Brautpaare können sich freuen. Nach Ostern sind die Bauarbeiten am Hochzeitserker des Wernige-röder Rathauses beendet. In dem beliebten kleinen Trauzimmer kann dann wieder der Bund fürs Leben geschlossen werden.

Wernigerode l Ein Baugerüst verhindert den Blick auf den Hochzeitserker am Wernigeröder Rathaus. Seit Oktober wird an und in dem Trauzimmer gehämmert, gesägt und gepinselt. "Eigentlich wollten wir nur eine neue Klimaanlage einbauen, die Wärmedämmung erneuern und die Fachwerkfassade sanieren", erklärt Ingo Wolf vom Bauamt. 75 000 Euro seien dafür eingeplant gewesen. Bei den Arbeiten sei dann festgestellt worden, dass Hausschwamm im Gebälk Schaden angerichtet habe. "Einige der Balken waren komplett durchgefault", sagt Wolf. In den Boden habe sich der Schwamm ebenso gefressen. Die Beseitigung der Schäden schlug noch einmal mit 50 000 Euro zu Buche.

Auch an Mobiliar und Innenausstattung habe der Zahn der Zeit genagt. "Zuerst wollten wir alles so lassen, wie es war. Schließlich verbinden viele Menschen Erinnerungen mit dem Kämmerlein und hängen daran." Man habe sich dann aber doch dagegen entschieden und Veronika Roth mit ins Boot geholt. "Dieses Zimmer zu gestalten, ist eine ganz besondere Arbeit für mich", sagt die Architektin. "Es ist ein Schmuckstück und soll Romantik ausstrahlen."

Inzwischen ist der Hochzeitserker nicht wiederzuerkennen. Der Raum strahlt in hellem Beige, wirkt größer. Die zu DDR-Zeiten abgehangene Zimmerdecke wurde entfernt. Die neue Decke ist mit filigranen Malereien geschmückt. "Unsere Idee war es, die Motive des Treppenhauses hier aufzunehmen, nur freundlicher und nicht ganz so dunkel." Für die Gestaltung der Decke sei ein Wettbewerb ausgerufen worden. "Michael Zeitzmann aus Gernrode hat uns mit seinen Entwürfen überzeugt."

Der alte Tisch und die Stühle wurden ausgemustert und sollen durch andere Möbelstücke ersetzt werden. "Wir haben im Rathaus Holzstühle mit Intarsien des Stadtwappens von Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt", sagt Veronika Roth. Sie seien aufgearbeitet worden. Ein Tischler habe sich vom Stil der Stühle inspirieren lassen und einen Hochzeitstisch aus Holz gefertigt. "Ganz toll geworden, das ist ein Unikat", so die Architektin. Auch die Leuchten und sogar Steckdosen und Lichtschalter wurden ausgetauscht.

Nach Ostern sollen die Bauarbeiten am Erker abgeschlossen sein. Dann können Brautpaare hier wieder den Bund fürs Leben schließen. Das kleine Zimmer bietet Platz für 12 bis 15Gäste. Ein Pianist könnte vom winzigen Nebenraum aus musizieren. "Wir vermarkten Wernigerode als Hochzeitsstadt", sagt Rathaussprecher Andreas Meling. "Da ist es wichtig, für verliebte Paare die Rahmenbedingungen für einen unvergesslichen Tag zu schaffen." Mit Ilsenburg und Blankenburg gebe es ganz in der Nähe attraktive Hochzeitsorte. "Mit unserem neuen Hochzeitserker und dem großen Trauzimmer können wir der Konkurrenz weiter die Stirn bieten", ist Andreas Meling überzeugt.