Aus Angst vor Hexen haben sich die Menschen lange Zeit nicht in den Harzwald getraut. Später wurde das Mittelgebirge zu einem beliebten Touristenziel und der Aufstieg auf den Brocken zum Pflichtprogramm einer jeden Reise. In einer Ausstellung soll die Kulturgeschichte des höchsten Harzgipfels ergründet werden.

Von Jörn Wegner

Wernigerode l Norddeutschlands höchster Berg wird im Frühjahr im Mittelpunkt einer Ausstellung und eines Buchprojekts stehen. Drei Jahre sind seit der letzten Brocken-Ausstellung mit dem Titel "Hercynia Curiosa oder Curiöser Hartz-Wald" in Wernigerode bereits vergangen. Das neue Projekt "Der Brocken. Die Entdeckung eines Berges" soll an diese anknüpfen.

Die wissenschaftliche Erarbeitung hat der Wernigeröder Historiker Uwe Lagatz übernommen, der an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg arbeitet.

Auf die Zeit zwischen 1650 und 1900 werden Ausstellung und Buch eingegrenzt sein. "Danach wird es sehr unübersichtlich, und diese Geschichte ist ohnehin viel bekannter", sagte Lagatz am Donnerstag im Kunst- und Kulturverein.

Das Ausstellungsprojekt wird Entdeckung, Entwicklung und Bedeutung des Brockens im Laufe der neuzeitlichen Jahrhunderte nachvollziehen, von ersten Abenteurern, die sich durch den dichten und weglosen Wald auf den Gipfel vorkämpften über die wirtschaftliche Nutzung von Holz und Torf bis zur Entwicklung des Tourismus.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts sei der Brocken zentrales Ziel jeder Harzreise gewesen, berichtete Lagatz. Diese Reisen hätten sich sehr zaghaft entwickelt. Im Oberharz diente oftmals die forstwirtschaftliche Nutzung als Grundlage für den Tourismus. Erste Wege durch das Dickicht des Harzwaldes dienten dem Abtransport von Holz, die ersten Unterkünfte in den höheren Lagen waren einfache Baracken, die für Torfstecher gedacht waren und deren Betreiber mit der Unterbringung und Verköstigung von Wanderern ein Zubrot verdienten.

Die Ausstellung schließt mit dem Industriezeitalter ab. Wohlhabende Bürger verbrachten in dieser Zeit den Sommer in den Bergen oder am Meer. Von diesem Trend zur Sommerfrische profitierte auch der Harz, bot seine Waldluft doch Erholung von den rauchenden Schornsteinen in Magdeburg, Hannover, Leipzig und Berlin. Dass das Familienoberhaupt Frau und Kinder zeitweise verließ, um wichtige Arbeiten im heimischen Büro erledigen zu können, sorgte für einen Aufschwung bei der Eisenbahn, der wiederum die Verkehrsanbindung verbesserte.

Mieden die Menschen im 17. Jahrhundert den Harzwald noch aus Angst vor Hexen, so wurden die Walpurgisfeiern im 19. Jahrhundert dazu genutzt, die Tourismussaison zu eröffnen. Was es noch über den Brocken zu berichten gibt, wird ab April in der Galerie 1530 in der Marktstraße 1 zu sehen sein.

Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt unter anderem von der Stiftung der Stadtwerke Wernigerode. Einen Scheck in Höhe von 2000 Euro überreichten die Stiftungsvorstände Uwe-Friedrich Albrecht, Steffen Meinecke und Franz Mnich an den Kulturvereinsvorsitzenden Rainer Schulze und Uwe Lagatz.