Dicke Luft herrschte am Montagabend bei der Bürgerversammlung im Wanzleber Rathauskeller. Das Thema : Die stinkenden Klärteiche des Klein Wanzleber Bioethanolwerkes. Die Bürger forderten ganz klar eine sofortige Luftanalyse und schnelles Handeln. Mit der jüngsten Gelaktivmatten-Maßnahme im Kampf gegen den Gestank fühlen sich die Anwohner gehörig " verklapst ". In vier bis sechs Wochen soll es wieder eine Bürgerversammlung geben.

Wanzleben. Stadtratsvorsitzender Tino Bauer hatte am Montag zu einem Informationsabend zum Thema " Geruchsbelästigung durch die Klärteiche des Bioethanolwerkes " eingeladen. Der Einladung folgten über 30 Bürger aus Klein Wanzleben, Wanzleben und der umliegenden betroffenen Gemeinden. Als Gesprächspartner nahmen auch Bürgermeisterin Petra Hort, Leiter des Werkes der Nordzucker AG Klein Wanzleben Udo Harten und Marketing-Manager des Bioethanolwerkes " fuel 21 " Dr. Albrecht Schaper teil.

Stadtratsvorsitzender Tino Bauer hatte aufgrund einer in der Volksstimme gestellten Leserfrage " Was denn der Stadtrat zum Thema Geruchsbelästigung bislang unternommen hat ?" das Gespräch gesucht. Er übergab dabei das Wort an Wanzlebens Bürgermeisterin Petra Hort. Sie wies die Kritik der Volksstimme-Leser zurück und erklärte, dass die Verwaltung der Gemeinde nicht für die Lösung des Geruchsproblems zuständig sei. " Ich bin auch Bürgerin der Stadt. Auch mich stört der Gestank nach Erbrochenem. " Außerdem hätten sich bei ihr nur drei Bürger über den Gestank beschwert. Zwei aus Wanzleben, einer aus Domersleben. Als Verwaltungsleiterin habe sie die Beschwerden an das Umweltamt des Landkreises weitergeleitet. Von dort habe sie später die Antwort erhalten, dass das Umweltamt des Landkreises die Emissionsschutzbehörde der Landesverwaltung eingeschaltet habe. " Damit war unsere Arbeit erledigt ", sagte sie. Im Rathauskeller müssen die Bürger ungläubig lachen.

Das Landesverwaltungsamt habe nun bei einer Kontrolle am vergangenen Montag neue Auflagen zur Geruchsminimierung erteilt. " Wir haben übrigens für diesen Kontroll-Termin keine Einladung vom Landesverwaltungsamt bekommen ", sagte Petra Hort.

Abwasserreinigung Ende 2009 abgeschlossen

Werkleiter Udo Harten ergriff das Wort und sagte : " Wir setzen alles daran, das Geruchsproblem in den Griff zu bekommen. Wir arbeiten mit einem Verfahren, dass es so weltweit noch nicht gegeben hat. Somit gab es auch noch keine Erfahrungswerte. Wir haben 2008 beim Anfahren der Anlage einfach nicht mit solchen Massen an Abwasser gerechnet. " Er hatte bereits im Vorfeld gegenüber der Volksstimme mehrfach erklärt, dass deshalb eine weitere Wasseraufbereitungsanlage gebaut und zusätzlich in Berieb genommen wurde. Jetzt können täglich 2000 Kubikmeter Abwasser mehr gereinigt werden, als bei der eigentlichen Produktion täglich anfallen. In der Bürgerversammlung sagte er : " Um die 130 000 Kubikmeter Abwasser abzubauen benötigen wir noch bis zum Ende des Jahres Zeit. "

Zu den Gelaktiv-Matten sagte Harten : " Wir sind durch Zufall darauf gestoßen. Die Matten benötigen eine Strecke von 500 Meter Luftlinie, um ihre Wirkung zu entfalten. " Einige der DIN-A 4 großen Matten, die an Zaunfeldern rund um den Klärteich befestigt sind, seien aber schon gestohlen worden, sagte Harten. Offenbar werden sie wohl noch an anderer Stelle benötigt, sagte er. Der Witz kam bei den Anwohnern offensichtlich nicht an - Kopfschütteln. Harten weiter : " Wir hatten heute zum Beispiel Südwind und um die 29 Grad Celsius. Doch es stank nur am Becken ", sagte er. Bei den Bürgern wurde Gemurmel laut, dann meldete sich wieder Tino Bauer zu Wort : " Ich fasse zusammen : Sie bitten die Anwohner um Geduld ?" Udo Harten nickte.

Ein Wanzleber fragte : " Machen Sie das Werk dicht, wenn die Maßnahmen nicht greifen ? Udo Harten gab offen zu, dass auch das passieren könne.

Jemand fragte, ob die Blähbetonkugeln, die in den Klärteich eingestreut werden, um auf der Oberfäche des stinkenden Abwassers zu schwimmen, wirklich den Geruch stoppen. Denn er sehe diese Maßnahme nicht so optimistisch, wie das Landesverwaltungsamt, dass mit dieser Maßnahme eine Minimierung des Gestanks um 80 Prozent angekündigt hat. Werkleiter Udo Harten : " Das Abdeckungsverfahren kannte ich bislang auch nicht. Das wurde uns vom Landesverwaltungsamt vorgeschlagen. "

Anwohner und Diplom-Ingenieur Heiko Hoppe fragte, ob der Gestank auch Nebenwirkungen hat oder sonst irgendwelche Einflüsse auf die Gesundheit haben könnte ? Gibt es dazu irgendwelche Messungen oder Studien ? Marketing-Manager Dr. Albrecht Schaper : " Die Stoffe im Klärteich sind alle natürlichen Ursprungs und völlig ungefährlich. "

Bauvoranfrage für weitere Anlage liegt vor

Die Wanzleberin Christiane Heinrichs machte dann ihrem Ärger Luft und meinte : " Mit der Gelaktivmatten-Aktion verklapsen sie doch die Bürger. " Das Publikum klatschte zustimmend.

Ein Klein Wanzleber erklärte : " Ich habe mich bei einem Lieferanten über Blähton informiert. Dort hieß es, dass eine 10 Zentimeter dicke Schicht für ihren Fall in Klein Wanzleben nicht ausreichen würde. Dort gab man mir die Auskunft, dass die Schicht aus Blähton mindestens 20 Zentimeter stark sein müsse, um den Geruch halten zu können. Außerdem würde es gerade bei Wind Probleme geben. Die leichten Kugeln werden bei Wind zusammengetrieben und liegen dann zu einem Haufen aufgetürmt in einer Ecke des Beckens. Einmal davon abgesehen, soll sich die Lieferzeit auf mindestens ein viertel Jahr belaufen. " Die Nordzucker AG sollte sich nach Alternativen umsehen. Der Mann brachte sogar zur Anschauung sechseckige Schwimmkörper aus Kunststoff mit, die als Teppich im Klärteich ausgelegt, die Aufgabe der Geruchsabdeckung besser erfüllen würden.

Einen Paukenschlag löste die Antwort folgender Anwohner-Frage aus : Gibt es Pläne für eine weitere Anlage, die mit biologischer Fracht uns weitere Geruchsprobleme bereiten könnte ? Klein Wanzlebens Bürgermeister Horst Flügel : " Es gibt eine Bauvoranfrage für eine Biomethananlage, die seit Juni vom Landkreis geprüft wird. Dieses Vorhaben würde dann, wenn es grünes Licht vom Kreis als Genehmigungsbehörde gibt, auf der anderen Seite der Klein Wanzleber Bahnstrecke, hinter dem Bioethanolwerk, errichtet werden. " Daraufhin gab es sofort laute und verärgerte Zwischenrufe : " Da können wir ja gleich noch ein paar Gel-Matten mehr bestellen !" Die Investoren wollen laut Volksstimme-Informationen für Energiegewinnung regionale Biomasse verwenden.

Christiane Heinrichs reicht es : " Ich vermisse einen konkreten Zeitplan. Wenn der Blähton erst in einem viertel Jahr geliefert werden könnte, ist dass unakzeptabel. Das halten wir nicht aus. Ich gehe heute hier raus, ohne dass ich etwas neues erfahren habe. " Die Bewohner kritisieren, dass mit dem Gestank ein Stück Lebensqualität verloren ginge und sie sich als " Versuchskaninchen " fühlen würden. Auch an den Dämmen habe es schon Nachbesserungen gegeben. Wer gebe denn die Garantie, dass die halten, fragten sich die Bürger. Die Stimmung war aufgebracht. Jemand wollte wissen, warum denn die Abwässer nicht in eine Kläranlage im Rahmen einer Kampagne gebracht werden ? Werkleiter Udo Harten : " Das haben wir diskutiert. Aber eine externe Kläranlage müsste erst neu auf unsere Abwässer eingestellt werden. Das ist keine Lösung. "

Tino Bauer richtete seinen Appell an die Werkleitung : " Nehmen Sie die Sorgen der Bürger ernst. " Klein Wanzlebens Bürgermeister Horst Flügel : " Man muss dem Werk jetzt aber auch die Chance geben das Problem zu lösen. "

Am Ende hieß es : In vier bis sechs Wochen soll es erneut eine Bürgerversammlung geben. Bis dahin sollte eine Luftanalyse vorliegen, forderten die Anwohner von Bürgermeisterin Petra Hort. Sie sagte zu, sich darum zu kümmern : " Ich leite das Anliegen an das Amt weiter. "