In der Schulstraße wirkt die neue freistehende Metall-Treppe auf viele Wanzleber alles andere als " himmlisch ". Die sogenannte " Himmelstreppe " wird eher mit Verwunderung quittiert. Die Bürger fragen sich " Kommt der Papst und will von der, Kanzel ‘ reden ? Oder ist es gar eine Zugangstreppe zum Einstieg in ein Flugzeug ?" Kaum jemand wäre wohl auf ein Kunstobjekt gekommen, zumal die Einheitsgemeinde bekanntlich andere finanzielle Probleme hat. Doch es ist Kunst und wird von der EU finanziert. Die Treppe soll Aussichtsplattform und Nische für eine EU-Ausstellung sein. Wanzleben ist eine von 19 IBAStädten ( Internationale Bauausstellung ), in denen solche Treppen aufgestellt werden.

Wanzleben. Metallbauer Michael Klug aus Reinstedt nahe Aschersleben kommt einfach nicht voran. Immer wieder wird er von den vorbeigehenden Passanten in der Schulstraße vom Streichen der Treppe angehalten und gefragt : " Was wird denn das ?" Knapp erklärt er, dass es sich um eine sogenannte Himmelstreppe handelt. Richtiger wäre die Bezeichnung " Großwandplakatierung ", dazu aber später.

Die Wanzleber schütteln den Kopf. Sie fühlen sich verschaukelt und der Metallbauer in Erklärungsnot. Mit allen Antworten, vom neuen Rednerpult bis hin zur, Gangway ‘ hätten die Anwohner wohl gerechnet. Aber nicht damit : Alle 19 Städte in Sachsen-Anhalt, die sich an der IBA 2010 beteiligen, erhalten eine Aussichtsplattform mit integrierter Ausstellungsnische. Die Treppe ist etwa vier Meter hoch, drei Meter breit und fast fünf Meter tief. Der Stahlkoloss wiegt rund drei Tonnen und wurde im Auftrag des sachsenanhaltischen Landesministeriums für Entwicklung, Bau und Verkehr im Rahmen der IBA angefertigt. Wanzleben und Magdeburg ( steht hier am Elbufer am Petriförder ) haben von den 19 IBA-Städten zuerst die massiven Kunstobjekte erhalten. Bis zum 7. April müssen alle 19 stehen.

Die " Himmelstreppe " in der Wanzleber Schulstraße gewährt nun nicht nur einen Ausblick auf die neu gestaltete Bushaltestelle in der Rudolf-Breitscheid-Straße, in der auch weiterhin die Sitze für Fahrgäste fehlen, sondern auch einen Einblick : Und zwar in das Wanzleber IBA-Projekt und die damit verbundenen Leistungen der Europäischen Union ( Förderpaket ). Das Ganze soll auf Folien in der lilafarbenen Nische gezeigt werden. " Die Farbe wurde übrigens extra für Wanzleben ausgewählt ", erklärt Bauamtsleiter Olaf Küpper. Jede der 19 Städte habe nämlich ihre eigene Farbe auf der Farbskala zugewiesen bekommen. Und Wanzleben erhielt eben Lila.

Das " Gesamtkunstwerk " kann aber erst fertiggestellt werden, wenn die Temperaturen über null Grad liegen. Ein Wernigeröder Werbestudio kann erst bei Plusgraden die Informationsfolien aufkleben.

Den Standort der Treppe hat übrigens die Stadt Wanzleben ausgesucht. Praktisch wäre sicher ein Blick auf die tatsächlich im Rahmen der IBA 2010 geförderten Projekte wie der Wanzleber Bahnhof oder das Mehrgenerationenhaus in der Windmühlenbreite. Allerdings hätten diese Standorte nicht solch exponierte Lage vorzuweisen gehabt, wie eben die in der Schulstraße. Die " Himmelstreppe " soll übrigens zum Ende des IBA-Jahres am 15. Oktober 2010 als Leihgabe wieder von der Metallbaufirma abgeholt werden.

Die Treppe geht dann in den Besitz der Metallbaufirma, dem Auftragnehmer, über, erklärt Günter Graviat, Teamleiter von der sachsen-anhaltischen Landesentwicklungsgesellschaft

( SALEG ). Er wolle die Treppe übrigens auch nicht als " Himmelstreppe " oder " Gangway " bezeichnen. Es sei eine Großwandplakatierung. Bauamtsleiter Olaf Küpper : " Das Objekt ist nicht baugenehmigungspflichtig. "

Die Stadt Wanzleben hat übrigens das IBA-Thema " Urbane Familienfelder – die Stadt als Familie sehen ". Die Aussichtsplattform hat am Ende möglicherweise noch eine andere Funktion : Sie könnte vielleicht bei der nun schon über ein Jahr andauernden Diskussion um einen geeigneten Spielplatzstandort den Blick der Wanzleber Ortschaftsräte öffnen. Genießen Sie die Aussicht !