Ob ein Kita-Frühstück künftig in der Kindergartensatzung für die Verbandsgemeinde Westliche Börde stehen wird, ist noch offen. Bislang laufe laut Bürgermeisterin Ines Becker einerseits die rechtliche Prüfung. Andererseits zeigte eine erste Diskussion im Schul- und Sozialausschuss, dass die Meinungen auseinandergehen.

Von Mandy Ganske

Westliche Börde. Die Mitglieder des Ausschusses hatten viel Zeit für diesen Tagesordnungspunkt eingeplant. Denn bereits im Vorfeld hat das Thema Kindergarten-Frühstück durch ein neues Angebot in der Kita Ottleben "Schloss Trautenburg" Staub aufgewirbelt.

Der Ausleber Ernst Romoser hatte Ende 2009 vor Gericht geklagt, weil ihm der Kindergartenplatz für sein einjähriges Kind gekündigt worden war. Er wollte das neu eingeführte gesunde Frühstück nicht mittragen, weil es ihm zu teuer erscheint und weil er es als Pflichtangebot für alle ablehnt. Weil das neue Frühstücksangebot bisher nur im Konzept der Kita verankert ist, war ein Kündigungsgrund indes nicht gegeben, urteilte die Justiz in einer einstweiligen Verfügung (Volksstimme berichtete).

Verbandsgemeindebürgermeisterin Ines Becker meinte dazu nun vor den Ausschussmitgliedern: "Das Gericht hat nicht das gesunde Frühstück infrage gestellt, sondern unsere Verfahrensweise." Sie plädierte dafür, die rechtliche Prüfung abzuwarten, die derzeit ergeben soll, ob die Ganztagsversorgung über die Satzung rechtssicher gemacht werden könne – als Wahloption für die Kitas. Bei einem Entschluss für dieses Angebot in einer Einrichtung wären dann alle Eltern verpflichtet teilzunehmen. Die Ausschussmitglieder haben sich darauf geeinigt, diese rechtliche Stellungnahme abzuwarten.

Zuvor gingen die Meinungen allerdings auseinander. "Wir können doch niemanden zwingen. Vielmehr braucht es Überzeugungsarbeit", sagte Karl-Heinz Gronenberg (SPD). Zuspruch bekam er von Jens Klamm (Linke). "Ich finde zunächst einmal, dass ein gesundes Frühstück ein tolles Angebot ist. Es darf aber nicht soweit gehen, dass sogar jemand ausgeschlossen wird", meinte er mit Blick auf die Kündigung Romosers. Wichtig sei, das Angebot individueller zu gestalten. Weiter führte er an, dass er sich das gesunde Frühstück in Ottleben angeschaut habe, weil seine Enkeltochter die Kita besucht und überzeugt hätte ihn das persönlich nicht.

Monika Schmidt und Dietrich Bollmann (beide CDU) machten demgegenüber geltend, dass ein Frühstücks-Angebot eine gute Sache für die Kinder sei und eingeführt werden könne, wenn es die Mehrheit so will. Und das sei zum Beispiel in Ottleben der Fall gewesen. Das bekräftigte Hauptamtsleiterin Nicole Schliebener und ergänzte zum Stand der Dinge: "Alle Neuanmeldungen in Ottleben nehmen das Angebot an und sind begeistert." Bollmann und Monika Schmidt führten weiter ins Feld, dass es für die Kinder nicht schön sei, wenn einige aus ihrer Brotbüchse essen müssten, während die anderen gemeinsam frischen Salat bekämen.

Ernst Romoser, der ebenfalls zur Sitzung gekommen war und Rederecht erhielt, brachte seinerseits an: "Ich wünsche mir nur, dass ein positiv zu wertendes Angebot nicht in eine Zwangsmaßnahme umgewandelt wird." Stattdessen seien das Frühstück zur Wahl zu stellen und die Eltern aktiv einzubinden, um mit ihnen gemeinsam Lösungen zum Wohl des Kindes zu finden – von einer "No-Go"-Liste bis hin zu gemeinsam aufgestellten Regeln statt "Gleichmacherei". Diese Argumentation traf bei der Kroppenstedter Kita-Leiterin Angela Dannenberg auf Unverständnis. Sie saß als Sprachrohr der Kitas am Tisch. "Es wird doch den Kindern keine Butterstulle gereicht und dann ist gut. Es gibt ein reichhaltiges Buffett, an dem die Kinder lernen auszuwählen", meinte sie. Und das zu realisieren, könne eine Kita gar nicht leisten, wenn sie die Eltern dabei nicht zuvor eingebunden hätte, versicherte sie.

Rückenwind erhielt Romoser unterdessen von Manuela Matthes, Mutter aus Kroppenstedt, die ebenfalls zur öffentlichen Sitzung des Ausschusses gekommen war, um ihre Meinung einzubringen. Sie verwies darauf, dass das Angebot bei aller Vielfalt für Geringverdiener zu teuer sei. "Ich arbeite in zwei Schichten und bin Geringverdiener. Wenn ich für das Frühstück noch 25 Euro im Monat bezahlen müsste, wüsste ich nicht, wo ich das hernehmen soll", sagte sie mit Blick darauf, dass eine Ganztagsverpflegung in Zukunft möglicherweise auch in ihrer Kita angedacht sein könnte. "Das fehlende Geld ist das einzige Argument, das ich gelten lasse", reagierte Monika Schmidt darauf. Die Ausschussvorsitzende fragte: "Vielleicht hätte man die Chance auf Sponsoren?" Eine Frage, die nicht aufgegriffen wurde. Nicole Schliebener betonte stattdessen: "Wir als Träger sind verpflichtet, einen Kindergartenplatz zu stellen. Aber die Eltern haben die Wahlfreiheit, wenn ihnen irgendetwas nicht passt."