Mit Reiner Papendieck verlässt am Mittwoch ein Polizei-Urgestein das Wernigeröder Revierkommissariat. Sein Chef Tilo Schott blickt zurück auf fast vierzig Jahre Dienstjahre, in denen Papendieck die Verkehrserziehung aktiv mitgestaltete.

Wernigerode l "Reiner Papendieck ist ein Kollege, bei dem hat alles gestimmt", sagt Tilo Schott. "Bürgernah, kinderfreundlich, ein Polizist zum Anfassen, bei dem man sich an die Thematik herantasten konnte." Es ist dem Chef des Polizeikommissariats Wernigerode deutlich anzumerken - er verliert mit Reiner Papendieck einen engagierten Mitarbeiter, langjährigen Kollegen und versierten Verkehrsexperten.

Der 59-jährige Polizeihauptkommissar Reiner Papendieck, der mit seiner Familie in Silstedt lebt, wird am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. Am Donnerstag, 30. Januar, feiert er seinen 60. Geburtstag. Mit 60 Jahren, so ist es vorgesehen, sollen sich Polizeibeamte in Sachsen-Anhalt vom Berufsleben verabschieden - ob sie wollen oder nicht.

Am 1. Juni 1975 begann Reiner Papendiecks Laufbahn als Verkehrsüberwacher bei der Verkehrspolizei in Wernigerode. Er sei damals viel mit dem Motorrad unterwegs gewesen, habe auch einmal den Verkehr an einer Kreuzung geleitet. "Damals gab es noch nicht so viele Ampeln wie heute", berichtet Tilo Schott. "Auf der Westerntorkreuzung stand immer jemand."

1996 wurde Papendieck Verkehrssicherheitsberater im Altkreis Wernigerode. "Seitdem war er für die Verkehrserziehung in Altenheimen, in Schulen und Kindertagesstätten verantwortlich", so Schott. Hunderten Kindern brachte der vierfache Familienvater das Thema Verkehrssicherheit näher, gestaltete Projekttage mit Lehrern für die Mädchen und Jungen. Stets mit großer Begeisterung und altersgerecht, betont Tilo Schott anerkennend.

Er brachte sein Wissen außerdem bei der Woche der Mobilität in Wernigerode mit ein, begleitete Besuchergruppen bei den Tagen der offenen Tür der Polizei und präsentierte beim Tag der Polizei während der Landesgartenschau in Wernigerode seine Berufsgruppe.

"Er hat auch mehrfach an der Internationalen Automobilausstellung als Vertreter der Polizei Sachsen-Anhalts teilgenommen", sagt Schott. Dort stellte er Kontakte zu Kollegen aus anderen Bundesländern her. Während der Messen beriet Papendieck Kaufinteressenten bei der Wahl ihres Autos im Hinblick auf die Verkehrssicherheit des neuen Gefährts.

"Reiner Papendieck ist ein Kollege, bei dem alles gestimmt hat."

Polizeichef Tilo Schott über den scheidenden Verkehrsexperten

"Er hat seinen Job immer sehr gerne gemacht. Das lag sicherlich auch an der Anerkennung, die er allseits erfahren hat", sagt Tilo Schott. "Ich denke schon, dass es ihm deshalb schwerfallen wird, dieses Kapitel hinter sich zu lassen." Lachende Kindergesichter und begeisterte Lehrer hätten jahrzehntelang von seiner Arbeit als Verkehrssicherheitsberater an den Schulen in Wernigerode gezeugt. Schott: "Außerdem war er sehr beliebt im Kommissariat und hat sich über viele Jahre als Personalratsvorsitzender für seine Kollegen eingesetzt und stark gemacht." Dennoch sei er stets loyal gegenüber Vorgesetzten aufgetreten. "Er hatte einen Stellenwert in Wernigerode."

Außer seiner Ausbildungszeit, die er in Magdeburg an der Verkehrspolizeischule verbrachte, sowie einigen Schulungen und Lehrgängen sei Reiner Papendieck Wernigerode stets treu geblieben.

"Es bricht etwas weg", resümiert Tilo Schott. "Es gibt inklusive Reiner Papendieck nur noch drei Mitarbeiter bei der Polizei im Harzkreis, die sich mit Verkehrserziehung beschäftigen." Ein Kollege aus Quedlinburg gehe aber ebenfalls demnächst in den Ruhestand. "Somit bleibt noch eine Polizistin in Halberstadt, aber ob sie Projekttage an Grundschulen in Wernigerode schafft, das ist fraglich."

65 Polizisten sind von Abbenrode bis Stiege für das Wernigeröder Revierkommissariat im Einsatz. "Im Februar geht der nächste, dann wieder im April, im Mai, im August", sagt Tilo Schott. Er wird nächstes Jahr 60.

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