Vier Leichtathleten aus Puerto Rico trainieren seit vorgestern täglich im Haldensleber Waldstadion. Sie bereiten sich in der Kreisstadt auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaft vor, die am Sonnabend in Berlin beginnt. Zwischen ihren Trainingseinheiten schwärmen die Läufer vom deutschen Essen und, kaum zu glauben, vom Wetter.

Haldensleben. Die Sonne scheint nicht nur – sie strahlt förmlich. So als ob die Puerto Ricaner sie in ihren Koffern mitgebracht hätten. Seit Freitag wohnen die vier Leichtathletik-Profs mit ihren Trainern und ihrem Manager Luis Dieppa im Hotel " Alte Ziegelei " und bereiten sich im Waldstadion auf die Weltmeisterschaft in Berlin vor. Und da nicht ständig Menschen von der anderen Seite der Welt den Weg nach Haldensleben f nden, hat Bürgermeister Norbert Eichler das Team vorgestern persönlich begrüßt. " Solche Sportgrößen im Waldstadion trainieren zu sehen, ist ein toller Ansporn für unsere Jugend ", sagte Bürgermeister Norbert Eichler.

Doch viel Zeit für Small-Talk bleibt nicht. Die Athleten sind von der Tartanbahn nicht wegzukriegen. Jede Minute wird sich gedehnt, gelaufen, gesprungen. Dabei sind sie heute nur zu Dritt. Der erste Mann des Teams, Javier Culson, liegt mit Kopfschmerzen im Hotelbett. Doch bis Berlin ist er wieder ft. Für ihn stehen die Chancen bei der Weltmeisterschaft sehr gut. Seine Disziplin ist der 400-Meter-H ürdenlauf. Im Juli hat er erst seinen persönlichen Rekord von 48, 29 Sekunden aufgestellt. Damit gehört er zu den besten Hürdenläufer der Welt.

Hector Cotto, Hürdenläufer über 110 Meter, dagegen war schon vorgestern putzmunter. In einem Affenzahn springt er über die 106, 68 Zentimeter hohe Waldstadion-H ürden. Seit acht Jahren schlägt das Herz des 25-J ährigen für die Leichtathletik. " Ich liebe die Herausforderung und den Ansporn, besser zu werden ", erzählt er. Dass er durch das ständige Reisen seine Familie nur einmal im Jahr sieht, stört ihn nicht. Es ist ein Opfer, das er gerne auf sich nimmt. " Außerdem ist das Team eine tolle Ersatz-Familie ", erklärt er. Seit fünf Jahren fahren sie gemeinsam durch die Welt.

Der dritte Mann im Team ist Hector Carrasquillo. Der 21-Jährige läuft die 400 Meter Strecke. Diszipliniert lässt er seine Zeiten von Trainer Hector Amill noch einmal stoppen. Seit fünf Jahren läuft er erst als Prof. Vorher hat er Baseball gespielt. Doch als sein College für Baseball kein Geld mehr ausgeben wollte, wechselte er zur Leichtathletik.

Die letzte im Bunde ist Sprinterin Carol Rodriguez. Sie ist die einzige Frau im Team und hat somit auch ihre eigene Trainerin, Tina Fernandez. Ihre Leidenschaft sind die Kurzstrecken : 100 und 200 Meter. " Seit fast neun Jahren ist der Laufsport mein Leben ", gesteht die 23-jährige Athletin. " Ohne kann ich es mir nicht mehr vorstellen. "

Bei der Frage, was ihnen an Haldensleben besonders gefällt, sind sich alle Gäste einig : " Das Wetter ist bombastisch. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Und wir lieben das deutsche Essen – Schnitzel ist super !", reden sie durcheinander. Manager Dieppa stoppt sie schnell, bevor der Hunger zu groß wird. Denn vor dem Mittagessen steht noch das Fitness-Studio auf dem Tagesplan. Ohne Fleiß kein Preis in Berlin …