Bauarbeiter verdichten hinter Lärmschutzwänden den Boden, auf dem die neue Zindelturnhalle in Wernigerode stehen wird. Die Arbeiten sollen am Mittwoch abgeschlossen werden. Dann geht es mit dem Rohbau los.

Wernigerode l Aufmerksamen Passanten an der Straße Unter den Zindeln in Wernigerode sind sie bereits aufgefallen: drei mit Dämmmaterial gepolsterte Metallwände. Sie sollen den Lärm des riesigen Rüttelstopfgeräts auf der Baustelle mindern, das ein Beton-Kies-Gemisch in die Erde presst. Weil die Lautstärke die Richtwerte überschritten hatte, waren die Arbeiten zur Bodenverdichtung am 5. März für zehn Tage unterbrochen worden (Volksstimme berichtete).

Die Kreisverwaltung hat die Lärmschutzwände aufgestellt, nachdem sich mehrere Anwohner über den Geräuschpegel während der Bodenverdichtung beschwert hatten. Wie Messungen ergaben, wurden die Richtwerte tatsächlich überschritten, räumt Kreis-Dezernentin Heike Schäffer Volksstimme gegenüber ein. Der im Haus von Anwohner Dieter Säuberlich ermittelte Durchschnittswert beträgt 76 Dezibel - zulässig sind 60. Dieser Wert könne bei Bauarbeiten aber zeitweilig überschritten werden - rechtlich sei dies nicht eindeutig festgelegt. Heike Schäffer geht davon aus, dass die mobilen Lärmschutzwände wirken. "Neueren Messungen zufolge sind wir jetzt bei einem Wert unter 70Dezibel", sagt sie.

Dieter Säuberlich bezweifelt das. Mit einem eigenen Gerät haben er und sein Nachbar Peter Hartmann mehr als 90 Dezibel gemessen. Er hält die Aufbauten für unzureichend. "Die Lärmschutzwände sind so hoch wie mein Gartenzaun." Da könnten sie den Geräuschpegel im Haus kaum verringern. Das Angebot der Kreisverwaltung, ihn einige Tage in einer Pension unterzubringen, lehnt der 71-Jährige ab. "Weil der Lärmschutz nicht eingehalten wird, soll ich aus meinem Haus hinaus?"

Zudem sei Anfang der Woche aufgrund der Vibrationen sein Warmwasserboiler zu Bruch gegangen, eine Überschwemmung habe er mit Glück verhindern können. "Was ist, wenn ich weggehe und weitere Schäden auftreten?" An den guten Willen der Kreisverwaltung glaubt er nicht mehr. "Die will durchziehen - um jeden Preis. Und ich kann zusehen, wie ich mit den Schäden zurechtkomme."

Ihm gehe es nicht darum, den Neubau zu verhindern, betont Dieter Säuberlich. "Ich habe nichts gegen die Turnhalle. Es ist die Art und Weise, wie gebaut wird. Das Verfahren ist das Problem."

Technisch gesehen gebe es jedoch keine Alternative, sagt Heike Schäffer. Das Problem sei der hohe Grundwasserstand im Baugrund. Würde der Boden abgetragen und ausgetauscht, wird dadurch das Wasser zur Seite gedrückt und steigt an anderer Stelle nach oben. Bohrungen ohne Rüttelstopfverfahren sind ebenfalls zwecklos, so Heike Schäffer: "Der Boden ist sehr weich. In ein Loch würde sofort wieder Erdreich nachrutschen, bevor es mit Beton gefüllt werden kann." Dies sei durch Gutachten belegt.

Zwei Drittel der geplanten rund 330 Bohrungen wurden bereits erledigt, sagt Amtsleiterin Carola Kalks-Gebhardt. Bis Mitte kommender Woche soll die Bodenverdichtung abgeschlossen sein - wenn alles nach Plan läuft. Denn nicht nur die Lärmbeschwerden der Anwohner hatten die Arbeiten unterbrochen, sondern auch Defekte an der Maschine.

Dass im Kreisbauamt die Zuständigkeit für das Projekt zwischenzeitlich auf einen anderen Mitarbeiter übertragen wurde, habe hingegen keine Verzögerung verursacht. Dies habe nichts mit dem Fortgang der Bauarbeiten zu tun und sei "ein ganz normaler organisatorischer Vorgang", so die Dezernentin. Gleich nach der Verdichtung sollen die Arbeiten am Rohbau der Turnhalle beginnen. Der Auftrag an eine Firma in der Region sei vergeben, sagt Carola Kalks-Gebhardt.

Mit dem Bus zur Sportstunde

Die Schüler der Thomas-Müntzer-Sekundarschule störe der Baustellenlärm indes nicht, sagt Schulleiter Helfried Haug. Das war zu Beginn der Verdichtungsarbeiten Ende Januar anders: "Da hatten auch wir unsere Probleme."

Schwieriger ist es, die Übergangszeit ohne eigene Sportstätte zu gestalten. Die Klassen 5 bis 7 nutzen derzeit die Turnhalle in der Bachstraße. "Die Halle ist deutlich kleiner, als wir es gewöhnt sind. Da mussten sich die Sportlehrer umstellen", so Haug. Handball könne man dort nicht spielen, ebenso wenig wie in der Mehrzweckhalle Mann in Nöschenrode, die ältere Schüler für den Sportunterricht nutzen.

Morgens und mittags nehmen die Klassen den Citybus, zwischendurch fahren Kleinbusse. "Der Unterricht wird laut Lehrplan erteilt", sagt Helfried Haug. Jedoch müssen die Lehrer durch die Fahrzeiten die Schüler länger beaufsichtigen. Und für die Schüler verlängert sich die Unterrichtszeit um zwei Stunden pro Woche.