Wernigerode l Es tut sich was auf dem 1,7 Hektar großen Gelände der ehemaligen Gorki-Schule in Wernigerode.

Bei einer Felderkundung haben Experten in den vergangenen zwei Wochen das Erdreich des Küchengarten-Areals untersucht. Wie sumpfig ist das Gebiet? Wo hat sich unterirdisch Wasser angesammelt? Und wohin wird es bei einer Bebauung mit Wohnblöcken verdrängt? Diese Fragen soll ein geohydrologisches Gutachten klären, das im Auftrag der Stadtverwaltung von einer Magdeburger Firma erstellt wird. Bei Hans-Dieter Nadler im Stadtplanungsamt laufen die Planungen für das Filetstück zusammen.

Im Frühjahr 2015 soll mit der Bebauung der Brache begonnen werden, wie Nadler gegenüber der Volksstimme bestätigt. Im Herbst geht der geänderte Bebauungsplan in die Fachausschüsse des Stadtrats. Die Untersuchung des Baugrunds soll vorab Aufschluss darüber geben, inwieweit der Entwurf des Wernigeröder Architekturbüros Planungsring in die Tat umgesetzt werden kann. Denn der Standort sei bautechnisch nicht unproblematisch, wie Hans-Dieter Nadler erläutert. "Wo die Liv-Ullmann-Schule 1993 errichtet wurde, befand sich früher ein kleiner Teich", erinnert er sich. "In einem Monate rechnen wir mit den Ergebnissen der Bohrungen. Drei Messpunkte werden noch von den Fachleuten beobachtet." Dann wird sich auch herausstellen, ob die Mehrfamilienhäuser mit einer Tiefgarage ausgestattet werden können. "In der Rathenau-Straße leben einige Bewohner mit entsprechenden Fachkenntnissen, darunter Statiker und Bausachverständige", sagt Nadler. "Sie hatten bei ihren eigenen Bauvorhaben Erfahrungen mit dem sumpfigen Boden gesammelt und uns im Herbst darüber informiert." Auch in punkto Verkehrsanbindung arbeiten die städtischen Planer eng mit den Anwohnern zusammen.

Das große Interesse der Menschen in der Walther-Rathenau-Straße an dem Projekt gehe auch auf den Architekturwettbewerb "Mut zur Lücke" zurück, der im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt hatte. Nach dem Plagiatsskandal um den Siegerentwurf der Architektin Skadi Giertz (Volksstimme berichtete), hatte die Architektenkammer erst Ende Dezember die Empfehlung abgegeben, den Ersten Preis abzuerkennen. Planungsring und das Bernburger Büro Baumeister waren gemeinsam als Zweitplatzierter aus dem Wettbewerb hervorgegangen und erhielten nun im Nachhinein den Zuschlag. Ihr Entwurf sieht 55 Wohnungen auf dem Areal vor, während Giertz ursprünglich 89 Wohnungen plante.

Die Idee ist, das Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern an die Bebauung in der Walther-Rathenau-Straße anzupassen. "Am Ende soll das kleine Wohngebiet `Am Küchengarten` entstehen, das mit seiner Größe, der Anordnung der Gebäude und ihrer Lage einen hohen Wiedererkennungswert hat", erläutert Nadler.

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