Fünf junge Spanier haben sich das Ziel gesetzt, in ihrer Heimat für Wernigerode zu werben. Als Austauschschüler erkundeten sie die bunte Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten. Ihre Eindrücke haben sie in einer Broschüre festgehalten.

Wernigerode l Wenn Ihnen in Wernigerodes Straßen bald etwas "spanisch vorkommt", könnten Sie damit richtig liegen. In der 80000-Einwohner-Stadt Palencia wird gerade kräftig die Werbetrommel für die bunte Stadt im Harz gerührt. Verantwortlich sind dafür fünf junge Spanier. Sie haben einige Tage als Gastschüler das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium besucht.

Ein kleiner Kulturschock, verrät Beatriz. "Zwar haben Jugendliche hier größere Freiheiten, aber wir feiern in Spanien viel mehr", sagt die 17-Jährige. Alicia hat eine mögliche Erklärung für die ruhigere Abendgestaltung ihrer Gastgeber: "Hier stehen die Menschen so früh auf."

Auch seien die Mahlzeiten ganz anders geregelt. "Die Leute essen den ganzen Tag", sagt die 16-Jährige verwundert. Jesus kann ihr nur zustimmen. Ihn erstaunen besonders die herzlichen Begrüßungen, die er auf dem Schulhof beobachtet hat. "Alle küssen sich auf die Wange", berichtet der Schüler erstaunt. Und noch etwas ist ihm aufgefallen: "Hier ist es sehr grün." Wie unterschiedlich die Flora im Harz im Vergleich zu der Pflanzenwelt ihrer Heimat ist, haben die fünf Schüler bei Ausflügen festgestellt. Mit ihren Gastfamilien waren sie im Wildpark "Christianental", auf dem Schloss, im Miniaturenpark "Kleiner Harz", sie sind Dampflok gefahren, haben das Wernigeröder Rathaus und den Kaiserturm besichtigt. Ihre Erfahrungen haben sie in einer spanischsprachigen Broschüre über Wernigerode und die Sehenswürdigkeiten im Harz zusammengefasst, gespickt mit vielen Fotos.

Den Entwurf fertigten sie in den Räumen des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums an. Dort besuchten sie auch den Unterricht. Viel verstanden haben sie aber nicht, gestehen die Austauschschüler. Sie lernen erst seit zweieinhalb Jahren Deutsch - freiwillig. Dafür besuchen sie zusätzlich zum regulären Schulunterricht einen Kurs an einer Volkshochschule. Die Kommunikation mit den deutschen Gastgebern sei dennoch kein Problem. "Die Lehrer haben sich wirklich Mühe gegeben und Englisch mit mir gesprochen", berichtet Maria. Mit den Mitschülern wurde in einem bunten Mix aus Deutsch, Englisch und Spanisch geredet.

Zustande gekommen war der Schüleraustausch durch die private Initiative der Schülerin Lisa Rogoll. Die 17-Jährige verbrachte im vergangenen Jahr einige Tage in Spanien. "Ich habe viel gelernt, hauptsächlich durchs Zuhören", berichtet die Schülerin. "Man versteht immer mehr, verliert die Angst und quatscht einfach drauf los."

Eine solche Entwicklung begrüßt Eva Domsgen, Spanischlehrerin am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium. "Wir wollen den Austausch festigen. Und hoffentlich entsteht daraus eine offizielle Partnerschaft", sagt die Pädagogin.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist ein Gegenbesuch im Juli von Wernigeröder Schülern in Palencia gewesen.