In der Barneberger Kulturscheune fand am Freitag der traditionelle Neujahrsempfang der Gemeinde Hötensleben statt. Der Festakt wurde musikalisch vom Familienensemble Radke eingeleitet, bevor Bürgermeister Dieter Buchwald die geladenen Gäste begrüßte. Dazu zählten nicht nur die Mitglieder des Gemeinderates, sondern auch Vertreter der Vereine und Unternehmungen im Ort, sowie Mitglieder der Parteien, Kirchen, der Feuerwehren, Kindertagesstätten und der Grundschule.

Barneberg. Mit dem Neujahrsempfang werden in der Gemeinde das Ehrenamt und das Engagement von Bürgern gewürdigt. Wie Dieter Buchwald an dem Abend erklärte, müssten hierfür drei Kriterien erfüllt werden: "Das Ehrenamt wird freiwillig und ohne Gegenleistungen gebracht. Es dient der Verbesserung der Lebenssituation einzelner Menschen oder der Gemeinde insgesamt. Es leistet einen Beitrag zur Förderung der Solidarität und des Gemeinsinns". Auf Günther Schwulera (Hötensleben) und Wieland Schröder (Barneberg) treffen diese Kriterien vollauf zu. Beide begleiten sie seit vielen Jahren das Geschehen in ihren Heimatorten als Chronisten – unentgeltlich.

Demzufolge kam aus dem Gemeinderat der Vorschlag, Wieland Schröder und Günter Schwulera in diesem Jahr für ihr ehrenamtliches Bemühen zum Wohle der Gemeinde auszuzeichnen. "Das Vorschlagsrecht kann übrigens jedoch von jedem Bürger wahrgenommen werden", sagte Dieter Buchwald, der zugleich betonte: "Der Neujahrsempfang sollte trotz aller Sparzwänge in der Gemeinde erhalten bleiben. Er fördert das Kennenlernen im neuen Gemeindebund und entwickelt den Gemeinschaftssinn."

Mit dem musikalischen Zwischenspiel "Danny Boy" leitete das Familienensemble Radke zur Festansprache und der Laudatio zum Ehrenamt von Pfarrer Peter Mücksch über. "Eine Rede soll ich halten, was mir sehr schwer fällt, ohne Amtstracht. Oder weil ich über etwas reden soll, von dem ich eigentlich keine Ahnung habe", hob der Pfarrer an. Im weitern Verlauf der Laudatio erfuhren die Anwesenden, dass Mücksch sehr viele Gedanken zum Ehrenamt zusammengetragen hatte. Was ist ein Ehrenamt? Da gelte es zunächst erst einmal die Worte Ehre und Amt zu definieren und aufzuschlüssel, woher sie kommen. Was hat es heute noch zu bedeuten?

Mit der Übertragung eines Ehrenamtes, übernehme man eine Verantwortung, der man auch gerecht werden muss. Es sei aber "unverzichtbar für ein erfülltes Leben – nicht nur für das eigene, sondern auch das der Gemeinschaft", führte Mücksch aus.

1838 wurde in der Gemeindeordnung erstmals festgelegt, welche Aufgaben an Ehrenamtliche zu verteilen sind. "Das Ehrenamt ist somit ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft, und es gibt sie eigentlich schon so lange, wie die Menschheit besteht." Zum Schluss seiner Gedanken, dankte Pfarrer Mücksch allen ehrenamtlich Arbeitenden und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass sich noch mehr Mitbürger für ein Ehrenamt begeistern können. "Heute erfahren zwei Ehrenamtliche die Achtung, die ihnen für ihre unermüdliche Arbeit zum Wohl der Orte Barneberg und Hötensleben zusteht. Freuen wir uns mit ihnen!"

Tausendsassa mit viel Engagement

Gemeinderatsmitglied Elke Himmstädt dankte unter dem Beifall der Anwesenden Pfarrer Mücksch für seine bedeutenden und ausführlichen Worte, bevor sie nach einem weiteren Musikstück die Laudatio für den Barneberger Ortschronisten Wieland Schröder verlas.

Die Gäste erfuhren, dass er 1939 in Altenburg geboren wurde und durch seine NVA-Zugehörigkeit 1962 nach Barneberg kam. Bereits vor 40 Jahren begann seine Tätigkeit als Ortschronist. Damals noch gemeinsam mit Reinhold Knape. Akribisch und mit viel Engagement erarbeitete er die Barneberger Geschichtshefte. Teil eins mit den Jahren 1150 bis 1900 ist bereits erschienen, Teil zwei wird demnächst folgen, während die Ausgaben Nummer drei und vier in der Vorbereitung sind. Für die Feuerwehr, den Sport- und Kleingartenverein, sowie für die Kindertagesstätte hat Wieland Schröder darüber hinaus individuelle Chroniken erarbeitet.

Gesellschaftliche Verantwortung übernahm er von 1990 bis 2009 als Gemeinderatsmitglied. Schröder hat maßgeblichen Anteil an dem Wiederaufbau des Mausoleums des Generalfeldmarschalls Neidhard von Gneisenaus in Sommerschenburg, wo er auch von 1995 bis 2007 als Vorsitzender der Gneisenaugesellschaft wirkte. Wieland Schröder ist Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Barneberger Heimatvereins. Unter seiner Regie erscheint viermal im Jahr das Heimatblatt. Eine eigene Chronik des Vereins ist in Arbeit.

Elke Himmstädt dankte Wieland Schröder dafür, dass er "die Barneberger Geschichte für die Nachwelt aufgearbeitet und bewahrt hat" und wünschte ihm weiterhin viel Spaß bei seiner interessanten Tätigkeit als Chronist.

Dann trat Dieter Buchwald ans Mikrofon, um einiges zur Ehrung von Günter Schwulera zu sagen, denn auch er hält die Ereignisse in seinem Heimatort als Ortschronist für die Nachwelt fest. Der gebürtige Hötensleber ist Jahrgang 1939 und durch seine Tätigkeit als Ingenieur im Armaturenwerk in der Gemeinde sehr bekannt. Nach seiner beruflichen Laufbahn suchte sich Günter Schwulera eine neue Herausforderung und wurde 1997 als Ortschronist berufen. Diese Tätigkeit füllt er mit Herz und Seele aus.

Schulungen für Chronistentätigkeit

Nun begann er alles über die wechselvolle Geschichte seines Ortes und seiner Menschen zusammenzutragen und zeitgeschichtlich zu ordnen. Entsprechendes Wissen für seine Arbeit eignete er sich mit den Besuchen von speziellen Schulungen an. Inzwischen hat er sich interessierte Mitarbeiter ins Boot geholt, die ihn unterstützen. Durch seine intensiven Recherchen und unter seiner maßgeblichen Federführung erschien schon in der zweiten Auflage das Buch "Hötensleben im Wandel der Zeit". Das Team um Günter Schwulera hat sich bereits eine neue Herausforderung gesucht und will einmal im Quartal ein Heimatheft erstellen.

"Dies freut mich ganz besonders, da die Vermittlung der Heimatgeschichte den Bürgern Identität zu ihrem Ort verschafft. Günter, du hast mit deinem Wirken Verantwortung für Hötensleben übernommen. Generationen nach uns werden sicher dankbar sein, ein geordnetes Archiv zu übernehmen. Für dieses Wirken unseren herzlichen Dank", so Dieter Buchwald.

Mit einem musikalischen Abschluss wurde die Festveranstaltung beendet. Dieter Buchwald bedankte sich bei allen, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beitrugen, insbesondere bei Helmut Radke, Kathrin Aster, Kerstin Radke und dem Team der Barneberger Jagdhütte, bevor er alle Anwesenden zum geselligen Beisammensein einlud.