Schilda lässt grüßen! Oder Eilsleben hat quasi über Nacht als Gemeinde mächtig expandiert. Zahlreiche Ortstafeln in der Oberen Aller wurden Ende vergangener Woche ausgetauscht – und sorgen für Verwunderung, denn es hapert darauf an der korrekten kommunalen Zuordnung.

Obere Aller. Von einer "höchst brisanten Entdeckung", die sie gemacht habe, schreibt Annemarie Jung am Sonntagabend der Volksstimme. Sie schildert das so: "Nach fünf Wochen besuchte ich mal wieder meinen Heimatort Ummendorf. Beim Einfahren in den Ort streifte mein Blick das Ortseingangsschild, nur im Unterbewusstsein wahrnehmend, denn man kennt ja seinen Ort. Als ich schon im Vorbeifahren war, erschien die Schrift nochmal vor meinem geistigen Auge. Ich war perplex! Unter dem Ortsnamen Ummendorf stand ,Gemeinde Eilsleben‘. Ich dachte, ich hätte einen Sehfehler – da musste ich prompt umdrehen, um mich zu vergewissern. Ich musste jetzt sichergehen, ob mich mein Auge täuschte oder ob während meiner Abwesenheit neue politische Tatsachen geschaffen worden waren. Und tatsächlich, mein Auge täuschte mich nicht! Auch aus Badeleben und Wefensleben kommend (nicht so aus Richtung Wormsdorf), kann man jetzt erfahren, dass Ummendorf ,Gemeinde Eilsleben‘ ist."

Annemarie Jung zieht mit einem kräftigen Augenzwinkern direkt Schlüsse aus ihrer Entdeckung: "War das nun der letzte Streich des Ministers Hövelmann? Immerhin hatte der Landtag am Freitag noch eine Sitzung. Wurden dort noch geheime Gebietsänderungen vorgenommen? Hier gehen sehr merkwürdig Dinge vor, von denen niemand im Ort zu wissen scheint …"

Frenkel vergeht das Schmunzeln

Und wie sich wenig später herausstellt, zieht die ominöse Eingemeindungsaktion weitere Kreise. Aus Wefensleben wird derselbe "Schildbürgerstreich" gemeldet, darüber hinaus sind nach Volksstimme-Informationen auch Ortseingänge in Hötensleben, Harbke, Völpke und Badeleben betroffen – allesamt Gemeinden, die zwar offiziell der Verbandsgemeinde Obere Aller angehören, mitnichten aber Ortsteile von Eilsleben sind. Daran dürften weder Hövelmann noch der Landtag kurzfristig etwas geändert haben.

Man ist – gelinde gesagt – irritiert. Ummendorfs Bürgermeister Reinhard Falke spricht von einer "Posse". Wüssten denn die zuständigen Behörden nicht um die grundsätzlichen Aspekte der doch so vieldiskutierten Gemeindegebietsreform? "Stümperhaft!", schimpft ein Wefensleber Bürger und stellt die logische Frage: "Wer hat das denn verbockt?"

Volksstimme fragte gestern im Eilsleber Verwaltungsamt nach. Bürgermeister Frank Frenkel war längst unterrichtet: "Es gab bei uns von heute Morgen an schon mehrere Anfragen deswegen. Wir haben das sofort hausintern geprüft, und ich kann – zwar nicht ganz hundertprozentig, aber doch mit hoher Wahrscheinlichkeit – ausschließen, dass die Verwaltung der Oberen Aller eine Aktie daran hat." Entwürfe und Aufträge jener Ortstafeln, für die die Verbandsgemeinde mitverantwortlich ist, seien in Ordnung und fehlerfrei gewesen. "Ich könnte darüber ja schmunzeln, wenn es nicht so viel Geld kosten würde. Denn keine Frage: die falschen Schilder müssen wieder ausgetauscht werden. Wir haben uns diesbezüglich bereits mit dem Landkreis in Verbindung gesetzt", sagte Frenkel.

Dort ist man sich ebenso keiner Schuld bewusst. "Wir sind für die Kreisstraßen zuständig; an denen müssten alle neuen Ortstafeln längst stehen – und zwar mit korrekter Beschriftung. Das Problem mit den falschen Tafeln scheint nur die Bundes- und Landesstraßen zu betreffen. Dafür ist der Landesbetrieb Bau bzw. dessen Straßenmeisterei in Oschersleben zuständig", hieß es vom Eigenbetrieb Straßenbau des Landkreises.

Fehler bei der Straßenmeisterei?

In der Tat: Als Volksstimme in einem Bericht vom 19. Januar zur Sache mit den fehlenden oder veralteten Ortsschildern in den neu eingemeindeten Eilsleber Ortsteilen nachhakte, gab Dietmar Tondera, Leiter der Oschersleber Straßenmeisterei, unter anderem Auskunft darüber, dass die entsprechenden neuen Ortstafeln bereits vorrätig sind und der Einbau in nächster Zeit erfolge. Er sprach von einer Stückzahl von 40 bis 50, was dem Redakteur doch ziemlich viel erschien für vier Ortsteile, auf Nachfrage aber bekräftigt wurde. Im Nachhinein nun scheint klar zu werden, warum in Oschersleben so viele Ortstafeln lagerten: Darunter befanden sich auch die "fehlerhaften", die vorige Woche mit aufgestellt wurden. Der Leiter der Straßenmeisterei war gestern für eine Stellungnahme noch nicht zu erreichen.