Farbenfroh gekleidete Hippies und exotische Tiere erwartet wohl niemand bei einem Schützenfest im Harz. In Wienrode ist jedoch alles möglich -dank der Frauen des Ortes.

Wienrode l Genau 45 Jahre ist es her, dass das legendäre Woodstock-Festival - das Treffen der Hippie-Szene - in den USA stattgefunden hat. Hippies gibt es noch heute, sogar mitten in Deutschland - zumindest, wenn es nach den Frauen aus Wienrode geht. Mit langen Röcken in floralen Mustern und bunten Farben sowie Blumenketten zelebrierten sie unter dem Motto "Die Hippies sind los!" den letzten Tag des Wienröder Schützenfestes.

Welches Thema die Brauchtumsgruppe "Frauenrecht" wählt, bleibt während der wochenlangen Vorbereitungen bis zuletzt geheim, berichtet Jeannette Siering. "Wir sind fast alle Mitglieder im Schützenverein beziehungsweise sind es unsere Männer", informiert die Sprecherin der Brauchtumsgruppe.

Was die - in den Bestzeiten waren es bis zu 25 - Frauen allen Alters präsentieren, erinnert jedoch mehr an Karneval als an Schießsport: Sie verkleiden sich jedes Jahr zu einem anderen Thema, singen, präsentieren Sketsche, verteilen Blumenschmuck und lassen mit viel Humor die Ereignisse aus Wienrode Revue passieren. "Da wird auch durchaus Kritik geübt", sagt Jeannette Siering.

Mittelpunkt ihres diesjährigen Programms war das Emu, das vor einiger Zeit im Blankenburger Ortsteil gesichtet, gesucht und schließlich gefangengenommen wurde. Wie die Jagd nach dem Tier abgelaufen ist, stellten die Frauen in einem Sketsch nach - mit einem lebensgroßem Exemplar aus Pappe.

Echt war hingegen das Alpaka, das ein Züchter aus dem Ort zum Schützenfest mitgebracht hatte. "Vieleicht fühlte er sich durch unser Programm inspiriert", mutmaßt Siering lachend. Die Wienröder waren jedenfalls vom außergewöhnlichen Gast begeistert und posierten mit ihm für Fotos.

Beliebte Motive waren auch die neuen Hoheiten, die während des Schützenfestes proklamiert wurden. Mit dem Titel "Großer König" darf sich Fred Rose schmücken. Er errang 29 Teiler. Als Damenkönigin steht ihm Diana Droste zur Seite (21 Teiler). Sichtlich gerührt und stolz war Karl Hage bei der Verlesung seines Namens. Der 84-Jährige ist nicht nur Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender des Vereins, er erlangte in diesem Jahr außerdem die Würde des Seniorenkönigs (32 Teiler). Die Ehrung der neuen Könige nahm der Kreisvorsitzende der Schützen, Wolfgang Luks, persönlich vor.

Zur Volkskönigin wurde mit einem Ergebnis von 98,5 Ringen Susanne Schäfer gekürt. Der Gästepokal ging nach Altenbrak: Die Eheleute Lothar und Ursel Steffen vom hiesigen Schützenverein feierten einen Doppel-Sieg.

Im Rahmen der Ehrungen bedankte sich der Vereinsvorsitzende Hubert Wohlfarth bei den befreundeten Vereinen, beim Spielmannszug Cattenstedt für die musikalische Begleitung und bei der Wienröder Feuerwehr für die Absicherung des Festumzug. Sein Dank galt außerdem allen Helfern, "die das Fest durch ihre Arbeit erst ermöglicht" hatten.

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