Die Veckenstedter Agrar GmbH ist vom Dioxin-Skandal im schlechtesten Fall nur indirekt betroffen, weil die gesamte Branche ungerechtfertigt Konsequenzen zu tragen hat. Ursache ist die enorme Unsicherheit der Verbraucher, womit kriminelles Handeln Einzelner auch Erzeuger in Misskredit bringt, die sich nichts vorzuwerfen haben. Eine Reihe günstiger Umstände führen dazu, dass das Unternehmen nicht geschlossen werden muss.

Veckenstedt. Beim Geschäftsführer der Vecken-stedter Agrar GmbH mit seinen insgesamt 25 Beschäftigen mischen sich gestern Vormittag Empörung mit riesiger Erleichterung.

Praktisch zeitgleich als die viel gescholtene Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ihren Plan als Folge des erneuten Dioxin-Skandals vorstellte, sprach die Harzer Volksstimme mit Thomas Felgentreff: "Wir hatten mit unserem Futtermittellieferanten riesiges Glück." Wer das genau ist, wollte er nicht sagen, lediglich "ein namhafter Hersteller aus Sachsen-Anhalt". Auch dieser hatte für seine Produkte keine Fette aus dem zwischenzeitlich insolvent gegangenen Unternehmen in Niedersachsen verwendet. "Natürlich hatten wir auch große Sorgen, dass wir zu den Betrieben zählen, die die Behörden sperren." Allerdings gehörten die Veckenstedter nicht zum Kreis jener Abnehmer, die dioxinverseuchtes Futter geliefert bekamen. Glück habe auch der Lieferant aus Sachsen-Anhalt selbst, der für seine Produkte keine fragwürdigen Fette bezogen hat.

"Worauf kann man sich beim Futterkauf noch verlassen?"

Felgentreff: "Das ist eine riesengroße Schweinerei, was da abläuft. Das Schlimmste ist ja der immense Schaden für die Bauern. Und wer den bezahlt, ist ja noch immer fraglich. Worauf kann man sich heutzutage überhaupt noch verlassen, wenn man Futter bestellt?"

Felgentreff weiß von den nur stichprobenartigen Kontrollen der staatlichen Lebensmittelprüfer. Da werde vielleicht zufällig mal einer erwischt. Im Umkehrschluss müsse angenommen werden, dass es eine Dunkelziffer gibt.

Der Geschäftsführer: "Selbst wenn die doppelt so viele Kontrolleure einstellen würden, könnten sie trotzdem nicht alles aufdecken, was da passiert." Das Risiko sei immer da: "Es muss schleunigst eine Eigenkontrolle geben und zwar nicht nur in den Futtermittelwerken, sondern gerade auch bei deren Zulieferern." Der Chef über 25 Mitarbeiter, dessen Unternehmen gerade 8 000 Gänse für deutsche Weihnachtsmenüs geliefert hatte, fordert dringend ein ganz neues System ein, damit das sicherer wird. Damit dürfte er tausenden Mitproduzenten der Branche und erst recht Millionen Verbrauchern aus der Seele gesprochen haben.

Seit 14 Tagen zieht Felgentreff wieder rund 100 000 Hühner auf: vom Küken bis zur 18 Monate alten Legehenne.

Parallel dazu werden im Unternehmen Rinder gehalten. Allerdings bekommen die ausschließlich selbst produziertes Futter.

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