schlüssel zum Erfolg, dass Jugendliche den richtigen Beruf finden. Vielleicht sind die Berufsschulen ja die "geborenen" Partner der Sekundarschulen bei der Berufsorientierung und wir müssen in dieser Richtung fördern, schlussfolgerte Birgitta Wolff.

"Da müssen wir Stabilität hinein bekommen", stimmte die Ministerin der Bitte um Verlässlichkeit in der Schulsozialarbeit zu. "Es gibt viele Tätigkeitsfelder an Schulen, für wir das jeweils passende Personal brauchen, gerade auch angesichts des Ausbaus hin zur Ganztagsbetreuung."

Wie sehr die praktische Arbeit motivieren kann, haben ihr die Hauswirtschafts-Schüler bewiesen. Sie bereiteten für den Besuch von Birgitta Wolff ein kleines Büfett mit liebevoll gestalteten belegten Broten und einer Suppe vor. Und unter der umgestülpten Kaffeetasse lag ein Glückskeks.