In der Oschersleber Lindenstraße werden noch in diesem Monat in Vorbereitung von Baumaßnahmen an den Gehwegen zehn Bäume gefällt. Diese Bäume seien nach Aussage der Verwaltung "geschädigt", weil sie in den zurückliegenden Jahren falsch gepflegt worden sind.

Oschersleben. Als Lieselotte Drohberg jüngst einen Brief der Oschersleber Stadtverwaltung in den Händen hielt, hat es ihr die Sprache verschlagen. Die bündnisgrüne Stadträtin war nicht nur über die Information entsetzt, dass in den nächsten Tagen in der Lindenstraße zehn Linden gefällt werden. Zudem traute sie bei der Begründung ihren Augen nicht. Danach seien die Bäume "in Folge eines häufigen Rückschnitts" geschädigt. Im Zuge dieses Rückschnitts hätten sich unter anderem Narben gebildet, durch die Wasser eindringt und zur Fäulnisbildung führt. "Daraus resultiert eine erhöhte Bruchgefahr und ist die Standsicherheit verringert", heißt es in dem Brief.

"Ich dachte, ich bin im falschen Film", so Lieselotte Drohberg: "Seit Jahren predige ich, dass Bäume nicht so geköpft werden dürfen, wie das in Oschersleben geschieht, aber es hat sich nichts geändert." Und nun werde genau mit dieser unsachgerechten Pflege begründet, dass weitere Bäume in der Oschersleber Innenstadt gefällt werden. "Ich bin mächtig verärgert", so die Stadträtin, die nicht die einzige war, die in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen hat, dass diese radikalen "Pflegemaßnahmen" für die Bäume nicht gesund sind. Weitere Oschersleber und auch Besucher der Stadt hatten das angemahnt. Als beispielsweise im Frühjahr 2005 in der Anderslebener Straße, in der Neindorfer Straße und in der Wilhelm-Heine-Straße zahlreiche Bäume einen Kopfschnitt verpasst bekamen, hatte die ehemalige Oschersleberin Kathrin Wagner bei einem Besuch in ihrer alten Heimatstadt diese Maßnahme kritisiert. Und Kathrin Wagner wusste als Sachverständige für Bäume und Gehölze sehrwohl wovon sie sprach.

"Es sind in Oschersleben in der Vergangenheit bei der Baumpflege Fehler gemacht worden", räumt Baubetriebs-amtsleiter Steffen Czerwinski auf Basis eines Gutachtes gegenüber Volksstimme ein. Allerdings auch schon zu DDR-Zeiten, was sich nun auswirke. "Diese Fehler werden wir in Zukunft nicht wiederholen", so Czerwinski. Der Baubetriebsamtsleiter war es auch, der besagten Brief an Lieselotte Drohberg und an alle anderen Mitglieder des Bauausschusses geschrieben und über die geplante Baumfällaktion informiert hat. Und zwar per Brief, weil Bäume nur bis Ende Februar gefällt werden dürfen, der Bauausschuss aber erst am 1. März wieder zusammenkommt.

Hintergrund dieser Baumfällaktion ist zudem der Plan, in diesem Jahr in der Lindenstraße von der Einmündung Gartenstraße bis zur Sparkasse die Fußwege zu erneuern. "Aufgrund der Schäden der Bäume und um ein einheitliches Erscheinungsbild zu erreichen, wollen wir den gesamten Baumbestand entnehmen und im Zuge der Arbeiten neue Linden pflanzen", kündigt Steffen Czerwinski an.

   

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