Rogätz. Die "Hengstmänner" sind eine kabarettistische Zugnummer. Obwohl ihr Gastspiel am Freitag in Rogätz den normalen Turnus der Kabarettreihe der Heimat- und Kulturfreunde sprengte, füllten sie mühelos die Mehrzweckhalle.

Und wohl keiner der Besucher, die nicht nur aus Rogätz, sondern auch aus den umliegenden Orten kamen, wurde enttäuscht. Mit beißender Satire nahmen die drei Vollblutkabarettisten aus Magdeburg die Politiker, die Politik und deren Auswirkungen auf die Menschen aufs Korn.

Ging es bei Ministerpräsident Wolfgang Böhmer noch vergleichsweise schonend zu, "er ist der einzige Ministerpräsident Deutschlands, der seinen Wählern selbst auf die Welt geholfen hat", wurde es bei "Wir basteln uns einen Politiker" schon drastischer. Das fing an bei der Charakteristik – "ohne Rückgrat, keinen Arsch in der Hose und große Fresse" – und wurde noch deutlicher, als die Lobbyisten, die Opposition und die Koalition ins Spiel kamen. Außenminister Guido Westerwelle wurde angesichts seiner mangelhaften Fremdsprachenkenntnisse empfohlen, sich ein Beispiel an der Bundeskanzlerin zu nehmen, die sogar fließend Russisch spricht.

Spontanen Beifall gab es, als die Kabarettisten an die Zeiten des Kalten Krieges erinnerten und den Deutschen Freiheitssender 904, den Soldatensender und RIAS wieder aufleben ließen.

Auch ihre musikalischen Fähigkeiten stellten die Hengstmänner mehrfach unter Beweis. Etwa, als "Die Drei Eiligen Wenigen" sich am Stern von Frank Schöbel orientierten oder es bei "Kahl im Kopf" ein klares Bekenntnis gegen Rechtsextremismus gab.

Köstlich auch die Pflegeheimnummer, bei der auf das lukrative Geschäft mit den Folgen der aus dem Lot geratenen Alterspyramide hingewiesen wurde.

Immer wieder ein Höhepunkt im Programm von Frank, Sebastian und Tobias Hengstmann ist ihr Auftritt als "Manni Fest", "Malte Maria" und "Matze", bei der sie so herrlich in Magdeburger Mundart den Politikern die Meinung des Volkes näher bringen.

Spontanen Applaus gab es auch für solche Sprüche, wie "Rettet die Wälder, esst Biber" oder "den Ägyptern ist ein Kuhstall abhanden gekommen – eine Muh-Barak".

Ohne Zugaben entließen die Rogätzer die drei Kabarettisten nicht von der Bühne. Sebastian und Tobias Hengstmann versprachen, im November zum traditionellen "Rogätz lacht" wieder die Zwerchfelle und Gehirne der hiesigen Kabarettfreunde zu strapazieren. Außerdem wiesen die Künstler auf ihr neues Programm "Schuld und Söhne" hin, das am 3. März Premiere hat.

Margitta Häusler, Vereinsvorsitzende der veranstaltenden Rogätzer Heimat- und Kulturfreunde, bedankte sich zum Abschluss mit herzlichen Worten bei den "Hengstmännern".