Quedlinburg l Vermisst sie die große parlamentarische Bühne? "Auf keinen Fall", platzt es sofort aus Undine Kurth heraus. Die 62-jährige Politikerin hat sich ganz bewusst gegen eine weitere Bundestags-Karriere entschieden. Aus freien Stücken, ohne Druck und Zwang von Weggefährten und auch Konkurrenten aus den Reihen ihrer Bündnisgrünen.

Von 2002 an gehörte Kurth dem Bundestag an, mehr als zehnpolitisch bewegte Jahre. Zu den Wahlen im Herbst trat sie nicht mehr an. Davon überrascht kann nur derjenige gewesen sein, der die Quedlinburgerin nicht näher kennt.

In ihrer beruflichen Biographie hat es immer wieder Brüche gegeben - so auch jetzt. "Keiner soll von sich denken, ohne ihn geht es nicht weiter", sagt Kurth. Ihr Ausstieg war lange geplant, sagt sie, und das klingt gar nicht unglücklich.

Blickt die Grüne auf die langen Wochen der schwierigen Berliner Regierungsbildung zurück, so empfindet sie es heute als einen Fehler ihrer Partei, nicht intensiver für eine schwarz-grüne Koalition geworben zu haben.

Was kann eine einzelne Person im großen Polit-Betrieb im Bundestag bewegen? Auf den ersten Blick recht wenig, sagt die erfahrene Ex-Abgeordnete. Hier die Zwänge innerhalb der Fraktion, dort der ewige Kampf zwischen Nord- und Süd, zwischen Ost- und West. Doch Undine Kurth ist der Beweis dafür, das es dennoch gelingen kann. Viele Jahre schon, auch außerhalb des Parlaments, engagiert sich die Vegetarierin für den Tierschutz. Das war auch in all\' den Bundestagsjahren ihr Thema. Mit Erfolg, wie sie rückblickend einschätzt: "Ich wollte ein neues Tierschutzgesetz. Der - ihr - Entwurf liegt vor. Sich auf ein Thema zu fokussieren, das sei der richtige Weg, um politische Marken setzen zu können, sagt Kurth.

Und ihr Blick nach vorn? Um das Quedlinburger Stadtratsmandat wird sich die Grüne nicht erneut bewerben. Angekündigt hat sie zudem schon, ihren Vize-Posten im Awo-Kreisverband aufzugeben.

Undine Kurth wird in diesem Jahr Quedlinburg verlassen. Gemeinsam mit ihrem Mann und einem gut befreundeten Paar sucht sie nach einem neuen Zuhause. Jetzt, wo die körperlichen Zipperlein noch die Ausnahme sind, will sich das Quartett auf sein ganz persönliches Modell einer Senioren-WG vorbereiten. "Zu viert können wir uns gegenseitig helfen, wir wollen gemeinsam alt werden."

Und wo? Das ist noch nicht entschieden, sagt sie. Entweder irgendwo auf einem Bauernhof in fast unberührter Natur oder in einer quirligen Großstadt. Irgendwie logisch, Brüche gehören ja zu ihrer Biographie.