Von Kritikern als Kriegsspiel verrufen, für die Fangemeinde pures Freizeitvergnügen: der Schießsport Paintball. Der Wernigeröder David Könnecke hat sich mit einer eigenen Paintball-Halle in Blankenburg selbstständig gemacht.

Blankenburg l "Plopp-plopp-plopp" klingt es durch eine alte Halle in der Blankenburger Weinbergstraße. Dort, wo das Fahrzeug- und Entwicklungswerk der Bahn (FEW) einst Waggons reparierte, zerbersten heute bunte Gelatinekugeln an den Wänden. David Könnecke hat das Relikt sozialistischer Planwirtschaft gemietet und für einen nicht unumstrittenen Freizeitspaß hergerichtet: Paintball.

Der junge Wernigeröder distanziert sich allerdings eindeutig von den negativen Vorurteilen gegen diesen Schießsport. Er sieht ihn als reines Freizeitangebot: "Es ist wie Völkerball für Erwachsene", sagt der 35-Jährige. Die verwendeten Bälle sind knapp einen Zentimeter große, mit Lebensmittelfarbe gefüllte Gelatinekugeln, die mit Druckluftgewehren, den sogenannten Markierern, abgefeuert werden. Die beiden Teams, die sich im Spiel gegenüberstehen, versuchen sich mit den Farbbällen zu markieren. Wer getroffen wird, zeigt das mit erhobenem Arm an und scheidet aus. Wer als letzter übrig bleibt, hat gewonnen. Im Spiel kommt es vor allem darauf an, sein eigenes Terrain - die Base - zu verteidigen.

Um den Spielern ein attraktives Feld zu bieten, hat sich David Könnecke einiges einfallen lassen. Die 750 Quadratmeter große Halle wurde wie bei einer Filmkulisse in ein sogenanntes Scenario-Spielfeld verwandelt und in mehrere unterschiedliche Räume aufgeteilt. Bestückt sind diese Zimmer mit allerlei Hindernissen, die ausreichend Deckung vor den Farbgeschossen bieten, die mit bis zu 220 km/h durch die Halle zischen und beim Aufschlag Spuren hinterlassen. Nicht nur Farbspritzer. "Da bekommt man schonmal einen blauen Fleck", weiß David Könnecke. Und das, obwohl er auf Bekleidung und Schutzausrüstung größten Wert legt.

"Paintball ist wie Völkerball für Erwachsene."

Beim Paintball besteht absolute Helm- und Maskenpflicht. Frauen bekommen zudem einen Brustpanzer. "Durch diesen Schutz und die strengen Sicherheitsregeln beim Spielen ist Paintball wider Erwarten eines der ungefährlichsten Freizeitvergnügen", sagt David Könnecke. Gespielt werden darf ohnehin erst ab 18 Jahren.

Besonders beeindruckt ist David Könnecke von der positiven Resonanz auf seine Idee, in der alten FEW-Halle ein Paintball-Areal einzurichten. Viele seiner Aufbauten hat er einfach geschenkt bekommen. Darunter nicht nur Holzpaletten, Tische, Stühle und ausrangierte Heizöltanks. Das skurrilste Stück ist eine Heimorgel. Besonders stolz ist Könnecke auf den Führerstand eines S-Bahn-Triebwagens, das auf dem FEW-Werksgelände vor sich hin rostete.

Die nicht selten in der Paintball-Szene verwendeten aufblasbaren Hindernisse aufzubauen, kam für ihn nicht in Frage. "Die sind für Amateure und Freizeitspieler nicht so ansprechend. Ich wollte ein richtiges, realitätnahes Feld bauen, wie es auch in Computerspielen zu finden ist."

Der gelernte Kfz-Meister hatte vor knapp zwei Jahren die Entscheidung gefällt, aus seinem Beruf auszusteigen und sich selbstständig zu machen. "Ich stand vor der Weichenstellung, etwas selbst auf die Beine zu stellen oder weiter für fremde Herren zu arbeiten", erzählt er. "Dann habe ich meine Idee durchgezogen", so Könnecke. Große Unterstützung erfuhr er dabei vom Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) in Wernigerode. Dort wurde ihm geholfen, ein tragfähiges Konzept auszuarbeiten und eine Förderung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu bekommen.

Auch der Gang zu allen weiteren Behörden in Stadt und Landkreis verliefen für ihn ohne Komplikationen. "Es ist alles positiv gelaufen, ob vom Bauamt der Stadt bis hin zum Gewerbeamt", erinnert er sich. "Ich habe richtige Schützenhilfe bekommen." Auch die Investitionen, so der Jungunternehmer, hielten sich in überschaubarem Rahmen.

"Da gibt`s schonmal blaue Flecken."

Während sich das Angebot - die nächsten Hallen sind in Lüttgenrode, Magdeburg, Helmstedt und Eisleben - in der Szene inzwischen herumgesprochen und sich bereits eine feste Gruppe von Spielern aus der Region gebildet hat, gab es für David Könnecke auch schon einen herben Dämpfer. Bei zwei Einbrüchen wurden mehrere Waffen und Ausrüstungsgegenstände gestohlen. Der Schaden beläuft sich auf rund 3500 Euro. "Das haut einem dann schonmal die Beine weg", so der begeisterte Paintball-Spieler, der sich aber durch solche Rückschläge nicht beirren lassen will. "Mein Ziel ist es, diese Halle hier in Blankenburg in der Szene zu etablieren", sagt er. Das Allergrößte wäre natürlich irgendwann ein sogenanntes Big Game mit mehr als 1000 Spielern in Blankenburg auf die Beine zu stellen. "Einfach nur um zu sagen: Ich war dabei!"

Mehr Informationen wie zu Öffnungszeiten und Spielarten bietet der Internetauftritt www.hallofpaint.de

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