Schierke l Zwei Familien aus Norddeutschland wollen in Schierke einen Ferienpark bauen. Auf dem Gelände des ehemaligen Hotels "Harzland" ist eine Anlage mit Ferienhäusern und Ferienwohnungen sowie Gastronomie und Geschäften geplant. Rund 5300 Quadratmeter misst das Grundstück an der Alten Dorfstraße - eine Brache mitten im Ort und ein "städtebaulicher Missstand", wie es Dieter Nadler, Leiter des Wernigeröder Planungsamtes, ausdrückt.

Im Hotel "Harzland" hatte es 2005 gebrannt, die Ruine wurde 2009 von den Eigentümern, einer Grundstücksgesellschaft aus dem niedersächsischen Gifhorn, abgerissen. Übernommen wurde es von der Röhrdanz Immobilien GmbH, die es den Investoren verkaufen will. "Wir haben einen Vorvertrag abgeschlossen", informiert Torsten Rau, der das Projekt mit seiner Frau Regine auf den Weg gebracht hat. Beteiligt sind außerdem seine Schwägerin Astrid Rader und ihr Mann Thomas aus Hannover.

Die Raus stammen aus Meddewadde bei Hamburg, Torsten Rau betreibt einen Holzhandel und besitzt mit seiner Frau seit 2010 ein Ferienhaus in Schierke. Ihr Urlaubsdomizil ist bei Touristen gefragt, sagt Regine Rau. "Uns gefällt der Ort sehr gut, wir fühlen uns wohl." Die Norddeutschen haben zwei bis drei Jahre nach einem Grundstück gesucht, auf dem sie ihre Pläne verwirklichen können. "Ferienhäuser mit einem gewissen Standard fehlen in Schierke", sagt Thomas Rader.

Die Voraussetzung dafür ist, dass der Stadtrat am Donnerstag dem Entwurf für den Bebauungsplan seinen Segen gibt. Dann wollen die Investoren den Grundstückskauf abschließen und die Planung vorantreiben. Derzeit werde ein Bauträger gesucht, der die Gebäude errichtet - ein Unternehmen aus der Region habe gute Chancen, verrät Rader. Voraussichtlich fünf bis sechs Ferienhäuser sollen auf dem oberen Teil des Grundstücks entstehen, die Erdarbeiten noch 2014 starten.

Wie viele Häuser es werden und wie sie aussehen sollen, ist noch offen. Im Bebauungsplan ist festgeschrieben, dass sie sich in das Schierker Ortsbild einfügen sollen, wie Veronika Roth erläutert. Die Wernige-röder Architektin hat den Entwurf ausgearbeitet, den sie im Schierker Ortschaftsrat und am Montag im Bauausschuss vorgestellt hat. Verwendet werden demnach natürliche Materialien wie Holz und Tonziegel, die geplanten Satteldächer in Rot sollen sich in die Umgebung einfügen. Die Traufhöhe werde auf vier Meter im oberen Grundstücksteil und auf sieben Meter zur Straßenseite hin begrenzt.

Entlang der Alten Dorfstraße sollen Häuser mit zwei Etagen entstehen, die Gaststätten, Geschäfte und Ferienwohnungen beherbergen. Die zweigeschossigen Häuser werden voraussichtlich erst ab 2016 gebaut, erklärt Thomas Rader. Die Ferienhäuser könnten hingegen schon ab Frühjahr 2015 an Gäste vermietet werden.

Im Schierker Ortschaftsrat und im Wernigeröder Bauausschuss stieß das Vorhaben auf einhellige Zustimmung. Ortschaftsratsmitglied Michael Gebbert lobte, "dass viel von der Natur erhalten wird". Zwei Bäche, die unter dem Gelände durch Rohre geleitet werden, sollen wieder oberirdisch fließen, die Bäume bis auf wenige Ausnahmen erhalten werden.

"Die Vorteile überwiegen bei Weitem", sagte sein Ratskollege Roland Jung. Man solle aber darauf achten, dass es sich Einheimische weiter leisten können, in Schierke zu bauen. Dem stimmte Ortsbürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) zu. "Wir sollten Flächen für junge Familien bereithalten." Das sei wichtig, um das Leben im Ort zu erhalten.

Die Sorge ist berechtigt. "Wir verzeichnen in Schierke eine steigende Nachfrage nach attraktiven Grundstücken", sagt der Sprecher der Wernige-röder Stadtverwaltung, Andreas Meling. Auch Kleinstgrundstücke für Ferienhäuser seien gefragt, was dazu führe, dass die Preise steigen.

Das Projekt "Harzresidenz" berät der Stadtrat am Donnerstag ab 17.30 Uhr im Rathaus.