Mehr Jubiläum geht nicht: 600 Jahre Neuwerk, den 130. nachweisbaren Grasedanz sowie 90 Jahre Kinderspielmannszug und 20 Jahre neuer Harzklub mit Rübeland - all das wird zusammen drei Tage lang gefeiert.

Neuwerk l Eigentlich sind die hübsch an den Berg gebauten Häuser in einem etwas versteckten Tal der Bode gar kein eigener Ortsteil. 1950 eingemeindet, gehört Neuwerk seit 2010 zur heutigen Oberharzstadt als Teil von Rübeland.

Und doch gibt es eine eigene Feuerwehr, einen eigenen Grasedanz und vor allem ein eigenes Selbstbewusstsein. Neuwerker, so hört der Außenstehende oft, seien keine "Räubeländer", wie die Rübeländer plattdeutsch heißen. Das hat eine 600-jährige Geschichte.

1448 wird Neuwerk erstmals als Ort der Grafen vom Regenstein bei Blankenburg urkundlich erwähnt. Und auch nur, weil es dort eine Eisenhütte gibt. Später erst siedeln sich nach und nach Menschen an - neben Hüttenarbeitern auch Holzflößer, Waldarbeiter, Stein- und Marmorbrecher.

Im Dreißigjährigen Krieg kommen Truppen des Feldherrn Tilly 1626 nach Neuwerk und brennen es nieder - fünf Jahre vor ihrem Massaker in Magdeburg. In Neuwerk bleibt damals nur ein Haus verschont und gilt heute als das älteste im Ort, wie Christine-Luise Pust mit Blick auf die alten Chroniken zu berichten weiß.

1872 wird die Neuwerker Eisenhütte stillgelegt, 1876 die Freiwillige Feuerwehr Neuwerk gegründet. 1925/26 verwüstet ausgerechnet zu Silvester ein Hochwasser große Teile des Ortes. Ab 2004 gehört Neuwerk mit Rübeland zur Einheitsgemeinde Elbingerode, zu der auch Königshütte zählt, bis alle zusammen 2010 in der großen gemeinsam gegründeten Stadt Oberharz am Brocken aufgehen.

Unter diesen Rahmenbedingungen sorgen seit alters her viele Neuwerker für ein reges Leben im Heimatort. Ihr Zusammenhalt ist sprichwörtlich und zeigt sich auch darin, dass etwa jeder dritte Einwohner im Spielmannszug ist. Und die anderen zwei sind in der Feuerwehr oder im Grasedanzverein, wie es immer wieder heißt.

So wird verständlich, dass zu jedem Fest die ganze Einwohnerschaft auf den Beinen ist. Da wird die Würdigung all der Jubiläen jetzt ab Freitag (siehe Kasten) keine Ausnahme sein. Die Chefin oder Hauptmännin des Grasedanzvereins, Dörte Reulecke, putzt schon die Sichel, die sie nach alter Tradition zur Heuernte der Frauen präsentiert. Diesmal zu Ehren von gleich vier Jubiläen und zur Ehre der neuen, 130. Neuwerker Grasekönigin. Sie wird die alte Krone von der noch amtierenden Hoheit Grit Konstabel sozusagen erben.

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