Die Ortschronik für Minsleben ist fertig. Autor Horst Schädel aus Reddeber, der vier Jahre lang an dem Werk gearbeitet hat, stellte es am Sonntagnachmittag vor zahlreichen Gästen im Dorfgemeinschaftshaus vor.

Minsleben l Im Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Minsleben ist kaum ein Stuhl frei. Rund 100 Zuhörer sind erschienen, die mehr über die Geschichte ihres Heimatortes erfahren möchten. Aufgeschrieben hat sie Horst Schädel, ehemaliger Bürgermeister des Nachbarortes Reddeber. Der 75-Jährige hat bereits die Geschichte seines Dorfes erforscht. Nun hat er die Chronik von Minsleben abgeschlossen.

Vier Jahre hat Schädel an der Chronik gearbeitet. Auf mehr als 700 Seiten hat er die Geschichte des Ortes zusammengetragen, in 15 Kapiteln beschreibt er, wie sich Minsleben seit der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1000 entwickelt hat. "Die Geschichte von Minsleben ist vielseitig und daher für die Beschreibung der Region von besonderem Interesse", erklärte Horst Schädel.

Nach einem Einblick in die Frühgeschichte des Vorharzes zeichnet der Autor ein Bild von der Entwicklung des Ortes, der erstmals als "Minislavus" in einer Urkunde Kaiser Ottos III. erwähnt wurde. Zur Zeit der ersten Besiedlung prägten Franken und Sachsen das Gebiet. Zeitweise lag der Ort in Teilen wüst, was Nachbardörfer nutzten, um sich Flächen einzuverleiben. Horst Schädel stellt den Minslebener Adel vor, der seit Anfang des 13.Jahrhunderts nachweisbar ist, und beschreibt das kirchliche Leben im Ort, der zum Halberstädter Bistums gehörte.

Der Leser erfährt zudem, wie sich der Ort baulich entwickelt hat, wann Rittergut, Junkerhof und Gutshof sowie weitere Gebäude wie Mühlen, Gaststätten und schließlich Ende des 19. Jahrhunderts die Zuckerfabrik entstanden sind. Viel Mühe hat der Autor weiterhin auf den Alltag der Einwohner, das Leben der Bauern, Gewerbe und Handwerk sowie die Bräuche und Sitten verwendet. Dem Vereinsleben wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Chronik schließt mit der Beschreibung der 1000-Jahr-Feier. Gesonderte Chroniken hat Horst Schädel der Feuerwehr, den Kindereinrichtungen sowie dem Schützen- und dem Sportverein gewidmet.

Allein hätte er dieses Werk nicht schreiben können, betonte der Reddeberaner - schon deshalb, weil er nicht aus Minsleben stamme und sich das Wissen über den Ort aus Unterlagen und Büchern aneignen musste. "Das Ganze ist nicht mein Werk allein, sondern viele Minslebener haben mitgewirkt", so Schädel, der sich für die Unterstützung und Zuarbeiten der Einwohner bedankte.

Geholfen haben ihm weiterhin die Mitarbeiter des Landesarchivs Magdeburg in den Außenstellen Wernigerode und Wolfenbüttel, verschiedene Museen sowie die Stadtarchive in Wernigerode und Halberstadt. Gestützt habe er sich bei seiner Arbeit auf die Broschüre zum 1000-jährigen Ortsjubiläum, die im Jahr 2000 unter Federführung des Wernige- röder Historikers Uwe Lagatz herausgegeben wurde.

Das vorliegende Werk wird nun von einem fünfköpfigen Redaktionsteam durchgesehen. Rüdiger Borchert, Peter Falke, Carola Festerling, Christa Lorenz und Sabine Miehe werden das Werk offiziell am Mittwochabend in Empfang nehmen und die Chronik künftig weiterführen. "Wir können sie leider nicht drucken und binden lassen, weil das Werk zu umfangreich ist", bedauert Ortsbürgermeister Knut Festerling (parteilos).

Wer Interesse hat, kann aber, sobald alle Korrekturen erledigt sind, das Werk zum Selbstkostenpreis auf CD erhalten. "Wir haben bereits zahlreiche Anfragen dazu", so Festerling.