Wernigerode l Ob Zeitungsannonce, Recherche im Internet oder Makler - die Suche nach den geeigneten vier Wänden in Wernigerode gestaltet sich schwierig, gerade für junge Familien. Größere und gleichzeitig bezahlbare Wohnungen sind Mangelware in der Stadt, Baugrundstücke sind überteuert.

"Die Wohnungssuche innerhalb der Stadt ist eine reine Katastrophe", sagt Ivonne Reul. Die Wernigeröderin und ihr Partner Steffen Kürbis haben lange nach einer Wohnung für sich, ihre zwei kleinen Söhne und ihren Hund gesucht. Viele Angebote seien einfach zu teuer, so die junge Mutter. "Sanierte Neubauwohnungen im Stadtfeld kosten 6,50bis6,90Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Das können wir uns selbst mit zwei Durchschnittseinkommen nicht leisten."

Viele Objekte würden zu Zwei- bis Dreiraumwohnungen umgebaut. "Wie soll man da als vierköpfige Familie wohnen?", fragt Ivonne Reul. Sie habe viele Wohnungen in den vergangenen Monaten besichtigt, darunter auch einige "ominöse" Angebote.

"Zimmer mit separatem Eingang - aber doch nicht für ein zweijähriges Kind." - Ivonne Reul

"Wir haben uns eine Wohnung angeschaut, in der die Stube zu klein für den Esstisch war, die Küche gerade mal so groß, dass man sich gerade mal darin drehen kann. Dafür war der Flur sehr groß." Ein anderer Vermieter habe ihnen ein viertes Zimmer mit separatem Eingang als Kinderzimmer angepriesen. "Aber doch nicht für ein zweijähriges Kind", sagt Ivonne Reul.

Ähnliche Erfahrungen hat Nadine Matzke gemacht. "Ich bin immer noch auf der Suche nach einer Dreiraumwohnung für meinen Freund, meinen Sohn und mich mit ungefähr 70 Quadratmetern für 500 Euro Kaltmiete", sagt die Wernigeröderin. "Wir haben schon alles versucht - von Zeitung über Internet, Makler und Verwalter."

Standardfragen seien immer: Haben Sie Arbeit? Wie alt ist das Kind? Haben Sie Haustiere? "Oft wurden wir wieder weggeschickt, weil es keine geeignete Wohnungen gab oder eben nur im Plattenbau, aus dem ich eigentlich raus möchte."

Die Suche im Internet sei ebenso erfolglos geblieben. So habe die junge Familie einige Male erlebt, dass das Objekt, das im Exposé beworben wurde, bereits vergeben war. "Der nächste Vermieter wollte uns wegen eines Besichtigungstermins zurückrufen. Auf den Anruf warten wir heute noch." In Hasserode habe sie eine Wohnung besichtigt, die stark verwohnt war. Die Bodenbeläge stammten noch aus DDR-Zeiten. Oftmals würden Objekte mit Stromfressern wie Durchlauferhitzern und Nachtspeicheröfen angeboten. "Nichts für uns, denn wir sind darauf bedacht, Energiekosten zu sparen und nicht in die Höhe zu treiben", sagt Nadine Matzke. "Ehrlich gesagt, ist es ein Krampf, eine passende Wohnung in Wernigerode zu finden, da sie entweder zu teuer oder total verbaut und verwohnt sind."

"Ehrlich gesagt, ist es ein Krampf, eine passende Wohnung in Wernigerode zu finden." - Nadine Matzke

Ivonne Reul hat inzwischen eine Wohnung gefunden. Die sei aber nur eine Notlösung. Das Umfeld passe nicht. "Unser Traum sind mindestens vier Zimmer, um die 90 Quadratmeter mit Terrasse oder Balkon, wo wir die Ruhe genießen können. Gerne ziehen wir auch aufs Dorf nach Darlingerode, Drübeck oder Silstedt", sagt sie.

Deshalb ist die vierköpfige Familie erneut auf Wohnungssuche. "Diesmal soll es unser letzter Umzug sein", sagt die Wernigeröderin. Sie setzt ihre Hoffnungen auf Bauinvestoren, die nicht nur altersgerechte Wohnungen planen.

"Wernigerode wird immer mehr zur Touristen- und Rentnerstadt. An die Familien oder vielmehr, an die, die nach uns kommen, unsere Kinder, wird nicht gedacht. Kein Wunder, dass so viele junge Familien Wernigerode den Rücken kehren", sagt sie.