Für viele ist es Tradition, zu Weihnachten in die Kirche zu gehen - nicht zuletzt, um sich das Krippenspiel anzusehen. Für die Aufführung in der Johanniskirche in Wernigerode verkleiden sich 14Konfirmanden als Engel, Hirten und Könige.

Wernigerode l Es wird getuschelt und gelacht, Kronen und Umhänge werden gerichtet. Drei junge Mädchen laufen den Gang zum Altar entlang, drehen sich um und blicken zu den noch leeren Kirchenbänken. Eines der Mädchen nimmt ein Mikrofon in die Hand und beginnt mit ihrem Text. "Halt, stopp! Vielleicht wäre es besser, wenn ...", Pfarrerin Heidi Liebold unterbricht sie. Schließlich soll alles bis zum großen Auftritt stimmen: Nicht nur der Text soll sitzen, auch die Abläufe und Bewegungen müssen passen.

Der große Auftritt, das ist das alljährliche Krippenspiel in der Wernigeröder Pfarrkirche St. Johannis am Heiligen Abend. Dafür verwandeln sich Konfirmanden Jahr für Jahr in Hirten, Könige und Engel.

Diesmal arbeiten 14 Mädchen und Jungen seit den Herbstferien an dem Stück. Sie werden die Geschichte von der Geburt Christi darstellen, die aus der Bibel überliefert ist. Neben den klassischen Rollen erwartet die Zuschauer der diesjährigen Version eine gehetzte Familie im Weihnachtsstress. "Mit der Familie wird der Bezug in die heutige Zeit hergestellt", erläutert Benjamin Domsgen. Der 13-Jährige schlüpft in die Rolle des Kindes. Verkleiden muss er sich dafür nicht.

Im Gegensatz zu Nora März. Mit Umhang und Rock bekleidet, spielt die 13-jährige Wernigeröderin "Maria". Eine Premiere: "Ich habe noch nie geschauspielert", berichtet Nora März. "Aber es macht Spaß. Die Proben sind vor allem deshalb lustig, weil wir ständig den Text vergessen." Angst, dass sie den Auftritt verpatzen könnte, oder gar Lampenfieber habe sie deshalb jedoch nicht. Als Schülerin des Musikgymnasiums sei sie an Bühnen gewöhnt - wenn auch normalerweise als Chorsängerin.

"Die Gruppe dieses Jahr ist ohnehin sehr cool", sagt Cindy Prochmann. Seit Oktober ist die 34-Jährige als Bundesfreiwillige bei der evangelischen Kirchengemeinde tätig. Gemeinsam mit einigen Eltern und Freiwilligen hilft sie unter anderem, das Krippenspiel vorzubereiten. Nicht immer eine einfache Aufgabe. "Sie sind halt Jugendliche", sagt Cindy Prochmann und lacht. "Sie tuscheln gern und sind nicht immer aufmerksam, aber wir waren früher ja auch nicht anders." Als Kind habe sie selbst einige Male beim Krippenspiel mitgemacht.

Für Julius Ratzak ist es das erste Mal, dass er vor Publikum agiert. Die Proben sind für ihn gleichzeitig eine gute Gelegenheit, die anderen Konfirmanden kennenzulernen. "Ich habe mich erst vor Kurzem entschlossen, mich konfirmieren zu lassen", berichtet der 14-Jährige. Dennoch hat er gleich eine wichtige Rolle zugewiesen bekommen: "Josef". Obwohl er Spaß am Schauspielern hat, packt ihn langsam das Lampenfieber. "Den Text zu lernen fällt mir leicht, aber ihn auf der Bühne zu präsentieren, ist etwas ganz anderes."

Christvesper am 24.Dezember, um 15 Uhr, Pfarrkirche St. Johannis

   

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