Peter Schondelmaier arbeitete von Februar 1990 bis Februar 1993 an der Autobahnraststätte Helmstedt an der A 2, Richtung Berlin. Mit der Volksstimme sprach er über Erinnerungen und was damals alles passierte.

Oschersleben / Helmstedt.

" Mich verwundert immer wieder, dass einige Menschen, die zum ersten Mal in den Osten kommen, noch denken, dass hier Zustände herrschen wie im tiefsten Russland ", sagt Peter Schondelmaier, der seit nunmehr 16 Jahren mit seiner Familie die Pension Schondelmaier in Oschersleben führt. " Fast genauso wie damals, zu Wendezeiten. " Der gelernte Maurer und Gastronom war einer der ersten, die zum Arbeiten in den Westen fuhren. " Soweit ich mich erinnern kann, war ich der allererste bei uns aus der Gegend. "

Zu der Arbeit in der Raststätte Helmstedt in der gleichnamigen Kreisstadt Helmstedt, Bundesland Niedersachsen, kam Schondelmaier durch Zufall. Zuvor arbeitete er in einer Bar in Oschersleben als Kellner. Dort lernte er auch seinen zukünftigen Arbeitsgeber, den Besitzer mehrerer Gasthöfe, kennen. " Ich bewarb mich sofort mündlich bei ihm, als ich mitbekam, dass ihm die Raststätte gehört, schließlich konnte ich dort gutes Geld verdienen. " Und ein paar Tage später konnte er auch schon anfangen. " In den Westen zu ziehen, kam für mich aber auf keinen Fall in Frage. Meine Frau und ich hatten gerade erst ein Haus erworben, waren vor kurzem Eltern geworden. Ich hatte alles, was mich glücklich machte, wieso also umziehen ? Das ich meinen Lohn in Zukunft mit der Deutschen Mark ausgezahlt bekam, sah ich dennoch als große Chance an. Hatte ich zuvor 700 DDR-Mark verdient, waren es nun 2 200 D-Mark. " Viele Bekannte konnten ihn allerdings nicht verstehen. " Was willst du denn da, hab ich oft zu hören bekommen. "

Dabei kann er sich noch lebhaft daran erinnern, zu DDRZeiten mit Freunden an der Barneberger Höhe gestanden zu haben, um gen Westen zu blicken. " Das war für uns damals ein Gefühl wie bei einem Zoobesuch ", sagt er. Auch als er 1984 als Handwerker für den Zoll an der A 2 arbeitete, waren die Schriftzüge auf den Lkw einfach nur kurios. Beneidet habe er die Leute im Westen aber nicht, sagt der heute 50-Jährige. " Es war eben etwas Besonderes. Aber eingesperrt gefühlt habe ich mich nicht, ich kannte es ja auch nichts anders. " Für Peter Schondelmaier sprach nichts dagegen, im Westen zu arbeiten und im Osten zu wohnen. Er sah es als große Chance und kann gar nicht verstehen, " warum das nicht mehr gemacht haben. "

Doch die Angst war irgendwie da. " Gerade vor den Grenzposten ". Deswegen hat er abwechselnd drei verschiedene Grenzen passiert : Schöningen, Helmstedt und Of eben. " Ich habe auch die Arbeitssachen sprich Schuhe und Bekleidung hinten im Auto versteckt ", sagt er kopfschüttelnd. " Aber damals wussten wir eben nicht, was kommt. " So wie ihm ging es vielen, deshalb gab es anfangs auch nur wenige, die nur zum Arbeiten in den Westen gingen.

" Eines Tages hat mich der Wachposten freundlich gegrüßt und gesagt, na, geht es wieder zur Arbeit rüber ? Da war ich perplex und hatte also ganz umsonst immer die verschiedenen Grenzen passiert ", erinnert er sich. Doch nach einigen Wochen waren die Posten dann weg.

Ein echtes Schockerlebnis am Arbeitsplatz hatte Peter Schondelmaier gleich an seinem ersten Tag als Kellner in der Raststätte. " Ich hatte mich bei der Bestellnummer vertippt und servierte dem verblüfften Gast daraufhin einen Apfelstrudel mit Vanilleeis. Nur dass der etwas anderes bestellt hatte. Daraufhin musste ich den Strudel selbst abnehmen. Preis : 6, 90 D-Mark. Als ich den Strudel gegessen habe, dachte ich die ganze Zeit, wie viel DDRMark, der Wechselkurs stand damals bei fast eins zu sieben, ich gerade aus dem Fenster geworfen habe. "

Und auch an einen anderen Fakt erinnert er sich noch ganz genau : " Es gab viele Wessis, die in den Osten fahren wollten, um sich anzusehen, wie die Leute leben. Als die dann merkten, dass ich aus dem Osten kam, haben die mich gleich ausgefragt und wollten wissen, wo sie denn unbedingt hin müssten. " Da war Peter Schondelmaier im Grenzgebiet neben seinem Job als Kellner noch Touri-Führer geworden ! " Für die Westdeutschen war ich die Ossi-Auskunftsstelle und ich fand das Interesse der Leute natürlich toll. " Er weiß noch, dass die Westdeutschen entsetzt waren über den Zustand der Häuser und Straßen. " Und wie gesagt, viele kommen heute mit dersleben Erwartung hierher. " Auf die Frage, was sich denn für ihn seit der Wende verändert hat, hat er sofort eine Antwort parat : " Für mich persönlich hat sich nicht viel geändert. Ich habe zu DDRZeiten viel gearbeitet und heute ist das genauso. "