Wernigerode l In der Diskussion um die Friedhofsgebühren zeichnet sich eine Einigung ab. Im jüngsten Ordnungsausschuss sprachen sich die Mitglieder für eine neue, dritte Gebührenkalkulation aus, die vorgelegt wurde. Auch der Finanzausschuss empfahl diese Berechnung mehrheitlich.

Seit einem Jahr beschäftigen sich die Stadträte mit dem Thema. Das Problem ist, dass die Ruhestätten in Wernigerode und den Ortsteilen bisher nicht kostendeckend betrieben wurden. Vor allem der Zentralfriedhof in Hasserode kommt der Stadt teuer zu stehen. Im Jahr 2012 wurden insgesamt 226 380 Euro Gebühren kassiert und damit nur 52,23 Prozent der Ausgaben gedeckt. Die Kreis-Kommunalaufsicht verlangt nun von der Stadtverwaltung eine 100-prozentige Kostendeckung. Für die Friedhofsnutzer bedeutet dies eine Anhebung der Gebühren.

Im Januar präsentierte die Verwaltung eine erste Berechnung. Grundlage waren Vergleichzahlen aus dem Jahr 2012 über den tatsächlichen finanziellen Aufwand für die jeweilige Bestattungsform. Die Folge waren enorme Kostensteigerungen - im Schnitt bis zu 25 Prozent. Erdbestattungen und die Bestattungen in einigen Urnengemeinschaftsgrabstätten sollten deutlich teurer werden. Zu viel und dem Bürger nicht zuzumuten, waren sich die Kommunalpolitiker einig und beauftragten die Verwaltung mit einer neuen Kalkulation. Unter anderem sollte die Größe des Grabes bei der Gebührenberechnung eine untergeordnete Rolle spielen, um Kosten für die unterschiedlichen Bestattungsformen anzugleichen, so die Forderung der Stadträte. Die Kosten für die Pflege der Friedhofsanlagen, die bislang zu 75 Prozent auf die Nutzer umgelegt wurden, sollten zukünftig vollständig von der Stadt übernommen werden.

Die zweite Kalkulation wurde den Stadträten Ende September vorgelegt. Auch diese Berechnung stieß auf geteilte Meinungen. Zwar konnte eine gewisse Angleichung der Gebühren erreicht werden, aber auf Kosten von Bestattungen mit weniger Fläche. Vor allem der Anstieg von 349 auf 909 Euro bei anonymen Bestattungen auf der grünen Wiese sorgte für Kritik. Für die Pflege der Anlagen sollten die Nutzer auch weiterhin mit 75 Prozent der Kosten belangt werden.

In Vorbereitung auf die jüngste Sitzung erarbeitete André Weber (CDU), Chef des Ordnungsausschusses, zusammen mit Gartenamtsleiter Frank Schmidt und Beate Kuring von der Stadtkämmerei eine dritte Kalkulation. Der neue Vorschlag sei eine Rückkehr zur ersten Kalkulation mit einigen Veränderungen, erklärte Weber. Unter anderem sollen die Kosten für Bestattungen in zwei Urnengemeinschaftsgrabstätten auf 75 Prozent gedeckelt werden, um den extre-men Gebührenanstieg (siehe Infokasten) etwas abzufedern. Zudem sollen inzwischen stillgelegte Gräberfelder nicht weiter in die Kalkulation einbezogen werden, sagte André Weber.

Frank Schmidt bezeichnete die neue Berechnung als gerechteste und finanztechnisch sauberste. "Damit können wir sehr gut leben", so der Chef des Gartenamtes. Auch Ordnungsdezernent Volker Friedrich zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. "Nach langen Diskussionen haben wir zu einem Kompromiss gefunden. Das ist gelebte Demokratie."

Siegfried Siegel (SPD) kritisierte die Berechnung. "Diese Fassung entspricht im Wesentlichen der ersten, die vor einem Jahr für Entsetzen gesorgt hatte." Nun von Gerechtigkeit zu sprechen, halte er für falsch. Durch die Kostendifferenz werde die Schere zwischen Erd- und Urnenbestattungen immer größer. Der Preis sollte keinen Anreiz schaffen, sich für das eine und gegen das andere zu entscheiden. "Das halte ich für gerechter", erklärte Siegel.

Der Stadtrat entscheidet in seiner Sitzung am Donnerstag, 4. Dezember, endgültig darüber, wie tief die Wernigeröder für Bestattungen zukünftig in die Tasche greifen müssen.

Bilder