Das Unwetter hat die Musiker aus dem Schloss-innenhof vertrieben, doch ihrer Spielfreude tut das keinen Abbruch. Im Fürstlichen Marstall erleben rund 300 Besucher bei der First Night einen Auftakt nach Maß für die Schlossfestspiele.

Wernigerode l Gegen 18 Uhr beginnt der Himmel zu grollen, es zieht sich zu. Entsprechend eindeutig ist die Ansage am Veranstaltertelefon. Die First Night, der Auftakt der diesjährigen Schlossfestspiele, findet im Fürstlichen Marstall statt. Dort erleben die rund 300 Zuhörer ein mitreißendes Konzert, das mit stehenden Ovationen endet.

Zum Auftakt erlauben sich das Philharmonische Kammerorchester und sein Dirigent einen "musikalischen Spaß" - so kündigt Musikdirektor Christian Fitzner das 15-minütige Divertissement des französischen Komponisten Jacques Ibert an. Mit Schwung und Spielfreude bringen die Musiker das Werk in sechs Sätzen dar und ernten bereits dafür begeisterten Applaus. Als "Klangkörper von außergewöhnlichem Rang" lobte Landrat Martin Skiebe (parteilos) das Ensemble. Es sei das Verdienst Fitzners, immer wieder "interessante Partner" zu finden.

Dass das Cristin Claas Trio dazu zählt, stellen Sängerin Cristin Claas, Gitarrist Stephan Bormann und Pianist Christoph Reuter im Fürstlichen Marstall eindrucksvoll unter Beweis. Das Trio spielt eigene Stücke sowie eigenwillige Adaptionen bekannter Volkslieder wie "Wenn ich ein Vöglein wär" oder "Sah ein Knab` ein Röslein stehen".

Die drei Musiker haben sichtlich Spaß am Zusammenwirken mit dem Wernigeröder Orchester, das den Stücken des Jazztrios mit Streichern, Bläsern und Schlagwerk klanglich den Rücken stärkt, sodass die Zuhörer sich zeitweise in einen James-Bond-Film versetzt fühlen. "Bei den Aufnahmen zu unserem neuen Album dachte ich: Irgendetwas fehlt. Jetzt weiß ich: Es ist das Orchester", sagt Cristin Claas, die darauf zurückkommt. "Wir müssen unbedingt zusammenarbeiten", sagt sie in Christian Fitzners Richtung.

Charmant führt vor allem die Frontfrau durch das Programm. Mit gesungenen Ansagen an das Publikum stellt sie klar: Hier wird nicht nur zugehört, sondern auch mitgewirkt. Die Besucher singen und klatschen weisungsgemäß, unter ihnen auch Landrat Skiebe und Sozialdezernent Andreas Heinrich, der als Vizebürgermeister die Stadt Wernigerode vertritt. Das Urteil der beiden nach dem Konzert: "Fantastisch!". Das sehen offensichtlich auch die übrigen Zuschauer so, die Jazzer und Orchestermusiker zum Abschluss mit Beifall überschütten.

Bilder