Wernigerode l Wenn die Mitglieder in den Berufsorchestern mehr Gehalt bekommen, dann haben nicht alle Musiker automatisch mehr Geld im Portemonnaie. Die Mitglieder des Philharmonischen Kammerorchesters (PKOW) in Wernigerode arbeiten für deutlich weniger Geld als manche ihrer Kollegen.

Vor einem Jahr haben die Wernigeröder Instrumentalisten noch 77 Prozent dessen verdient, was ein Orchestermusiker mit sogenanntem Flächentarif erhält. Anders als beim PKOW richtet sich die Gehaltsstufe in den sogenannten Kulturorchestern nach der Ensemblegröße, nach konkreter Tätigkeit (Solist, Stimmführer) sowie nach Dienstalter.

Durch die jüngsten Tarifsteigerungen hat sich die Gehaltsschere zwischen den Wernigeröder Musikern und ihren Berufskollegen deutlich vergrößert - auf 70 Prozent.

"Es geht uns nicht darum, 100 Prozent zu verlangen", sagt Orchesterchef Christian Fitzner gegenüber der Volksstimme. Ziel seien 90Prozent des Flächentarifs. "Ein Vertreter der Gewerkschaft, das ist die Deutsche Orchestervereinigung, war im September bei uns und hat davor gewarnt, dass wir weiter abrutschen." Bezüglich der Lohnentwicklung trage das PKOW derzeit "die rote Laterne" im Land.

Die Gewerkschaft habe die Gesellschafter - das sind Stadt Wernigerode, Harzkreis und Förderverein - gebeten, mehr Geld aufzubringen, um die Gehälter bis 2018 Schritt für Schritt anzunähern. Der Wernigeröder Stadtrat könnte bereits in seiner nächsten Sitzung am 4. Dezember einer einmaligen Zahlung in Höhe von 100000Euro zustimmen, um die Musikergehälter nach und nach bis 2018 zu erhöhen. Der Finanzausschuss beschäftigt sich bereits am morgigen Donnerstag mit dem Thema.

2014 beträgt der Zuschuss der Stadt 295000Euro plus Dynamisierungsanteil (5812,24 Euro), informiert Michael Hamecher von der Stadtverwaltung. Ihm zufolge unterstützt der Harzkreis das Orchester mit jährlich 600000 Euro, das Land gibt 341200Euro. "Wir stehen zu unserem Orchester, das hat auch Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) bekräftigt", so Hamecher.

Zum Hintergrund: Im Dezember 2013 hatte die PKOW GmbH einen Fördervertrag inklusive Gehaltsanpassung mit dem Land geschlossen. Auch die Stadtverwaltung Wernigerode und die Kreisverwaltung hatten sich daraufhin bereit erklärt, ihren Zuschuss zu steigern, sodass die Löhne der Orchestermusiker Schritt für Schritt auf 90 Prozent des Flächentarifs ansteigen können. Aus dem einst staatlichen Orchester war 1994 ein Ensemble in privater Rechtsform geworden. Die Musiker werden nach einem Haustarifvertrag bezahlt.