Wie man im Alltag Energie sparen kann, lebt Detlef Rothert vor. Der Reddeberaner hat am Klimaschutzkonzept der Stadt mitgearbeitet und in Wernigerode einen Öko- und Energiestammtisch ins Leben gerufen. Dort können Interessierte Neues zum Thema erfahren und sich über praktische Fragen austauschen.

Reddeber/Wernigerode l Wenn Detlef Rothert das Licht anschaltet, dann weiß er: Seine Lampen verbrauchen keine Kilowattstunde zu viel. "Ich habe nach und nach alle Leuchtquellen im Haus auf LED umgerüstet", berichtet der Reddeberaner, der seinen Alltag auf Energiesparen und Klimaschutz ausgerichtet hat - und das bis zur letzten Lampe.

Die Leuchtdioden, die es im Baumarkt und über das Internet zu kaufen gibt, brauchen wenig Strom und haben eine hohe Lebensdauer. Es lohne sich, umzurüsten, sagt der 49-Jährige. "Das ist etwas, was wirklich jeder tun kann." Andere Dinge, die für den Klimaschutz sinnvoll sind, kann und will nicht jeder ausprobieren, weiß Rothert. Da ist etwa der Außenkühlschrank, den der Computerfachmann vor seinem Küchenfenster installiert hat - einige Bretter, auf denen er in der kühlen Jahreszeit Lebensmittel lagert. "Dadurch kann ich den Kühlschrank im Winter zeitweise abschalten."

Eine Besonderheit ist auch der Solarkocher, den Detlef Rothert bestellt hat. Die Firma aus Bayern, die ihm das Gerät geliefert hat, wollte zunächst nicht glauben, dass er es selbst nutzen will. "Normalerweise werden solche Kocher vor allem nach Afrika verschickt", berichtet Rothert. Auf der silbern glänzenden Metallschüssel wird ein Topf platziert. Die Sonnenstrahlen, die auf das reflektierende Material treffen, bringen das Wasser im Topf zum Kochen - ganz ohne Strom. "Das ist schon exotisch", gibt Rothert zu. Überdies funktioniert es nur bei Sonnenschein, doch dann nutzt der Reddeberaner das mit Solarenergie erhitzte Wasser auch für Waschmaschine und Geschirrspüler.

Detlef Rothert entwickelt Computerprogramme für einen großen Autobauer. Bei seinen zahlreichen Dienstreisen rund um die Welt hat er erlebt, wie anderswo mit Energie umgegangen wird. Sechs Monate hat Rothert beispielsweise in der brasilianischen Metropole Sao Paulo verbracht. "Dort wird das Gros der Energieversorgung mit Wasserkraft bestritten", berichtet er. Bei den regelmäßig auftretenden Energieengpässen werden Leuchtreklamen und Klimaanlagen abgeschaltet. "Dann muss eben gespart werden." In Europa sei es hingegen nicht üblich, sich den vorhandenen Ressourcen anzupassen. "Wir Westeuropäer benehmen uns, als hätten wir 2,6 Erden zur Verfügung. So leben und verbrauchen wir. Davon müssen wir wegkommen."

Das sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch - wer Energie spart, spart auch Geld. Dafür gibt Detlef Rothert an anderer Stelle mehr aus, zum Beispiel für Ökostrom aus dem Wasserkraftwerk an der Steinernen Renne. Das kostet pro Jahr und Person zehn Euro mehr, hat er ausgerechnet. "Das ist eigentlich keine Summe." Ausgleichen kann er dies zudem über die Nutzung von günstigerem Nachtstrom. Wäsche gewaschen wird deshalb immer nach 22 Uhr. "Das ist zumutbar." Dann wird auch das Elektroauto an die Steckdose angeschlossen. Seit dreieinhalb Jahren ist Rothert auf kurzen Strecken mit dem Wagen unterwegs. "Für längere Strecken nehme ich die Bahn."

Der Reddeberaner hat in einer Arbeitsgruppe am städtischen Klimaschutzkonzept mitgearbeitet. Dort wurden unter anderem Daten zusammengetragen. "Jeder Wernigeröder, ob jung oder alt, produziert pro Jahr elf Tonnen Kohlendioxid", sagt Rothert. Durch sparsamen Energieverbrauch hat Rothert seine persönliche Klimabilanz bereits von zwei Tonnen Treibhausgas entlastet. Seit 2007 hat er laut eigener Rechnung 14,5Tonnen Kohlendioxid eingespart. Und er will weiter reduzieren.

Um sich mit anderen auszutauschen, hat Rothert in Wernigerode den Öko- und Energiestammtisch ins Leben gerufen. Die nächste Runde wird voraussichtlich im März stattfinden und sich mit dem Thema Ökostrom beschäftigen.