Mit einer Gedenktafel auf dem Blankenburger Waldfriedhof ist am Donnerstag die Blankenburgerin Gertrud Giers geehrt worden. Sie hatte in den letzten Kriegstagen einen Zwangsarbeiter vor den Nazis versteckt und ihm das Leben gerettet.

Blankenburg l Als kleines Mädchen hat sich Ilse Bierwirth eine Zeit lang gewundert, wenn ihre größeren Brüder im Keller über die Kohlen gekrabbelt waren und sich an einer Wand aus losen Steinen zu schaffen machten. Doch erst Jahre später erfuhr sie, was sich in jenen Tagen im April und Mai 1945 im Haus in der Blankenburger Theaterstraße abgespielt hatte. Ihre Mutter, die in den schweren Kriegstagen die fünf Kinder allein durchbringen musste, hatte dort Gerhard Kuhlewey versteckt. Er war Zwangsarbeiter des Blankenburger Gestapo-Lagers für sogenannte "jüdisch Versippte" und am 10. April auf einem der berüchtigten Todesmärsche geflohen.

69 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist diese selbstlose und mutige Tat der Blankenburgerin gewürdigt worden. In einer Feierstunde an der Grabstätte der Familie Giers auf dem Waldfriedhof enthüllte ihre Tochter Ilse im Beisein von Freunden, Vertretern der Stadtverwaltung, des Kultusministeriums und weiterer Institutionen eine Gedenktafel.

Dabei zeigte sie einige wichtige Lebensstationen ihrer Mutter auf, die sich ihr Leben lang für Arme, Schwache, ältere Menschen und hilflose Tiere eingesetzt und sich in der Arztpraxis ihres Mannes liebevoll um die Patienten gekümmert hatte - getreu ihrem Leitspruch "Ehrfurcht vor dem Leben".

Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) erinnerte in seiner Rede an das Ende der Nazi-Herrschaft am 8. Mai 1945. Deshalb sei gerade dieses Datum für die Ehrung von Gertrud Giers gewählt worden. "Es zeigt, dass es auch in unserer Stadt Menschen gab, die sich Werte wie Mitgefühl und Menschlichkeit im Herzen erhalten und trotz Gefahr für Leib und Leben nach diesen Werten gehandelt haben", sagte er. Und das, als "das Böse noch allgegenwärtig war" - unter anderem in Form eines Galgens vor dem Blankenburger Rathaus.

Die Feierstunde wurde musikalisch umrahmt von Schülern aus zwei achten Klassen des Landesgymnasiums für Musik aus Wernigerode.