An den Anblick riesiger Strohdiemen haben sich die Bürger rund um Klein Oschersleben und des Ortsteils Bahnhof längst gewöhnt. Nun kommt ein besonderes Bauwerk hinzu. In einem überdimensionalen Zelt wird die geplante Strohpelletsanlage der Firma Verschoor verschwinden.

Klein Oschersleben. Nein, rund um die Strohdiemen am Bahnhof Hadmersleben wird kein Diskozelt errichtet. Die riesige Leinwandhülle aus einem speziellen Kunststoff wird die schon lange geplante Strohpelletsanlage der Firma Verschoor beherbergen.

Vom Volumen her gesehen ist ein großer und doch einfacher Bau im Entstehen. Grundlage des riesigen Zeltes ist ein stabiles Fundament mit Betonsockel. Darauf ist ein Stahlgerüst montiert. Dieses Gerüst wird inzwischen von einem Zelttuch aus Kunststoff umspannt. " Diese besondere Produktionshalle ist 60 mal 30 Meter groß und in der Mitte 16 Meter hoch. Mit diesen Abmaßen schaffen wir viel Platz für die Produktion und vor allen Dingen einen hellen Arbeitsplatz. Durch das Tuch dringt das Tageslicht ", erklärt Arjo van Zee, der für die Verschoor Gruppe den Klein Oschersleber Betriebsteil leitet.

Seit Monaten steht bereits die entsprechende Technik für die Pellets-Produktion auf dem Hof. Van Zee und sein Mitarbeiter Bas van Tienen rechnen damit, dass in spätestens zwei Monaten die Produktion beginnen kann. Die Zeit drängt, denn die Getreideernte hat inzwischen begonnen und Platz für neues Stroh muss geschaffen werden, während das alte noch immer nicht verarbeitet ist und zu hohen Diemen aufgetürmt wartet. Anders als in den Vorjahren war das Stroh 2008 auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik Hadmersleben eingelagert und nicht abgefahren worden. In den Vorjahren hatte es einigen Ärger wegen des herumfliegenden Strohs gegeben. Nun hat sich die Sache beruhigt. " Wir hatten versprochen, das Stroh liegenzulassen, und das haben wir auch getan ", so van Zee.

Auch wenn erst jetzt nach über einem Jahr die Verarbeitung des eingelagerten Strohs zu Strohpellets und Einstreu beginnen kann, geht Arjo van Zee davon aus, dass ein Qualitätsverlust nur an den äußeren Ballen festzustellen ist. Er geht von einem Verlust von maximal zehn Prozent aus und schätzt, dass es nach Produktionsstart etwa ein Jahr dauern wird, bis das eingelagerte Stroh verarbeitet ist. Etwa 50 Tonnen Stroh kann die Anlage pro Tag verarbeiten. " Wenn die Anlage installiert ist, können wir hier zwei Schienen fahren. Zum einem werden Strohpellets hergestellt. Diese Pellets sind ein hochwertiges Futter. Dafür muss das Stroh auch entstaubt werden. Auf der anderen Seite häckseln wir das Stroh. Es wird dann zu Großballen gepresst und in Folie verpackt. Dieses Stroh kann ebenso als Futter oder für die Einstreu verwendet werden ", berichtet Arjo van Zee.

Verträge mit etwa 100 Landwirten der Region sichern auch in Zukunft genügend Nachschub in Sachen Stroh. Insgesamt 14 Strohpressen der Verschoor Group sind auf den Äckern unterwegs, um den Rohstoff vor Ort zu bergen. " Wir haben uns bewusst hier in diesem fruchtbaren Gebiet von Deutschland angesiedelt und werden das Stroh nun auch hier verarbeiten. Damit sichern wir uns kurze Wege. Zudem haben wir einen guten Draht zu den Landwirten ", meint Arjo van Zee

" In dieser Dimension ist die Halle sicher etwas Neues. Beim Bau derartiger Hallen war Dänemark ein Vorreiter. In der Schweiz und in Österreich gibt es bereits ähnliche Bauwerke, die als Reithallen oder gar Kuhställe genutzt werden. Auch für unseren Betrieb ist der Bau dieser Halle Neuland. Wir haben im Vorfeld viele Ideen dafür gesammelt und daraus dieses Projekt entwickelt ", meint Investor Ton Verschoor. Er investiert zwei Millionen Euro in die Anlage. Er und Arjo van Zee schätzen ein, dass zehn Leute hier neue Arbeitsplätze finden.

Aber wie sieht es mit dem Lärmschutz rund um das Verarbeitungszelt aus ? Dringen die Produktionsgeräusche nicht nach außen und damit bis zur nahen Wohnbebauung ? " Das ist kein Problem. Zum einen werden die Maschinen, die Lärm erzeugen, extra eingehaust. Zum anderen sind die Strohdiemen auf dem Betriebsgelände der beste Lärmschutz, den man sich denken kann ", versichern die Investoren.

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