Das Sportlerheim in Silstedt ist zu klein. Im Kulturausschuss wurde diskutiert, ob Sanierung mit Anbau oder ein Neubau in Frage kämen. Beide Varianten würden die Stadt ungefähr 700000Euro kosten.

Wernigerode/Silstedt l Auf den ersten Blick macht der Sportplatz in Silstedt einen guten Eindruck. Der Rasen ist gepflegt. Der Platz ist jeden Tag belegt. "Von den Fußballknirpsen bis zu den alten Herren", sagte Silvia Lisowski im jüngsten Kulturausschuss. "Unter anderem trainieren dort die Fußballerinnen des MSV Wernigerode und verschiedene Freizeitmannschaften." Der FC Einheit nutze den Platz als Ausweichstätte, weil der Hartplatz an der Bielsteinchaussee gesperrt ist. An den Wochenenden finden regelmäßig Punktspiele statt. "Der Platz hat Potenzial. Das Problem ist, wir können ihn nicht so auslasten, wie wir wollen, weil das Sportlerheim viel zu klein ist", so die Chefin des Kulturamtes.

So gebe es nur einen Duschraum, die Gästeumkleidekabinen seien winzig, die Räumlichkeiten für den Schiedsrichter ebenfalls zu klein. WC und Dusche für den Unparteiischen fehlen völlig. Die Gästetoiletten seien "eine Katastrophe". Außerdem sei das Gebäude insgesamt viel zu niedrig. "Im städtischen Haushalt war in diesem Jahr Geld für die Erneuerung der Sanitäranlagen vorgesehen. Aber wir waren ratlos: Wo fangen wir an?", so Silvia Lisowski. Deshalb habe man Fachleute mit der Prüfung beauftragt.

Die Raummaße seien nicht die einzigen Mängel, so Axel Surowy vom Wernigeröder Planungsring. "Die Fenster und Türen sind verschlissen, die Wände schlecht gedämmt. Das ganze Gebäude ist sanierungsbedürftig."

Der Bauexperte stellte dem Kulturausschuss zwei Alternativen vor. Varinate 1 sieht eine Sanierung des Sportlerheims und den Anbau eines neuen Sanitär- und Umkleidetraktes vor. "Zweimal zwei Umkleiden für jeweils 15 Sportler mit zugeordnetem Sanitärbereich. Dazu noch Gästetoiletten." Kostenpunkt 690000 Euro. Für Variante 2 müsste das Sportlerheim abgerissen werden. "Wir planen einen kompakten Neubau, mit Vereinszimmer und Miniküche, Räumen für Schiedsrichter, Technik und Lager sowie großem Sanitärbereich", so Surowy. "Der Neubau würde 708 000 Euro kosten."

Kim-Nils Lichtenberg von der Goslarer Ingenieursgesellschaft Meinhardt Fulst präsentierte danach mehrere Möglichkeiten alternativer Energieerzeugung, die aber nur bei einem Neubau realisierbar wären, darunter die Nutzung von Erdwärme sowie die Kanal-Abwasserwärmenutzung. "Letztere wäre für uns die interessanteste Lösung", so Lichtenberg. Durch die Nähe zur Kläranlage des Trink- und Abwasserzweckverbandes Holtemme/Bode verlaufe der Kanal in unmittelbarer Nähe. "Wir könnten die Restwärme des Abwassers nutzen." In Deutschland gebe es nur ungefähr 100 solcher Anlagen. "Das ist ein Riesenpotenzial zur Energiegewinnung, das bisher sehr wenig genutzt wird", so der Experte. Die vorgestellten Alternativen würden die Stadt zusätzliches Geld kosten, aber dafür den Kohlendioxid-Ausstoß verringern.

Sowohl die Mitglieder als auch die anwesenden Silstedter sprachen sich für einen Neubau aus. Das Thema müsse zunächst in den anderen Fachausschüssen beraten und dann vorangetrieben werden, so der Tenor. Silvia Lisowski stellte klar, dass Neubau oder Sanierung mit Anbau nur umsetzbar sind, wenn Fördergeld vom Land fließt. "Das ist die Bedingung." Der Förderantrag für 2016 muss bis zum 30.Juni2015 eingereicht werden. "Es bleibt also noch genügend Zeit, um das Thema in den anderen Ausschüssen zu besprechen", so die Kulturamtsleiterin.

Sollte es keine Zuschüsse vom Land geben, müsste die Stadtverwaltung auf Variante 3 zurückgreifen. "Wir reparieren die Mängel am Gebäude", sagte Frank Beimel vom Hochbauamt. "Aber damit verbessern wir die Situation nicht."