Der Duft von frischer Farbe war noch nicht ganz verzogen, als sich am Freitagabend Jung und Alt trafen, um den sanierten " Sonnensaal " einzuweihen. Dass am Morgen noch der Akkuschrauber ein letztes Mal gesurrt hatte, davon war schon nichts mehr zu spüren. Insgesamt sind seit dem Abriss des alten Gaststättengebäudes etwa 200 000 Euro in die Wiederherstellung des Saals gefl ossen.

Seehausen. Der Dank des Seehäuser Bürgermeisters Eckhard Jockisch galt zunächst den Stadträten, die immer zur " Sonne " gestanden haben. Und es zeigt sich, dass der " Sonnensaal " auch gebraucht wird, denn die Benefi zveranstaltung am Freitag war nur eine von derzeit 40 gebuchten Veranstaltungen in diesem Jahr.

Das Hotel " Zur Goldenen Sonne ", direkt am Marktplatz von Seehausen, hat in seiner über 200-jährigen Geschichte schon so manche Höhen und Tiefen erlebt. Das zumindest wusste der Bürgermeister am Freitag zu berichten, als der " Sonnensaal " nach einer umfangreichen Sanierung wieder eingeweiht wurde. War die " Sonne " zwischen 1780 und 1790 erbaut worden, erhielt der Saal um 1890 sein heutiges Aussehen. " Die Arbeiter haben schon damals ihr Handwerk verstanden ", sagte Jockisch. Bis 1958 hatte das Gasthaus mehrere Besitzer und nachdem dann der letzte Besitzer in den " Westen " übergesiedelt war, übernahm die Stadt die " Sonne ". Der Schulsport fand hier ebenso statt wie Kinoverstaltungen und Tanzabende. " So haben alle Altersgruppen ihre Erfahrungen mit der ‚ Sonne ‘ gemacht ", fügte Jockisch an, bevor er einige lustige Episoden zum Besten gab.

Auch Marianne Ruppert lud zum Blick in die Historie ein, als sie " Dat Ossenlied " in Plattdeutsch verlas. Die Geschichte, die darin im Jahre 1988 von einem unbekannten Verfasser wiedergegeben wurde, soll sich 1940 / 41 in dem Gasthaus zugetragen haben. Heute ist das Gedicht in der Chronik nachzulesen.

Doch bei aller Freude über das Wiedererstrahlen der " Sonne " stand noch ein anderes Gebäude im Mittelpunkt der Gedanken. Die Laurentiuskirche gleich gegenüber, die im nächsten Jahr ihr 500-jähriges Bestehen feiert. Auch wenn sich seit den 70 er-Jahren zahlreiche Seehäuser enthusiastisch für den Erhalt der Kirche einsetzen, so nagt doch der Zahn der Zeit weiter an ihr. Der Turm hat eine Sanierung nötig und dem Schiff fehlt schon lange das Dach. Nun sind, wie der Bauamtsleiter der Stadt Wanzleben-Börde, Olaf Küpper, erklärte, die Fördermittel bestätigt und auch das Signal für den vorzeitigen Maßnahmebeginn gegeben. Doch an der relativ großen Summe an Eigenmitteln krankte es immer noch. " Doch nie waren wir dem Ziel so nah wie jetzt ", erklärte Jockisch.

Und so lohnte sich am Freitag auch der Einsatz der Schüler der Kreismusikschule Oschersleben, die den " Sonnensaal " gleich in einen Konzertsaal verwandelten, der Band Dezernat 6 sowie von Conny & Band. Ihre Zuhörer hatten keinen Eintritt bezahlt, sondern eine Spende in unbestimmter Höhe in die Spendenhäuschen gesteckt. Nach dem ersten Zählen am Veranstaltungsabend stand fest, 10 000 Euro sind zusammengekommen. Dazu hatten auch mehrere große Spenden beigetragen.