Es ist gute Tradition, dass Wernigerode zum Neujahrsempfang ins Rathaus einlädt. Gut 350Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft waren am Mittwoch der Einladung gefolgt und wurden von Oberbürgermeister und Stadtrats-Präsident begrüßt.

Wernigerode l Von oben sieht die Welt dann doch ganz anders aus: Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) hat erst auf einen Tisch klettern müssen, um zu sehen, wie viele Gäste in diesem Jahr seiner Einladung gefolgt waren. Und was er sah, dürfte ihn beeindruckt haben. Der Festsaal im Rathaus war am Mittwochabend gut gefüllt. Mehr als 350 Wernigeröder und Gäste von außerhalb waren der Einladung der Stadt zum Neujahrsempfang gefolgt.

Doch die große Gästeschar war nicht der Grund für Gafferts Sprung auf den Tisch am Ende seiner Rede. Perspektivenwechsel war sein Thema, einfach mal die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten und so vielleicht Neues entdecken und Altes anders bewerten. So wie Astronaut Alexander Gerst, der 166 Tage lang die Erde umkreiste und später sagte: "Wenn man da oben schwebt und herunterschaut auf den kleinen blauen Planeten mit seiner zerbrechlichen Atmosphäre, dann wirkt es grotesk, dass sich auf der Erde Menschen bekriegen und die Umwelt verschmutzen."

Krieg und großes Elend gibt es in Wernigerode zwar nicht, doch der Blick aus einer anderen Perspektive offenbart laut Gaffert auch hier Interessantes. Etwa dies: "Wernigerode geht es ähnlich wie der Bundesrepublik: sehr gut." Laut Umfragen zähle die Stadt zu den schönsten Deutschlands.

Viel Positives sei im vergangenen Jahr geschehen, Gaffert nannte den Sachsen-Anhalt-Tag als Beispiel. Diese "drei tollen Tage" hätten den Blick vieler Bürger auf Stadtverwaltung, aber auch auf ihre eigene Stadt geändert. Positiv auch der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit, die erfreuliche Entwicklung von Wirtschaft und Tourismus, das rege Baugeschehen, der erhoffte Aufschwung in Schierke und noch einiges mehr. Gaffert: "2014 war ein ereignisreiches, gutes Jahr für unsere Stadt, ihre Ortsteile, ihre Menschen, ihre Gäste. Es hätte nicht besser laufen können."

Die Aufgaben werden im kommenden Jahr indes nicht weniger, so der Stadtchef. Zu den wichtigsten Vorhaben zählte er Straßen- und Wohnungsbau, schnelles Internet und die gläserne Werkstatt der HSB, Sportstättenbau und Schierke-Arena, Chorfestival und Schlossfestspiele. Das Wichtigste aber: "Ich wünsche mir, dass wir weiterhin weltoffen und tolerant bleiben."

Stadtratspräsident Uwe- Friedrich Albrecht (CDU) hatte zuvor über den Mauerfall, die Wiedervereinigung, aber auch über die terroristischen Anschläge von Paris geredet. Das habe gezeigt, "dass wir uns auch weiter für ein friedliches Miteinander engagieren müssen". Die Schlussfolgerung des Stadtratspräsidenten aus all diesen Ereignissen, die Albrecht den Gästen am Mittwochabend mit auf den Weg ins neue Jahr gab: "Mit Entschlossenheit, Einigkeit und friedlichen Mitteln müssen wir solchen radikalen Kräften entgegentreten."

   

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