Hasselfelde l Das große Putzen hat in Hasselfelde begonnen: Nach dem Starkregen am Sonntag sind Mitarbeiter des Bauhofes nun dabei, Spuren zu beseitigen. Straßenschäden werden notdürftig geflickt, angesammelter Kies weggekarrt und Gräben mit Baggern freigeräumt. Derweil schrubben die Anwohner ihre vollgelaufenen Keller sauber, kehren die Grundstücke und Straßen, versuchen zu retten, was zu retten ist. "Die Hilfsbereitschaft untereinander ist im gesamten Ort groß", sagt Hasselfeldes Bürgermeister Heiko Kaschel (BI Oberharz). "Jeder packt mit an."

Besonders schlimm hat es die Tierarzt-Praxis von Uwe Kästner am Kirschenberg erwischt. Die Behandlungsräume befinden sich im Souterrain. Bis zu 160 Zentimeter hoch stand das Wasser im OP-Raum. Die Folgen: Schlamm und Geröll auf dem Fußboden, Wasserschäden an technischen Geräten und Computern, nasse Unterlagen und Medikamente. Das Ausmaß der Schäden lasse sich noch nicht beziffern. "Aber wir machen weiter", versichert Veterinär Uwe Kästner. Schon in den kommenden Tagen will er den Praxisbetrieb wieder aufnehmen. Um dies zu ermöglichen, sind alle Angestellten und weitere Helfer im Dauereinsatz.

Dankbar sei er für die schnelle Unterstützung der Feuerwehrleute und Nachbarn. "Als es passierte, war ich nicht Zuhause", berichtet Kästner. Ein Nachbar habe ihn telefonisch informiert. "Als ich ankam, waren schon dutzende Helfer dabei, die Räume trocken zu legen und aufzuräumen."

Dass das Unwetter so gravierende Folgen hinterlassen hat, habe für ihn eine klare Ursache. "Wären die Gräben in einem ordentlichen Zustand, hätte sich das Wasser keinen anderen Weg gesucht und wäre an den Häusern vorbeigeflossen", sagt Uwe Kästner bestimmt. "Ich werde auf jeden Fall klagen. Vielleicht schließen sich noch weitere Bewohner des Kirschenbergs an."

"Die Pflege der Gräben wurde in den letzten Jahren wirklich stiefmütterlich behandelt", stimmt Ortsbürgermeister Kaschel zu. "Das Problem ist, dass sich dafür niemand richtig zuständig fühlt." Auch sei nicht immer klar, wer der Besitzer und somit haftbar für die Pflege sei. "Die Gräben gehören teils der Kommune, teils Forstbetrieben, Treuhänderschaften oder zu Privatgrundstücken. Der Ortschef wünscht sich eine einheitliche Gesetzgebung, die die Zuständigkeit klar regele.

Sein Augenmerk liegt in der kommenden Zeit auf der Sanierung der Wege und Straßen. "Das sind erhebliche Kosten, die auf uns zukommen. Allein können wir das keinesfalls stemmen", betont Kaschel. Die Fluten haben tiefe Furchen auf Schotterwegen hinterlassen, Teerdecken vielerorts unterspült und regelrecht "aufgesprengt".

"An Straßenschäden und Wasser haben wir uns ja gewöhnt, aber so schlimm war es noch nie", sagt Bärbel Volkmann. Die 67-Jährige wohnt in der Wilhelm-Külz-Straße. Ihre Garage war mit Wasser vollgelaufen und auch im Keller hinterließ der starke Regen Spuren. "Ich war wirklich fix und fertig", berichtet die gebürtige Hasselfelderin. "Schlimm, wie es vor unserer Haustür aussieht", sagt sie kopfschüttelnd.

Sperrungen und Umleitungen sind jedoch schon am Sonntag wieder aufgehoben worden. "Man muss an den Stellen halt vorsichtig fahren", so Kaschel. Eine Dauerlösung sei dies nicht.

Die Harzer Schmalspurbahn (HSB) hat ihren Betrieb ebenfalls wieder aufgenommen, teilt Sprecher Dirk Bahnsen mit.

Bilder