Für 125 000 Euro ist der Hochzeitserker am Wernigeröder Rathaus saniert und der Innenraum verschönert worden. Das winzige Zimmer ist vor allem bei kleinen Brautgesellschaften beliebt. Er bietet Platz für 14 Gäste.

Wernigerode l Die ersten Akkorde des Hochzeitsmarsches erklingen. Ann-Christin Milski und Christian Kastner betreten den Hochzeitserker. Die Braut lächelt ihren Zukünftigen an. Ein bewegender Moment für die Gäste der Trauung. "Wir haben uns extra den Nicolaustag als Hochzeitstag ausgewählt", verrät die Braut kurz vor der Eheschließung. Auf der Suche nach hübschen Weihnachtsmärkten in Deutschland sei das Bremer Paar auf Wernigerode im Harz gestoßen.

Die beiden sind nicht die einzigen Auswärtigen, die in diesem Jahr in der bunten Stadt im Harz den Bund fürs Leben geschlossen haben. Von den aktuell 358 Paaren kamen 219 nicht aus Wernigerode. Ob im historischen Rathaus, auf dem Schloss oder auf dem Brocken - Wernigerode ist als Hochzeitsstadt beliebt.

Seit kurzem sind Eheschließungen wieder im winzigen Hochzeitserker möglich. Der Raum, der gerade einmal Platz für 12 bis 14 Gäste bietet, ist in diesem Jahr für 125 000 Euro komplett saniert worden.

Eigentlich sollte nur eine neue Klimaanlage eingebaut, die Wärmedämmung erneuert und die Fachwerkfassade saniert werden, sagt Standesbeamtin Kathrin Hartmann. "Im Winter waren hier keine Trauungen möglich, weil wir nicht heizen konnten. Das wollten wir ändern." Bei den Arbeiten wurde festgestellt, dass das Gebälk von Hausschwamm befallen war. Einige der Balken waren komplett durchgefault. In den Boden hatte sich der Schwamm ebenso gefressen.

Schlichte Gestaltung

Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde das Innere des Hochzeitserkers komplett umgestaltet. "Wir wollten es schlicht haben", sagt Kathrin Hartmann.

Die Wände wurden in zartem Beige gestrichen. Die zu DDR-Zeiten abgehangene Zimmerdecke wurde entfernt und mit filigranen Malereien verziert. "Die Bemalung ist an die Deckengestaltung im Foyer angelehnt", erklärt die Standesbeamtin. "Nur eben viel heller und freundlicher." Der alte Tisch und die Stühle wurden ausgemustert und durch neu angefertigte Möbelstücke ersetzt. "Wir haben uns dabei vom alten Standesbeamtenstuhl inspirieren lassen." Ihn schmücke eine Intarsie des Stadtwappens von Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch die Leuchten und sogar Steckdosen und Lichtschalter wurden ausgetauscht. Die Fensterbänke sind vergrößert worden, die alten Fenster verschönert und neu verglast worden.

Hingucker ist der mit Kerzen beleuchtete Spiegel, in dem sich die Braut kurz vor dem Ja-Wort noch einmal die Frisur richten kann, die schweren Kerzenständer aus versilbertem Messing und das Gefäß für den Brautstrauß. "Uns war es wichtig, dass der Raum durch das Brautpaar und durch bestimmte Details lebt", so Kathrin Hartmann. Der Nicolaustag, so verrät die Standesbeamtin, sei übrigens ein beliebter Tag für Trauungen. "Damit wollen die Paare wahrscheinlich sichergehen, dass sie das Datum nicht vergessen", sagt Kathrin Hartmann schmunzelnd.