Besucheransturm zum Saisonstart auf dem Großen Schloss. Neben Musik und Ausstellung begeistert seit dem Wochenende ein weiterer Publikumsmagnet: ein komplett eingerichtetes Schlafzimmer im Chippendale-Stil.

Blankenburg l "Das ist ein wirkliches Sahnehäubchen für unsere Führungen", sagt André Gast und überreicht freudestrahlend einen Blumenstrauß an Dagmar Klamroth aus Börnecke und ihre Cousine Marlies Picht aus Berlin. Es ist ein kleines Dankeschön für eine ganz besondere Spende an den Verein "Rettung Schloss Blankenburg": ein komplettes Schlafzimmer-Mobiliar.

"Vor einem Jahr hat mich Frau Klamroth angerufen und mir berichtet, dass sich auf ihrem Kornboden die Möbel eines Damenzimmers von einer früh verstorbenen Verwandten befinden. Die Möbel seien im Chippendale-Stil gearbeitet und gut erhalten", erzählt Christa Grimme die Vorgeschichte. Bei einem Treffen in Börnecke waren sich die Frauen sofort einig, dass diese Möbel gut in ein Zimmer passen könnten, um den Rundgang im Schloss zu beleben und zu illustrieren.

André Gast beschlich bei dieser Idee zunächst ein ungutes Gefühl: "Wir sind auf das Restaurieren der Räume gar nicht eingestellt. Unsere Aufgabe ist eigentlich das Sichern der Bausubstanz", erläutert er. Doch mit viel Hingabe und Improvisationstalent haben es die Schlossretter doch fertiggebracht, ein ehemaliges herzogliches Ankleidezimmer für diesen Zweck herzurichten. "Der Funke hat richtig gezündet", so Christa Grimme.

So entwarf der Restaurator Mathias Pröpper in der Winterpause nach alten Vorbildern die Wand- und Fußbodendekoration. Die Malerarbeiten wurden durch die Bürgerarbeiter des Schlossvereins hervorragend umgesetzt, erläutert Gast. Dann gab Klaus Welborn dem Zimmer den "letzten Schliff": Er stellte die Möbel auf und brachte den Kron- und die Wandleuchter an. Weitere Vereinsmitglieder sorgten für die Ausstaffierung mit passenden Wäschestücken.

Die Stifterinnen waren am Sonnabend die ersten, die das hergerichtete Zimmer offiziell betreten durften: "Das erwartet man wirklich nicht, wenn man durch das Gemäuer geführt wird und sich plötzlich eine Tür zu solch einem schönen Zimmer öffnet", so Dagmar Klamroth.

Auch Marlies Picht zeigt sich an diesem Nachmittag begeistert. "Hier schließt sich auch ein Kreis", sagt sie und erinnert an ihren Vater, der als Konditorlehrling die Torten immer vom Marktplatz hinauf zum Schloss bringen musste. Nun steht ihr Mädchenzimmer, das wohl zwischen 1910 und 1920 in der Familie angeschafft worden war, in dem historischen Gemäuer. Das Gemach mit Bett, Schrank, Nachtschrank, Sekretär, Frisiertoilette und Stühlen, ist ab sofort zu den Sonnabend-Führungen auf dem Großen Schloss zu bewundern.

Zum offiziellen Saisonstart begrüßten außerdem die Bläser des Posaunenchors des evangelischen Gemeinde und eine Ausstellung über die Arbeit des Schlossvereins die Gäste.

 

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