Elbingerode l Der Bagger senkt seine Schaufel auf das Dach des lang gestreckten Gebäudes in der Elbingeröder Wasserstraße. Lange kann dies dem Druck nicht standhalten. Der Fachwerkbau stürzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Seit dem gestrigen Mittwoch wird das ehemalige Kino abgerissen. Der Grund: Das Gebäude der "Harzfreund-Lichtspiele" ist so baufällig, dass es eine Gefahr für seine Umgebung darstellt.

Der Besitzer des Gebäudes ist der Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement. Das Haus war nach einem Todesfall an das Land Sachsen-Anhalt gefallen, erklärt Falko Balzer, Geschäftsführer des Landesbetriebs in Magdeburg. "Wir erben häufig Liegenschaften, die Zahl der Fälle vervielfacht sich", so Balzer. Wenn sich auf den Grundstücken marode Gebäude befinden, müsse der Landesbetrieb reagieren - so wie in Elbingerode.

Grünes Licht für Abriss von der Denkmalpflege

Ein statisches Gutachten habe den schlechten baulichen Zustand des Fachwerkhauses belegt, so Balzer. "Wir müssen unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen und Risiken für Passanten, Anwohner und Anlieger minimieren." Aus diesem Grund habe auch die Denkmalpflege grünes Licht für den Abriss gegeben und das Bauordnungsamt des Harzkreises die entsprechende Genehmigung erteilt, wie Manuel Slawig von der Kreisverwaltung bestätigt.

"Schade um das schöne Gebäude", sagt Wolfgang Lubinski. Der Wernigeröder hat vor zwei Jahren die benachbarte Gaststätte "Harzfreund" gekauft, die er zum Wohnhaus umfunktionierte. Zusammen mit seiner Frau Claudia Kempe hätte er gern auch das alte Kino erworben, das als Anbau früher zum "Harzfreund" gehörte. Doch die Grundstücke wurden getrennt und aufgrund zahlreicher Verwicklungen kam es nicht zum Kauf.

Nun kann Lubinski von seinem Fenster aus zusehen, wie das alte Lichtspielhaus verschwindet. Dafür sei es allerhöchste Zeit. "Die Dachpappe ist völlig durchnässt, die Balken durchgefault", berichtet er. Auf der rückwärtigen Seite sei das Dach bereits eingestürzt, wer sich dem Gebäude genähert hätte, habe sich in "Lebensgefahr begeben", so Lubinski.

Schöne Erinnerung anlange Filmabende

Viele ältere Elbingeröder haben an das Kino noch gute Erinnerungen. Eröffnet wurde das Lichtspielhaus von der Familie Sauerbrei im Jahr 1939 kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem Zarah-Leander-Film "Heimat". In der DDR-Zeit gab es neben Filmen aus der Sowjetunion hin und wieder französische Filme mit Gérard Philipe oder die "Vier Musketiere" zu sehen. Ab und zu wurde auch ein "Westfilm" gezeigt. In dem Kino fanden bis zu 250 Besucher Platz.

Einige Jahre nach der politischen Wende kam das Aus für das Lichtspieltheater. Es verfiel immer mehr und wurde zu einem Schandfleck. Dieser wird, wenn die Arbeiten nach Plan verlaufen, vielleicht schon am Wochenende Geschichte sein.