Damit Pfege- und Adoptiveltern sich untereinander mit ihren Erfahrungen austauschen können, hat sich in Oschersleben ein Verein gegründet. Sie wollen sich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Oschersleben. 19 Männer und Frauen haben eines gemeinsam und deshalb einen Verein gegründet : Sie haben ein Kind in Pfege oder adoptiert. Deshalb sind sie alle Mitglieder des neu gegründeten Vereins geworden. " Jeder hat so seine Probleme ", erklärt Gabrielle Kopf. Ihr Ehemann Tino Kopf, Vorsitzender des Vereins, pfichtet ihr bei : " Es gibt Unsicherheiten, wenn ein Kind unerwartet reagiert. Da kann man in der Runde um Rat fragen. " Schließlich kommen Pfegekinder aus schwierigen Familienverhältnissen, haben Elternteile verloren, sind traumatisiert oder wurden misshandelt. Die Pf egeeltern begegnen Kindern mit psychischen Problemen, die sich zurückziehen, dicht machen können.

Jeden dritten Donnerstag im Monat wollen sich die Eltern auf Zeit deshalb zu einem Stammtisch treffen. Bisher bestanden sie bereits als lose Gruppe. Nun wollen sie als Verein Ansprechpartner im Landkreis und für andere Pf ege- aber auch Adoptiveltern sein, von ihren Schulungen und Seminaren im Austausch prof - tieren, gemeinsam Feste organisieren oder Ausf üge. Dabei erfahren Eltern wie Kinder Zusammenhalt. " Es ist auch wichtig für die Kinder, Kontakt untereinander zu haben ", erklärt Heiderose Röhlig vom Jugendamt des Landkreises. " Denn es gibt verschiedene Schicksalsschläge, und es ist gut zu wissen, dass man nicht allein ist. "

Heiderose Röhlig arbeitet im Pfegekinderdienst, wählt Pf egeeltern aus, schaut, wo es das Kind am besten hat. Dabei gibt es unterschiedliche Pf egeformen : die Bereitschaftspf ege, die nur einige Wochen umfasst oder die Kurzzeitpf ege, die durchaus über mehrere Jahre gehen kann. Außerdem gibt es die Dauerpfege, bis das Kind mit 18 Jahren auf eigenen Füßen steht. Interessenten werden beim Jugendamt im Landkreis immer gesucht.

Sieglinde Hinzpeter zum Beispiel hat in 16 Jahren, seitdem der Pf egekinderdienst im Landkreis aufgebaut wurde, insgesamt 27 Kinder bei sich aufgenommen. Dabei hatten sie und ihr Mann bereits in einer Patchworkfamilie vier Kinder. Weitere zwei kamen als Dauerpfegekinder hinzu, sind heute 18 und sieben Jahre alt. Weitere 25 Kinder, die ein vorübergehendes Nest brauchten, kamen ebenfalls bei ihr unter. " Das hieß auch, 25 Mal Abschied nehmen, und jedes Mal tat es anders weh ", blickt Sieglinde Hinzpeter auf diese Zeit zurück. Ihr jüngster Sprössling auf Zeit war gerade drei Tage alt. " Es macht Spaß, und wem es dann beim Abschied nicht weh tut, der ist nicht mit dem Herzen dabei ", fndet die 56-Jährige.

Pf egeeltern werden vom Landkreis für ihre schwierige Aufgabe auch f nanziell unterstützt, je nach Alter des Kindes und abhängig von der Pf egeform. Heiderose Röhlig ist sich aber sicher : " Geld wiegt das alles nicht auf. " Zu groß sind die Probleme, die auf Pf egeeltern zukommen können. " Sie müssen vor allem Konf ikte aushalten – nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit der Herkunftsfamilie. " Denn diese müsse immer wieder in den Prozess eingebunden werden. " Langfristiges Ziel bleibt immer, den Kindern eine Chance zur Rückkehr in ihre Familie zu geben. Sie wollen wissen, wo ihre Wurzeln liegen ", erklärt Heiderose Röhlig. " Auch wenn es für manche Pf egeeltern manchmal unverständlich erscheint. " Solch schwierige Situationen zu verarbeiten, dafür sei der Austausch im Verein wichtig, fndet Heiderose Röhlig. Das Jugendamt klärt die rechtlichen Belange in Sachen Pfege, fungiert als Kontrollorgan gegenüber den Pf egeeltern.

Tino Kopf jedenfalls hofft nun, dass sich auch viele Eltern aus anderen Orten im Landkreis an den Verein wenden werden : " Unser Wunsch ist es, dass wir uns nicht auf Oschersleben beschränken, sondern den gesamten Landkreis ansprechen. "

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