Alternative Energieanlagen sprießen zurzeit ganz offensichtlich wie Pilze aus dem Boden. Nach dem in Wanzleben kürzlich am Ortsausgang bei einem Schweinebauern in Richtung Domersleben eine Biogasanlage auf Güllebasis errichtet worden ist, wird zurzeit im Wanzleber Gewerbegebiet An der alten Tonkuhle eine neue Biogasanlage, die auf Maisbasis funktioniert, gebaut. Nur wenige Kilometer weiter in Klein Wanzleben steht die Planung für den Bau einer Biomethananlage ( läuft ebenfalls auf Maisbasis ) in den Startlöchern.

Wanzleben. " Die Verwendung von erneuerbaren Energien ist ein Wachstumsmarkt und das merkt man auch in unserem Bereich ", freut sich Stadtwerke-Geschäftsführer

Hans-Walter Franke. Wanzleben als " Modell-Stadt der erneuerbaren Energien " ( Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumordnung ), wird somit ihrem Namen gerecht. Das vorhandene Fernwärmenetz mit seinen Biogasanlagen ( eine neue, die auf Güllebasis funktioniert, entstand dieses Jahr in Wanzleben Richtung Domersleben ) wird seit April 2008 um die Komponente Solarthermie mit einer Jahresleistung von ca. 245 000 kWh ergänzt. Damit wird der sommerliche Wärmebedarf zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gedeckt. Das Projekt Solarthermie wird durch die Hochschule Magdeburg / Stendal wissenschaftlich begleitet.

Die Erweiterung des Fernwärmenetzes auf die Bereiche der Altstadt bzw. weitere Stadtgebiete ist außerdem erklärtes Ziel der Stadtwerke. Eine Bürgersolaranlage soll außerdem nächstes Jahr in der Lindenpromenade aufgebaut werden und Sonnenenergie in Strom umwandeln.

Seit Mitte Oktober wird nun im Wanzleber Gewerbegebiet An der alten Tonkuhle eine weitere Anlage gebaut. " Die Biogasanlage wandelt Biomasse, in diesem Fall Maissilage, zu Biogas um ", erklärt Sven Schimanski von der Betreiberfirma Enertrag Bioenergie Wanzleben GmbH. Das entstehende Gas wird in elektrische und thermische Energie umgewandelt. Die Wärme wird in das Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist, der Strom in das Eon-Avacon-Stromnetz. Die Bodenplatte für das Gärrestlager ist bereits fertig gegossen und die Baugrube für die beiden Fermenter ausgehoben. Im März sollen nach Angaben von Sven Schimanski die Bauarbeiten bereits abgeschlossen sein. Wenn alles nach Plan laufe, könnte Ende März / Anfang April die Anlage ans Netz gehen. Deren Eigentümer sind zu 50 Prozent die Enertrag AG und zur anderen Hälfte die Landwirtschaftliche Betriebsgesellschaft Groß Germersleben. Diese ist auch Lieferantin für die Mais-Silage. Insgesamt 11 500 Tonnen sollen davon im Jahr verarbeitet werden. Mit der dabei entstehenden Wärmemenge könnte der Jahresheizwärmebedarf von rund 200 Einfamilienhäuser abgedeckt werden. Stadtwerke-Geschäftsführer

Hans-Walter Franke : " Wir kaufen die Wärme auf und geben sie an unsere Kunden weiter. "

Insgesamt werden in die neue Biogasanlage im Wanzleber Gewergebiet drei Millionen Euro investiert. Zu einer Geruchsbelästigung könne es übrigens nicht kommen, betont Sven Schimanski. Die Furcht der Anwohner vor einer möglichen Geruchsbelästigung steckt offensichtlich tief. Bürgermeisterin Petra Hort : " Ich hatte bereits mehrere Nachfragen von Anwohnern, was da denn gebaut werde. "

Sven Schimanski von der Betreibergesellschaft kann aber beruhigen : " Wir haben ein Geruchsgutachten erstellen lassen, das nichts Negatives ergeben hat. " Schließlich werde auch nur Mais-Silage als Biomasse und keine Gülle verwendet.