Mit einer Lesung hat der Künstler Karl Oppermann am Mittwochabend zahlreiche Besucher begeistert. Im "Lesesalon" des Frauenzentrums im Georgenhof zog er die Literaturfreunde in seinen Bann.

Blankenburg l "Soeben landen wir in den Anden." Kaum hat Karl Oppermann den ersten Satz aus seinem Büchlein "Lieber Hans" vorgelesen, ist es im Frauenzentrum des Georgenhofs mucksmäuschenstill. 20 Frauen und Männer lauschen andächtig dem Künstler, der vielen bislang nur als Maler bekannt war. Marion Krause hat ihn eingeladen, um im "Lesesalon" auch seine literarischen Werke vorzustellen. "Sie sind ein richtiges Zugpferd", freut sie sich über Oppermanns Besuch. "Da er als guter Vorleser bekannt ist, wollten wir ihn auch hören", sagt Marion Krause.

"Ich habe eigentlich schon immer geschrieben, mich jedoch nie als Schriftsteller empfunden", erläutert der 84 Jahre alte Künstler seine Begeisterung für das Schreiben. Zahlreiche Ausstellungen in Städten wie Berlin, Paris und Buenos Aires gehören zu seiner Vita. Sein Atelier in Barcelona existiert bereits seit 1989, wo es im Oktober auch wieder eine Ausstellung geben wird. Außerdem war er 25 Jahre lang Professor an der Hochschule der Künste, jetzt Kunstuniversität, in Berlin.

Der gebürtige Wernigerö- der liest an diesem Abend aus "Wechselgesang" und "Nachschlag", Erinnerungen aus seinem Leben. Dazu aus seinem Postkartenband "Lieber Hans". Benannt ist das Werk nach seinem Freund Hans, dem Adressaten der Karten. Da die Qualität von Postkarten früher sehr unterschiedlich gewesen sei, habe er sie auch noch selbst gezeichnet. Beschrieben sind die Karten mit süffisanten Prosatexten und kleinen Versen.

Oppermann liest nicht nur. Es wirkt, als erzähle er aus seinem Leben, als durchlebe er die Geschichte ein zweites Mal. Er berichtet von seinen Reisen nach Bolivien und erzählt Geschichten aus Berlins "Little Istanbul". Seine Mimik und Gestik lassen den Zuhörer der Geschichte folgen und teilhaben. Immer wieder schleicht sich ein zustimmendes Lächeln in ihre Gesichter.

Bereits seit 14 Jahren treffen sich jeden dritten Mittwoch im Monat Menschen im Blankenburger "Lesesalon", die Interesse an guter und anspruchsvoller Literatur haben. "Dass ein Gastleser zu uns kommt, gibt es nur ein- oder zweimal im Jahr", erklärt Marion Krause. Normalerweise stellen die Literaturfreunde Werke vor, die sie selbst gelesen haben.