Ein Schritt aus der Tür und hinein in den Hundehaufen - für die Gartenbesitzer an der Mirabellenwiese ist das Alltag. Sie ärgern sich über Tierhalter, die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht beseitigen.

Wernigerode l Das Schild am Jägerzaun zeigt, was Wolfgang Ide wichtig ist. "Hier kein Hundeklo", steht dort schwarz auf weiß, daneben eine passende Illustration. Doch viele Hundehalter, die an der Wernigeröder Mirabellenwiese mit ihren Vierbeinern Gassi gehen, beeindruckt das Schild nicht. "Zuletzt lag ein Haufen direkt vor unserer Einfahrt - gleich neben dem Schild", berichtet der 65-Jährige.

Hundebesitzer kämen seit Jahren mit ihren Tieren zum Spazierengehen her, oft bleibe das große Geschäft danach liegen. Seitdem die neuen Häuser am Schleifweg stehen, finden sich noch mehr tierische Tretminen am Wegesrand. "Im Juli war ich es leid und habe das Schild aufgehängt", sagt Wolfgang Ide. Er will die Verschmutzung nicht länger hinnehmen.

Wie seine Nachbarn ärgert er sich über die Hinterlassenschaften der Hunde. Oft genug übernehmen die Anrainer, was die Aufgabe der Halter wäre - sie räumen die Haufen weg. Die Enkelkinder sollen, wenn sie zu Besuch sind, nicht hineingreifen. "Es ist ekelhaft, etwa wenn man die Rasenkanten mäht", so Ide.

Er wandte sich an das Wernigeröder Ordnungsamt. "Dort hieß es, wir sollten Zeugen finden oder selbst in Erfahrung bringen, wer es gewesen ist", berichtet Wolfgang Ide. Er findet: "Die machen es sich zu einfach. Ich kann mich ja nicht auf die Lauer legen." Sein Nachbar Eberhard Wolf pflichtet ihm bei. "Meistens bekommt man das gar nicht mit."

Allerdings gibt es keinen anderen Weg, um den Verursachern auf die Spur zu kommen, sagt Wernigerodes Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich. "Wir bekommen eine Vielzahl von Beschwerden, doch verfolgen können wir nur wenige." Denn wenn Betroffene die Rückstände meldeten, seien die Verursacher schon wieder weit weg. "Wir haben am Ende keinen Verantwortlichen", so Fröhlich.

Mit drei Außendienstmitarbeitern im Ordnungsamt könne die Stadtverwaltung keine Rundumüberwachung bieten - etwa 1500 Hunde sind derzeit in der Stadt gemeldet. "Der Name der Halter muss bekannt sein", so Fröhlich - oder zumindest Angaben zu festen Gassigeh-Zeiten. "Dann könnten wir einen Mitarbeiter schicken."

Derweil versucht die Stadtverwaltung, der Verschmutzung vorzubeugen, indem sie Spender für Hundekottüten aufstellt. Um die zwölf gebe es in Wernigerode und den Ortsteilen, sagt Fröhlich. Der vorerst letzte Spender wurde im Frühjahr im Schierker Kurpark aufgestellt. "Wir erweitern das Netz ständig", so Fröhlich. Wenn an einem Ort gehäuft Beschwerden auftreten, könne das Tütenangebot helfen. Auch an der Mirabellenwiese könnte ein Spender stehen, der Amtsleiter will das prüfen lassen.

Das Angebot könne jedoch nicht unbegrenzt ausgedehnt werden. "Es ist eine freiwillige Leistung, für die die Stadt 2500Euro im Jahr ausgibt", so Fröhlich. Sie sei vor allem für Urlauber und für Notfälle gedacht. Inzwischen werde die Verwaltung aber von Hundehaltern gefragt, wann die Spender wieder aufgefüllt werden - die Anrufer wollten sich mit neuen Tüten eindecken.

Dieses "Anspruchsdenken" sei laut Fröhlich nicht angebracht. Grundsätzlich sollten Hundehalter selbst ihre Tüten kaufen. Sie sind dafür verantwortlich, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu beseitigen. Tun sie dies nicht, begehen sie eine Ordnungswidrigkeit, für die Bußgeld fällig wird. Fröhlich appelliert an das Verantwortungsbewusstsein: "Der Hund kann nichts dafür, es ist die Pflicht der Besitzer."

Die meisten hielten sich an die Regeln, betont Gerald Fröhlich. Das sagt auch Gartenbesitzer Wolfgang Ide. "Es gibt Hundehalter, die Tütchen dabei haben." So habe er es schon vor 30 Jahren gehandhabt, als er selbst noch einen Hund hatte.

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